Kreditkartenbetrug: Was Sie als Verbraucher wissen und tun müssen

Internetbetrug

Als erfahrener Fachanwalt für IT-Recht beschäftige ich mich tagtäglich mit Fragen rund um den digitalen Datenverkehr und die damit verbundenen Risiken. Eines der am häufigsten auftretenden Probleme in der digitalen Welt ist der Kreditkartenbetrug. In diesem umfangreichen Blogbeitrag möchte ich Sie über alles informieren, was Sie zu diesem Thema wissen müssen und wie Sie sich effektiv schützen können.

Update 18.04.2024 – Deutschland hat ein Problem mit Kreditkartenbetrug

In Deutschland nutzen Kriminelle gestohlene Kredit- und Debitkartennummern, um hauptsächlich hochwertige Luxusgüter zu erwerben. Die finanziellen Verluste durch solche Betrugsfälle wachsen schnell. Besonders junge, dynamische Firmen sind von Datenlecks und Cyberangriffen betroffen.

Zahlungsbetrug ist ein heikles Thema, über das Einzelhändler ungern sprechen. Doch die illegalen Aktivitäten nehmen alarmierend zu. Im letzten Jahr verloren betroffene deutsche Verbraucher durchschnittlich 811 Euro, verglichen mit 235 Euro im Jahr 2022, laut einer Untersuchung des britischen Centre for Economic Business and Research (Cebr), die im Auftrag von Adyen durchgeführt wurde.

Betrüger erbeuten Kreditkartennummern oder Kontoinformationen, um unbefugte Käufe zu tätigen, oft von Luxusmode und Kosmetikartikeln. Die benötigten Daten erlangen sie durch Datenlecks oder gezielte Cyberattacken auf Einzelhandelsunternehmen.

Vor allem junge, florierende Unternehmen sind betroffen

Besonders betroffen sind in Deutschland Händler, die für 2024 ein Umsatzwachstum von über 100% erwarten – oft junge und erfolgreiche Unternehmen. Für 2023 wurden hier finanzielle Schäden von etwa 10 Milliarden Euro verzeichnet. Trotz zunehmender Betrugsfälle haben nur zwei Drittel der deutschen Firmen angegeben, effektive Betrugspräventionssysteme zu besitzen, ein Anstieg um 9 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.

Die Betrugsvorfälle beeinflussen auch das Verbraucherverhalten. Laut Cebr-Umfrage fühlt sich heute einer von fünf Kunden weniger sicher als vor zehn Jahren, sowohl beim Einkauf im Geschäft als auch online. Jeder sechste bevorzugt Geschäfte mit höheren Sicherheitsstandards. Weltweit trifft dies auf einen von vier Konsumenten zu. Ebenso viele Deutsche begrüßen es, wenn Händler sie auffordern, ihre Identität vor einem Kauf auf mindestens zwei Arten zu bestätigen.

Unternehmen suchen verstärkt nach sicheren Zahlungsanbietern

Unternehmen sind zunehmend auf der Suche nach Zahlungsanbietern, die fortschrittliche Betrugspräventionssysteme bieten. Besonderes Interesse besteht an der neuen EU-Richtlinie für Bezahldienste (PSD3), die den Austausch von Informationen über Betrugsfälle zwischen Zahlungsdienstleistern fördern soll. Verbraucher sollen besser aufgeklärt, Kundenauthentifizierungsverfahren verschärft, die Erstattungsrechte von Betrugsopfern erweitert und Banken stärker zur Verantwortung gezogen werden.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung angemessener Technologien zum Schutz von Unternehmen und Kunden, insbesondere bei schnellem Wachstum.

Deutsche Einzelhändler verzeichneten 23 Milliarden Euro Verlust durch Zahlungsbetrug

Eine Umfrage ergab, dass deutsche Einzelhändler im letzten Jahr insgesamt 23 Milliarden Euro durch Zahlungsbetrug verloren. Weltweit lag der durchschnittliche Verlust pro betrogenem Unternehmen bei 2,7 Millionen Euro, mit besonders hohen Verlusten in den Sektoren Luxusmode und Gesundheit und Kosmetik.

Für die Studie wurden in 25 Ländern insgesamt 38.000 Verbraucher und 13.000 Unternehmen befragt. Der Gesamtschaden für die Händler wird für 2023 auf fast 400 Milliarden Euro geschätzt. Fast die Hälfte der Unternehmen gab an, im letzten Jahr Opfer von Betrug geworden zu sein, was einem Anstieg um ein Drittel gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Was ist Kreditkartenbetrug?

Definition

Kreditkartenbetrug ist eine Art des Diebstahls oder Betrugs, bei dem unberechtigt auf Kreditkartendaten zugegriffen und diese missbraucht werden, um Waren oder Dienstleistungen zu erwerben oder um Geld abzuheben.

Arten des Kreditkartenbetrugs

  • Skimming: Hierbei werden Kartendaten durch ein zusätzlich angebrachtes Gerät am Geldautomaten oder an der Kasse ausgelesen.
  • Phishing: Täter versuchen, an persönliche Daten zu kommen, indem sie sich als Bank oder ein anderer vertrauenswürdiger Dienstleister ausgeben.
  • Account Takeover: Hierbei wird das gesamte Konto übernommen, oft durch das Knacken des Passworts oder durch andere Identitätsdiebstahlmethoden.

