Kununu Bewertung erfolgreich löschen

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“…wer hier arbeitet muss doof sein.”, “Drecksladen”, “…hoffentlich treffe ich dich mal nachts wieder, dann wirst du sehen, was du davon hast…”, “Betrüger”, “…nur Jasager werden befördert”, “Bei der Bewerbung hatte der Personalchef eine Fahne!”, dies sind nur einige wenige Einträge, welche aktuell auf verschiedenen Bewertungsplattformen zu finden sind.

Kann ich böse Kununu-Bewertungen löschen lassen?

Wie geht man als betroffener Unternehmer mit solchen Entgleisungen um und kann ich sie löschen lassen? Ich möchte dies an dem Beispiel der Bewertungsplattform Kununu aufzeigen.

Auf der Internetplattform kununu.com kann für den aktuellen Job, den Ex-Job aber auch für den Bewerbungsprozess eine Bewertung abgegeben werden. Sie besteht aus einer schriftlichen Kurznachricht, außerdem können Sterne (von 1 – 5) für unterschiedlichste Bereiche wie Unternehmensstriktur, Vielfalt, Arbeitsumgebeung, Gehalt und viele weiter Punkte vergeben werden. Diese sind nochmal in Unterpunkte aufgeteilt.

Anonyme Bewertung möglich

Anschließend Verbesserungsvorschläge, Dinge welche ich am Arbeitgeber gut finde und welche schlecht, werden eingetragen. Durch Anklicken können noch verschiedene Benefits des Arbeitgebers eingetragen werden. Zu guter Letzt wird noch mittels Daumen hoch oder runter mitgeteilt, ob dieser Arbeitgeber weiter empfohlen wird oder eben nicht. Diese Bewertung soll anonym verfasst und veröffentlicht werden.

Methoden solcher Art, müssen sich den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen. Jeder Bewerber oder Mitarbeiter und eigentlich jeder zufällig auf diese Seite stoßende Internetuser, kann ein Unternehmen bewerten. Auch wenn ihm dies in Wahrheit völlig unbekannt ist.

Verfasser kann nicht bewertet werden

Das Unternehmen hat aber im Gegenzug leider nicht die Möglichkeit den Verfasser zu bewerten, da er seine Meinung ja anonym äußern kann. Durch diese Vorgehensweise wird selbstverständlich auch dem schwarzen Schaf die Möglichkeit gegeben, mal “ordentlich Dampf” abzulassen. Bedauerlicherweise wirkt sich das sehr häufig negativ auf die Reputation des Unternehmens aus.

Abschreckung Bewerber durch kununu

Ebenfalls werden potenzielle Bewerber abgeschreckt. Solche Dinge können ein Unternehmen in ernste Schwierigkeiten bringen. Durch die wichtige Meinungsfreiheit im deutschen Recht sind die Kununu Bewertungen in der Regel geschützt und können nicht gelöscht werden. Jedoch gibt es hier natürlich Grenzen.

Unerlaubte Rezensionen

Wird das allgemeine Persönlichkeitsrecht verletzt, greift die Meinungsfreiheit nicht mehr.Dies gilt aber nicht nur für natürliche Personen und Unternehmer Schreibt der Bewerter wissentlich und belegbar die Unwahrheit, stellt falsche Behauptungen auf oder wird eine tatsächliche Person verunglimpft, kann man eine Löschung verlangen.

Sichtlich als Schmähung erkennbare Kritiken und Meinungen, welche auf Vermutungen und nicht auf Erlebnissen beruhen, sind ebenfalls zu entfernen. Allerdings ist es oft schwierig, eine Vermutung von einer Tatsachenbehauptung zu unterscheiden und dies im Anschluss zu beweisen.

Auch der Verstoß gegen das NetzDG (Netzwerkdurchsetzungsgesetz) führt zur Löschung. Hierzu gehören offensichtliche Hassreden, Bedrohungen und Beleidigungen. Hier muss sogar innerhalb von 24 Stunden seitens des Plattformbetreibers reagiert werden.

In allen anderen Fällen vergeht wesentlich mehr Zeit. Zwei bis sechs Wochen und länger sind hier die Regel.

Was tut Kununu?

Kununu sollte eigentlich etwas dagegen haben, dass unwahre oder geschäftsschädigende Bewertungen auf ihrem Portal verbreitet werden. Der Plattformbetreiber hat auch einige Regeln gegen diese Art von Bewertungen erlassen. Im Wesentlichen spiegeln diese aber die sowieso schon geltenden rechtlichen Vorgaben.

