Sind Google Bewertungen strafbar? Was darf man schreiben?

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Die Strafbarkeit von Bewertungen auf Google begegnet uns in unserer Beratungspraxis nahezu werktäglich.

Hierbei fragen uns entweder Mandanten, deren Unternehmen auf Google negativ bewertet worden sind, inwieweit der Verfasser des Eintrags sich strafbar gemacht hat, oder die bewertende Person selbst wendet sich an uns, weil sie eine strafrechtliche Verfolgung für ihre getätigte Bewertung auf Google fürchtet.

Gern zeigen wir in diesem Beitrag auf, wann von einer Strafbarkeit bei Bewertungen zu reden ist und welche Fallkonstellationen auf uns bereits zugekommen sind. Bei Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Milde bis harsche Kritik ist erlaubt und nicht strafbar, unwahre Tatsachenbehauptungen sind hingegen immer unzulässig!

Um sogleich eine gängige Fallkonstellation vorweg zu nehmen und diese direkt zu beantworten: Nein, geäußerte Kritik an Ihrem Unternehmen auf Google ist nicht per se strafbar, nur weil Sie kritisiert werden. Punkt.

Hierbei kommt es auch nicht darauf an, ob die Kritik milde oder harsch, unberechtigt oder berechtigt erfolgt ist. Solange sich in der Meinungsäußerung als Kritik keine deutliche Straftatbestandlichkeit ergibt, ist die Bewertung nicht strafbar.

Beispiele für nicht strafbare Google Bewertungen:

„Die Website des Unternehmens gefällt mir nicht!“

„Kundenservice ist anscheinend dazu da, Kunden zu verprellen!“

„Die Produkte sind meiner Meinung nach Billigschrott!“

Unwahre Tatsachenbehauptungen in einer Bewertung sind nicht unbedingt strafbar. Es gibt jedoch Straftatbestände, die an die Aussage unwahrer Tatsachen anknüpfen.

Der Regelfall ist jedoch, dass unwahre Tatsachenbehauptungen nicht strafbar sind, wohl aber juristisch unzulässig, da sie gegen das allgemeine Unternehmenspersönlichkeitsrecht des bewerteten Unternehmens verstoßen.

Unwahre Tatsachenbehauptungen sind immer juristisch unzulässig, jedoch nicht immer strafbar.

Beispiele für nicht strafbare, aber juristisch dennoch unzulässige Google Bewertungen:

„Telefonisch nie zu erreichen!“ (Wenn Ihr Unternehmen sehr wohl telefonisch zu erreichen ist, liegt hier eine unzulässige unwahre Tatsachenbehauptung vor)

„Kundenservice nicht existent, wenn es drauf ankommt!“ (Wenn Ihr Unternehmen sehr wohl einen Kundenservice hat, liegt hier eine unzulässige unwahre Tatsachenbehauptung vor)

Beleidigungen, Drohungen, Verleumdungen etc. in einer Google Bewertung sind strafbar!

Eine strafbare Bewertung auf Google oder sonst wo liegt hingegen immer dann vor, wenn Tatbestände nach dem StGB in dem Eintrag erfüllt werden. Und dies kommt sogar häufiger vor, als man denken mag.

Einschlägige Straftatbestände sind hier insbesondere die Beleidigung, Drohung, Verleumdung und üble Nachrede. Sobald diese Straftatbestände erfüllt sind, kann tatsächlich eine Strafanzeige in Erwägung gezogen werden, da sich die bewertende Person strafbar gemacht hat und sich dies niemand gefallen lassen muss.

Auch Google selbst wird hier bei Kenntnisnahme höchstwahrscheinlich aktiv werden, da Google zwar nicht sofort haftbar gemacht werden kann, wohl aber dann, wenn Google Kenntnis von einem strafbaren Inhalt erlangt – wenn wir für unsere Mandanten Google anwaltlich darauf hinweisen, dass eine strafbare Bewertung vorliegt, handelt Google meistens bereits im eigenen Interesse zügig.

Beispiele für Straftatbestände in Bewertungen auf Google:

„Frau Müller vom Kundenservice ist eine Verbrecherin!“ (Beleidigung)

„Wenn ihr nicht sofort mein Paket zurück nehmt, zünde ich euren Laden an!“ (Drohung)

 „Der Chef Herr Maier schreibt den jungen Mitarbeiterinnen nach Feierabend bei Whatsapp, um sie zu privaten Treffen zu nötigen.“ (Verleumdung, falls dies unzutreffend ist und die bewertende Person darüber Kenntnis hat)

Es gibt noch weit mehr Fallkonstellationen und Straftatbestände, die in Frage kommen können als die soeben genannten Beispiele aufzeigen.

Wir erleben in unserer Beratungspraxis leider häufig, dass Straftatbestände in Bewertungen auf Google erfüllt werden und sich die bewertenden Personen daher, auch wenn es „nur“ ein Eintrag im Internet ist, tatsächlich strafbar machen. Die Frage ist dann, wie hiergegen vorzugehen ist.

Strafanzeige als gangbarer Weg gegen eine negative Bewertung?

Sollte in Ihrem Fall eine strafbare Bewertung auf Google vorliegen, können Sie überlegen, eine Strafanzeige zu stellen. Dies ist „Ihr gutes Recht“ und kann in einigen Fällen auch angezeigt sein.

Allerdings weisen wir darauf hin, dass Ihnen in den allermeisten Fällen nicht nachweislich bekannt sein dürfte, wer die bewertende Person tatsächlich ist. Dies lässt sich nicht so einfach ermitteln, wie viele s glauben mögen.

Zwar kann bei einer strafbaren Bewertung Google auf die Herausgabe von Daten in Anspruch genommen werden, allerdings liegen Google meist auch nur gefälschte Daten vor. Hier hilft auch die Ermittlung einer IP-Adresse meist wenig, da dies nicht gerichtsfest beweist, dass auch der Anschlussinhaber der Verfasser einer Bewertung ist.

Strafanzeige oft nicht sinnvoll!

Oft verlaufen solche Strafanzeigen daher im Sande, da der Täter nicht gerichtsfest ermittelt werden kann. Dies bedeutet für Sie dann verlorene Zeit und womöglich Kosten.

Sinnvoller ist unserer Ansicht nach, im Falle einer strafbaren Bewertung auf Google anwaltlich dagegen vorzugehen – ohne eine Strafanzeige zu stellen.

Hier empfiehlt es sich, sofortigen Kontakt zu Google aufzunehmen und juristisch begründet einen Löschantrag zu stellen.

Unserer Erfahrung nach geht dies sehr schnell und Google handelt bei strafbaren Bewertungen umso zügiger, um sich nicht haftbar zu machen.

 
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 1 Bewertung(en), durchschnittlich: 5,00 von 5
Loading...

Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

*
*

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen