Beratung in Hannover: Landgericht Stuttgart stuft gekaufte „Likes“ als irreführende Werbung ein

Soziale Netzwerke wie Facebook sind mittlerweile ein großer Bestandteil der Werbemaßnahmen vieler Unternehmen. Zahlreiche „Gefällt mir“-Angaben und viele Fans der Seite, lassen das Unternehmen beliebt und bekannt erscheinen. So wird die Seite zum einen für Neukunden interessanter, zum anderen wird auch ein gewisses Vertrauen in die Leistung des Unternehmens erweckt, denn wer so vielen Kunden „gefällt“, muss ja halten was er verspricht.

Ankauf von „Likes“ und „Fans“ auf EBay

Grundsätzlich ist an dieser Werbestrategie nichts auszusetzten. Nun kommt aber EBay ins Spiel. Auf EBay können „Likes“ oder auch „Fans“ gekauft werden. Und das wirklich zu Spottpreisen! Gleich der erste Eintrag unter der Suchanfrage „Facebook Likes“, bietet 1000 „Likes“ für gerade mal 9,99 Euro. 2000 „Likes“ werden in der nächsten Anzeige schon für 16,90 Euro angepriesen. Das ist, gerade für junge Unternehmen, ein verlockender Einstieg in die Geschäftswelt. Ein genauerer Blick auf das Herkunftsland der „Fans“ entlarvt jedoch die gepushten Seiten in der Regel recht schnell.

Einstweiliges Verfügungsverfahren vor dem LG Stuttgart

So verhielt es sich auch in einem einstweiligen Verfügungsverfahren vor dem Landgericht Stuttgart (Beschluss vom 06.08.2014, AZ 37 O 34/14 KfH). Antragsgegner war ein junges Unternehmen, welches in kurzer Zeit über 14.000 „Likes“ auf Facebook erhalten hatte. Der Antrag wurde von einem Wettbewerbsunternehmen gestellt, und bezweckte ein Verbot mit Werbung durch Facebook-Fans und deren „Gefällt mir“-Angaben, wenn diese keine echten Befürworter des Unternehmens, sondern angekaufte Dienstleistungen seien. Der Ankauf war in diesem Fall recht eindeutig dadurch zu erkennen, dass die meisten der „Fans“ aus Indonesien, Indien und Brasilien stammten, wo das Unternehmen selbst gar nicht tätig war. Die Richter des LG Stuttgart, sahen in dem Ankauf der Fans tatsächlich auch eine wettbewerbswidrige Handlung. Explizit erblickten die Richter eine irreführende Werbung gemäß § 5 Abs.1 UWG, da die „Likes“ auf ein Gefallen der Kunden am Produkt oder an der Firma schließen lassen, welches tatsächlich gar nicht bestehe und auch die dargestellte große Bekanntheit des Unternehmens, nicht der tatsächlichen Sachlage entspreche. Somit wurde dem Unternehmen verboten im geschäftlichen Verkehr mittels zugekaufter „Fans“ oder „Gefällt mir“-Angaben auf der Internetplattform Facebook zu werben.

Gegen den Beschluss aus dem einstweiligen Verfügungsverfahren wurde jedoch Widerspruch eingelegt.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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