Trotzdem sollte man den Betreiber an seine eigenen Statuten erinnern. Sobald Kununu auf einen Rechtsverstoß aufmerksam gemacht wird, muss das Portal prüfen und gegebenenfalls eine Löschung veranlassen. So die Theorie. Die Erfahrung zeigt, dass einige Betreiber an einer Löschung kein Interesse zu haben scheinen.

Wer kann helfen?

Sie sehen, es ist sinnvoll oder sogar unumgänglich, sich die Hilfe eines erfahrenen “Mitstreiters” zu bedienen. Als Fachanwalt für IT-Recht und Arbeitsrecht habe ich tagtäglich mit den oben angeführten ungerechten Negativbewertungen und deren Löschung zu tun.

Die Beweissicherung und die Anwendung verschiedener Rechtsgebiete sowie die Unterscheidung der einzelnen Bewertungen von unerlaubt zu erlaubt, ist dem rechtlichen Laien nicht möglich. Zudem beschleunigt das Einschalten eines Rechtsanwaltes im Normalfall die Löschung enorm.

Des Weiteren sollte geprüft werden, ob Straftatbestände vorliegen. Beleidigungen, Verleumdungen, üble Nachrede oder gar Bedrohungen, sind hier beispielhaft zu nennen. Dieses Verhalten eines Bewerters muss und sollte man nicht hinnehmen. Bei den hier eventuell einzufordernden Schadensersatzansprüchen, stehe ich Ihnen ebenfalls zur Seite.

Wie geht es weiter?

In der Regel löscht Kununu die bemängelte Bewertung, wenn die Bemängelung rechtmäßig ist. Sollten dann keine weiteren Schritte erwünscht werden, wäre der Fall erledigt. Ist der Plattformbetreiber jedoch anderer Meinung oder kommt aus anderen Gründen seinen Pflichten nicht nach, kann durch mich eine Abmahnung mit der Aufforderung eine Unterlassungserklärung abzugeben, versandt werden.

Bei einer Unterlassungserklärung wird das Portal im Rahmen eines Unterwerfungsvertrages gegen Androhung einer Strafe verpflichtet, eine Handlung in Zukunft zu unterlassen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, die Löschung der negativen Bewertung auch gerichtlich durchsetzen zu lassen.

Wie argumentiert Kununu?

Plattformbetreiber behaupten immer wieder gern, dass eine Bewertung auf Grunde der Meinungsfreiheit nicht gelöscht werden kann. Wie Sie oben bereits erfahren haben, ist das nicht ganz richtig. Betreiber argumentieren ebenfalls damit, dass eine Löschung im Nachhinein einer Zensur gleichzusetzen wäre.

Diese Behauptung entbehrt selbstverständlich jeder Grundlage. Hier geht es nicht um eine unerwünschte, aber rechtlich einwandfreie Kritik, sondern um Rechtsverstöße gegen ein Unternehmen. Auch im Interessen der Mitarbeiter dieses Unternehmens sollte gegen solche Falschbewertungen vehement vorgegangen werden.

Kununu hat eine Kommentarfunktion eingerichtet, um die Bewertung aus Sicht des Unternehmens zu kommentieren. Um eine Diskussion zu unterbinden, kann der Bewerter wiederum nicht auf diesen Kommentar antworten. Die Plattform ist der Meinung, damit sei der Gerechtigkeit Genüge getan.

Es ist jedoch allgemein bekannt, dass bei einem Leser einer falschen Bewertung trotz Richtigstellung durch das Unternehmen, immer “etwas hängen” bleibt. Außerdem könnte der Eindruck entstehen, man müsse sich rechtfertigen. Dies ist dem Unternehmensruf abträglich und nicht hinnehmbar. Nur eine Löschung der Negativbewertung schafft hier gerechte Abhilfe.

Die unlogische Behauptung, dass durchweg positive Bewertungen unglaubwürdig seien, ist so nicht haltbar. Im Übrigen geht es nicht um kritische Bewertungen, sondern um Bewertungen, welche gegen das geltende Recht verstoßen.

Was sagt die Rechtsprechung?

Der Bundesgerichtshof hat festgestellt, dass der Betreiber eines Internetportals nicht in vollem Umfang zur Verantwortung gezogen werden können, wenn sie den Inhalt nicht selber erstellt haben. Da das Portal aber die technischen Voraussetzungen zur Verfügung stellt, können sie zur Löschung verpflichtet sein. Allerdings darf diese Verpflichtung den Betreiber nicht über Gebühr belasten.

