Was bei einer Kununu Bewertung erlaubt ist! Tipps für Arbeitnehmer, die ihre Arbeitgeber bewerten möchten!

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Normalerweise betrachten wir als Kanzlei für Reputationsrecht die Problematik rund um Kununu Einträge aus der Sicht von Arbeitgebern. Meistens beauftragen uns die Arbeitgeber, um sich gegen negative Bewertungen zu wehren.

Im vorliegenden Blogbeitrag möchten wir allerdings der „Gegenseite“ einige wertvolle Hinweise geben, was bei Kununu überhaupt erlaubt ist und was nicht. Es gibt Fälle, die immense rechtliche Konsequenzen für die bewertenden Personen nach sich ziehen könnten – all dies ist jedoch vermeidbar, wenn man die Grenzen des rechtlich Zulässigen kennt!

Was definitiv nicht erlaubt ist und vermieden werden sollte!

Beginnen wir mit den Fallkonstellationen, die unbedingt vermieden werden sollten, weil sie schlicht und ergreifend nicht erlaubt sind. Wer in einer Arbeitgeberbewertung auf Kununu strafrechtlich relevante Inhalte postet, bekommt womöglich Probleme. Hierzu zählen insbesondere beleidigende oder bedrohende Bewertungen.

Sehr oft erkennen wir in den von uns geprüften Einträgen, dass dort Menschen beleidigt oder bedroht werden – dass dies nicht erlaubt ist, sollte jedem klar sein. Lassen Sie es daher lieber, denn erstens wird Ihre Bewertung dann ohnehin gelöscht werden, und zweitens machen Sie sich strafbar. Ist es das wirklich wert?

Klarnamen nicht erlaubt bei Kununu Bewertungen!

Nicht erlaubt ist außerdem die Nennung von Klarnamen – also bitte benennen Sie Ihre Kollegen nicht namentlich, auch nicht Ihre Vorgesetzten. Dies verstößt gegen das Datenschutzrecht und kann für Sie im schlimmsten Fall in einer Abmahnung enden.

Ebenso nicht erlaubt ist das Ausplaudern von Firmeninterna. Hierzu zählen nicht Oberflächlichkeiten, die sowieso niemanden interessieren, wohl jedoch alles, was als Geschäftsgeheimnis gelten mag oder in diese Richtung weist.

Es ist daher verboten, Geschäftszahlen zu veröffentlichen oder Strategien des Unternehmens, die geheim zu halten sind, auf Kununu auszubreiten. Hierbei verstoßen Sie gegen Ihre arbeitsvertraglichen Nebenpflichten, oder sogar gegen unterzeichnete Hauptpflichten aus dem Arbeitsvertrag.

Unwahre Tatsachenbehauptungen sind übrigens auch nicht erlaubt – alles, was nicht stimmt, dürfen Sie nicht veröffentlichen. Hiergegen kann sich jeder Arbeitgeber schnell und effektiv wehren, und im schlimmsten Fall müssen Sie dafür zahlen. Um es kurz zu machen: Lügen lohnen sich nicht.

Grenzbereiche einer Kununu Bewertung – hier bitte vorsichtig sein!

Es gibt Fälle einer Kununu Bewertung, die nicht eindeutig als erlaubt oder verboten einzuordnen sind. Diese Grenzbereiche wollen wir uns einmal näher anschauen.

Übertreibungen als Stilmittel sind grundsätzlich vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Allerdings gibt es hier Fallkonstellationen, in denen das Interesse des bewerteten Unternehmens Ihrem Recht auf freie Meinungsäußerungen überwiegt.

Eine Übertreibung, die letztlich eine Beleidigung darstellt, ist keine Übertreibung mehr. Gleiches gilt für Übertreibungen, die im Grunde unwahre Tatsachenbehauptungen aufstellen. Achten Sie daher bei dem Einsatz von Übertreibungen darauf, dass diese tatsächlich als Stilmittel genutzt werden und nicht etwa unerlaubte Inhalte kaschieren sollen.

Ausplaudern von Firmeninterna kann Löschen der Bewertung zur Folge haben!