Es gibt weitere Arten von Kreditkartenbetrug, zum Beispiel:

  • Kartendiebstahl: Die Kreditkarte wird entwendet und zum Einkaufen oder Geldabheben verwendet. Dabei wird oft die Unterschrift gefälscht oder die PIN ausgespäht.
  • Elektronischer Datenklau: Die Kreditkartendaten werden beim Online-Einkauf oder durch Schadsoftware auf dem Computer abgefangen und für weitere Zahlungen missbraucht.
  • Datendiebstahl bei Kreditkartenanbietern oder Online-Händlern: Hacker greifen die Datenbanken von Banken oder Onlineshops an und erbeuten die Kreditkartendaten von Millionen Kunden. Diese werden dann weiterverkauft oder selbst genutzt.

Wie können Sie Kreditkartenbetrug vorbeugen?

Sichere Passwörter verwenden

Das Passwort für Ihr Kreditkartenkonto sollte komplex und einzigartig sein. Vermeiden Sie allgemeine Passwörter und setzen Sie auf eine Kombination aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.

Überprüfung der Kontoauszüge

Eine regelmäßige Überprüfung Ihrer Kontoauszüge kann Ihnen helfen, verdächtige Transaktionen schnell zu erkennen.

Zwei-Faktor-Authentifizierung

Wenn möglich, aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung für Ihr Kreditkartenkonto. Dies bietet eine zusätzliche Sicherheitsebene.

Vorsichtsmaßnahmen im Überblick:

  • Bewahren Sie Ihre Kreditkarte immer sicher auf und geben Sie sie nicht aus der Hand.
  • Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kreditkartenabrechnungen und melden Sie sofort jede unbekannte Buchung.
  • Verwenden Sie Ihre Kreditkarte nur bei seriösen Händlern und achten Sie auf eine verschlüsselte Verbindung beim Online-Einkauf.
  • Speichern Sie Ihre Kreditkartendaten nicht auf Webseiten oder in Apps ab, sondern geben Sie sie jedes Mal neu ein.
  • Schützen Sie Ihren Computer vor Viren und Trojanern mit einer aktuellen Antivirensoftware und einem Firewall.
  • Verwenden Sie für Ihre Online-Zahlungen möglichst zusätzliche Sicherheitsverfahren wie 3D Secure oder Mobile TAN.
  • Unterschreiben Sie Ihre Kreditkarte auf der Rückseite und decken Sie bei der PIN-Eingabe das Tastenfeld ab.

Was tun im Fall von Kreditkartenbetrug?

Sofortige Sperrung der Karte

Bei Verdacht auf Kreditkartenbetrug ist es wichtig, die Karte sofort sperren zu lassen. Sie können dazu die spezielle Hotline für Betrugsfälle des Anbieters oder die Sperrnotruf-Hotline 116 116 nutzen[6].

Anzeige bei der Polizei

Erstatten Sie so schnell wie möglich Anzeige bei der Polizei. Dies ist wichtig für den weiteren Verlauf und eventuelle Schadenersatzansprüche.

Kontakt mit der Bank aufnehmen

Setzen Sie sich mit Ihrer Bank in Verbindung, um weitere Schritte zu besprechen. Laut einem Urteil des OLG Stuttgart steht die Bank in der Haftung, wenn sie nicht ausreichende Sicherheitsmaßnahmen getroffen hat[5].

Rechtliche Aspekte von Kreditkartenbetrug

Wer haftet im Schadensfall?

In der Regel haftet die Bank oder der Kreditkartenanbieter für nicht autorisierte Transaktionen, sofern Sie Ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen sind[3].

Was sagt das Gesetz?

Im Strafgesetzbuch (StGB) ist Kreditkartenbetrug unter verschiedenen Paragraphen verankert, u.a. § 263 StGB (Betrug), § 266 StGB (Untreue) und § 270 StGB (Betrug).

Welche Kosten entstehen im Betrugsfall?

Wenn Ihre Kreditkarte missbraucht wird, haften Sie in der Regel nur bis zu einer Höhe von 50 Euro. Das gilt aber nur, wenn Sie nicht grob fahrlässig oder gar betrügerisch gehandelt haben. Zum Beispiel, wenn Sie Ihre PIN auf der Karte notiert oder Ihre Karte unbeaufsichtigt gelassen haben. In solchen Fällen müssen Sie für den gesamten Schaden selbst aufkommen.

Wenn Sie Ihre Karte rechtzeitig sperren lassen und den Betrug anzeigen, haftet normalerweise Ihre Bank für die Schäden, die nach der Sperrung entstehen. Das gilt auch, wenn der Betrug durch einen Hackerangriff auf die Bank oder den Händler verursacht wurde. Allerdings kann es sein, dass Sie in einem solchen Fall beweisen müssen, dass Sie nicht selbst für den Datenklau verantwortlich sind.

Fazit Kreditkartenbetrug

Kreditkartenbetrug ist ein komplexes und leider häufig vorkommendes Phänomen. Als Verbraucher können Sie jedoch verschiedene Maßnahmen ergreifen, um sich zu schützen und im Falle eines Betrugs richtig zu handeln. Durch den bewussten Umgang mit Ihren Kreditkartendaten und regelmäßige Überprüfungen können Sie das Risiko minimieren.

Kreditkartenbetrug

Sollten Sie Probleme mit Kreditkartenbetrug haben, kann ich Sie gern unterstützen. Ich berate seit Jahren Betroffene im Umgang mit Kreditkartenbetrug.

Rechtsanwalt Thomas Feil – Recht-freundlich.de
Fachanwalt IT-Recht Thomas Feil – 25 Jahre Erfahrung
Rechtsanwalt Thomas Feil
Thomas Feil, Fachanwalt für IT-Recht
Ihr Spezialist bei Kreditkartenbetrug

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