Keine generelle Prüfpflicht für kununu

Dies hat zur Folge, dass der Portalbetreiber die jeweilige Bewertung nicht vor Veröffentlichung auf Rechtsverletzungen prüfen muss und es in der Regel auch nicht tut. Der Betreiber muss erst dann tätig werden, wenn er aufmerksam gemacht wird.

Jetzt muss die Beanstandung auch ohne schwieriges Überprüfungsverfahren sofort als Rechtsverletzung erkennbar sein. Eine langwierige Überprüfung muss dem Portal nicht zugemutet werden. Aus diesen Gründen ist es enorm wichtig, ein Löschungsbegehren haargenau zu verfassen. Der Portalbetreiber muss praktisch mit der “Nase” auf ein Vergehen oder auf einen Richtlinienverstoß gestoßen werden.

Die Beanstandungen müssen dann von dem Portalbetreiber an den Verfasser zur Stellungnahme weitergeleitet werden. Reagiert der Verfasser nicht darauf, muss gelöscht werden.

Keine Pflicht zur Löschung eines Unternehmensprofils

Zweifelt der Verfasser jedoch die Beanstandung an, müssen nun wieder Nachweise vorgelegt werden aus denen ersichtlich sein muss, dass eine Rechtsverletzung vorliegt. Klingt kompliziert, ist es auch. Übrigens ist laut Bundesgerichtshof durch das sogenannte “Spickmich-Urteil” festgelegt worden, das sich ein Unternehmen auf Bewertungsplattformen bewerten lassen muss. Es ist also nicht möglich, die Löschung des Unternehmensprofils vom Betreiber zu bewirken.

Schmähungen durch Mitarbeiter

Leider kommt es häufig vor, dass Mitarbeiter sich dieser Plattformen bedienen, um anonym ihren Arbeitgeber schlecht zu machen. Dies hat sicherlich mannigfaltige Gründe und beruht meist auf ein sich ungerecht behandelt fühlen. Trotzdem gefährdet dieses Verhalten nicht nur die Arbeitsplätze der Kollegen, es ist oft schlicht und ergreifend strafbar.

Auch hier kann das betroffene Unternehmen bei bereits erörterten Voraussetzungen, eine Löschung erzwingen. Zusätzlich kann verlangt werden, dass “Ross und Reiter”, sprich der Verfasser benannt wird. Jetzt stehen dem Unternehmen alle üblichen arbeitsrechtlichen Maßnahmen, wie Ermahnung, Abmahnung oder im äußersten Fall die Kündigung zur Verfügung. Ähnliches gilt natürlich auch, wenn der Verfasser Arbeitskollegen oder Vorgesetzte namentlich nennt und verunglimpft.

Wer trägt die Kosten?

Ich sorge für eine rechtssichere Abwicklung, wenn der Löschungsanspruch begründet ist. Angefallenen Kosten können in diesem Fall bei der Gegenseite geltend gemacht werden. Ist das Unternehmen rechtsschutzversichert, übernehmen die Versicherer in der Regel die Kosten. Im Vorfeld sollte in jedem Fall eine Deckungszusage bei der jeweiligen Versicherung eingeholt werden.

Fazit

Ich möchte noch einmal betonen, dass es nicht in meiner Absicht liegt, das hohe Gut der Meinungsfreiheit einzuschränken.

Wenn Sie von einer rechtswidrigen Bewertung betroffen sind, sollten Sie nicht zu emotional reagieren. Atmen Sie bitte tief durch. Einen eigenen Kommentar zur Falschbewertung abzugeben, sollte unterbleiben.

Wenn Sie in dieser Thematik wenig oder keine Erfahrung haben, sollten Sie ohne meine Hilfe nichts unternehmen. Sichern Sie so weit es Ihnen möglich ist alle den Fall betreffenden Unterlagen und stellen Sie sie mir zur Verfügung. Bei Aussicht auf Erfolg werde ich alles zur Wahrung Ihrer Rechte unternehmen.

Die Löschung einer Falschbewertung zu erreichen, ist schwierig, aber keinesfalls unmöglich. Im Gegenteil, ist die Bewertung tatsächlich rechtswidrig, wird eine Entfernung des negativen Eintrages fast immer erreicht. Mittels geeigneter Maßnahmen kann verhindert werden, dass nach der Löschung eine ähnlich lautende vom gleichen Bewerter erneut eingestellt wird.

Gern können Sie mit mir unter feil@recht-freundlich.de Kontakt für eine kostenfreie Ersteinschätzung aufnehmen.


Wir sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig
2% unseres Gesamtumsatzes spenden wir an die Welthungerhilfe
 

Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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