Ist das „aus dem Nähkästchen plaudern“ erlaubt? Hier bewegen Sie sich in jedem Fall immer nah an dem Veröffentlichen von Firmeninterna. Dies verstößt sowohl gegen Ihre arbeitsvertraglichen Pflichte, als auch gegen die Kununu Richtlinien.

Allerdings ist es Ihnen sehr wohl erlaubt, Ihre eigenen Erfahrungen aus einer Firma mitzuteilen. Es wird im Einzelfall darauf ankommen, ob Sie tatsächlich nur Ihre Eindrücke vermitteln, oder ob es um das Ausplaudern von Firmeninterna geht.

Das Lästern über Kollegen ist grundsätzlich erlaubt, solange keine Klarnamen oder sonstige personenbezogene Daten dabei verarbeitet werden. Sprechen Sie daher pauschal über die Belegschaft, ist dies in den meisten Fällen selbst bei einem harschen Tonfall erlaubt. Achten Sie aber darauf, dass einzelne Personen nicht durch Ihre Aussagen in der Kununu Bewertung identifizierbar werden.

Was definitiv erlaubt ist!

Kommen wir zum spannenden Teil: Was auf jeden Fall erlaubt ist! Gestattet und vom Recht auf freie Meinungsäußerung umfasst ist jegliche konstruktive Kritik, die anständig formuliert ist und nicht gegen geltendes Recht verstößt.

Sie dürfen auch harsche Kritik üben und müssen sich im Tonfall nicht zurückhalten. Es stößt bei Arbeitgebern oft auf Verwunderung, was in einer Kununu Bewertung erlaubt ist. Wir möchten einige Beispiele geben, die zwar hart klingen, aber dennoch erlaubt sind.

Beispiele zum Lernen!

Beispiel 1: „Diese ganze Firma gleicht einem Mentalfriedhof.“

Beispiel 2: „Hier gibt es keine Kompetenz, sondern nur Arschkriecherei.“

Beispiel 3: „Arbeiten, um zu sterben.“

Sie müssen sich auf Kununu daher keineswegs zurückhalten. Schreiben Sie ruhig über Ihre Eindrücke und Erfahrungen, Sie dürfen auch konkrete Beispiele geben. Unwahrheiten sind jedoch unbedingt zu unterlassen, und es ist hilfreich, den Tonfall der Situation anzupassen – obgleich es nicht verpflichtend ist, sich höflich auszudrücken!

Denken Sie daran, dass die Arbeitgeberbewertung öffentlich ist – und gehen Sie davon aus, dass die Öffentlichkeit Ihren Ausführungen grundsätzlich Glauben schenken wird. Dann wird Ihnen klar sein, dass Arbeitgeber sich gegen unzulässige Einträge wehren werden. Gegen Kritik an sich ist aber nichts einzuwenden, auch wenn der Ruf eines Unternehmens durch Kritik leiden mag.

Weshalb ein Eintrag bei Kununu, der erlaubt ist, dennoch Probleme für Sie bedeuten kann!

Wir möchten zum Schluss darauf hinweisen, dass selbst erlaubte Einträge bei Kununu dennoch im Einzelfall Probleme für die verfassende Person bedeuten können. Denn selbst wenn Sie eine erlaubte Kritik äußern, könnten Sie darüber in einen Rechtsstreit mit Ihrem ehemaligen oder derzeitigen Arbeitgeber gezogen werden.

Es mag sich vor Gericht zwar aufklären, ob dies oder jenes erlaubt oder nicht erlaubt war, dennoch ist anzudenken, beim Schreiben einer Bewertung im Hinterkopf zu behalten, dass es rechtliche Konsequenzen geben könnte. Übrigens ist nicht zu vernachlässigen, dass auch nach dem Kündigen gewisse arbeitsvertragliche Pflichten fortbestehen.

Es gilt daher nicht, dass Sie so richtig Dampf ablassen können, wenn Sie erst einmal aus dem Unternehmen raus sind – Firmeninterna etc. darf dann dennoch nicht einfach herausposaunt werden. Sollten Sie noch angestellt sein, kann eine rechtlich erlaubte Bewertung zwar keine arbeitsrechtliche Abmahnung nach sich ziehen, wohl aber die Stimmung am Arbeitsplatz empfindlich schädigen.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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