Irreführung durch die Bezeichnung “FAUX-Wildleder” bei Schuhen

Das Landgericht Düsseldorf hat in einem Urteil vom 26.08.2015, Az. 12 U 154/15, zu der Frage Stellung genommen, wie Verbraucher die Bezeichnung „FAUX-Wildleder“ bei Schuhen verstehen.

Das Gericht verweist darauf, dass mit der Bezeichnung „Wildleder“ der Durchschnittsverbraucher ein Naturstoff verbindet (OLG Hamm, Urteil vom 08.03.2012, Az. 4 U 174/11). Das Gericht verweist darauf, dass angesprochene Durchschnittsverbraucher grundsätzlich den Wortsinn einer Werbeaussage nach dem allgemeinen Sprachgebrauch beurteilen. Bei einem zweigliedrigen Begriff wie der Bezeichnung „FAUX-Wildleder“ wird der Eindruck erweckt, dass dem Grundwort „Wildleder“ durch den Zusatz „FAUX-“ ergänzt und näher beschrieben wird. Dem entsprechenden Grundstoff „Wildleder“ wird „FAUX-“ zugesetzt.

Die Düsseldorfer Richter gehen davon aus, dass die Aufmerksamkeit des Verbrauchers zunächst auf den Wortbestandteil „Wildleder“ gelenkt sei. Dies sei offensichtlich die für den Verbraucher maßgebliche Materialangabe. Der Verkehr geht nach dem Wortverständnis gerade nicht davon aus, dass der Bezug von Schuhen nach einer solchen Bezeichnung keinerlei Leder enthält. Dies gilt umso mehr, als ein Wort der deutschen Sprache („Wildleder“) mit einem französischen Begriff („faux“) kombiniert wird. Es liegt nahe, dass en Verbraucher, dessen Muttersprache Deutsch ist, zunächst das deutschsprachige Wort verinnerlicht, das er zu dem gedanklich noch in einen unmittelbaren Zusammenhang mit der angebotenen Ware bringen kann. Der Begriff „faux“ hingegen ist kein im Inland geläufiges Wort der französischen Sprache und daher für den Verbraucher nicht aus sich heraus verständlich.

Wird auch durch den Bindestrich zwischen den Worten „FAUX“ und „Wildleder“ eine sprachliche Beziehung zwischen diesen angedeutet, so entnimmt der angesprochene Verkehrskreis diesem Zusatz keinen eindeutigen Hinweis darauf, dass der beworbene Schuh nicht tatsächlich auch vollständig aus Wildleder besteht. Ein solches Verständnis setzt voraus, dass der Verbraucher das Wort als Materialbeschreibung wahrnimmt und zum anderen das französische Wort „faux“ mit „falsch“ oder „unecht“ übersetzt. Davon mag das Düsseldorfer Landgericht nicht ausgehen.

Darüber hinaus folgen weitergehende Erwägungen des Landgerichts und Frage, ob automatisch eine Suggestion zu den Begriffen „fauxpas“ oder „Faux-filet“ besteht. Der Durchschnittsverbraucher verstehe zwar den ungefähren Wortsinn, erfasse aber nicht im Zusammenhang mit Schuhen, dass hier unechtes Wildleder gemeint sei.

In dem gerichtlichen Verfahren hatte das Unternehmen, dass die Schuhe mit der Bezeichnung „FAUX-Wildleder“ angeboten hat, argumentiert, dass unter anderem bei Wikipedia auf eine entsprechende Werbung mit Kunstleder im Zusammenhang mit dem Begriff „faux“-Leder verwiesen wird. Das Gericht mochte nicht der Interpretation folgen, dass die Beschreibung bei Wikipedia automatisch auch bei den angesprochenen Verkehrskreisen dazu führt, dass die Bedeutung des Wortes bekannt ist.

Auch der Hinweis, dass in der Artikelbeschreibung dann der Begriff „Kunstleder“ genannt wird, genügte dem Gericht nicht. Es spräche eine überwiegende Wahrscheinlichkeit dafür, dass ein Verbraucher mit durchschnittlicher Aufmerksamkeit die Produktbeschreibung nicht wahrnimmt, da in der Überschrift des Angebotes bereits die zentralen Angaben zur Beschaffenheit des angebotenen Schuhs vorhanden sind.

Insgesamt geht also das Gericht davon aus, dass im deutschen Sprachraum die Bezeichnung „FAUX-“Wildleder eine Irrführung und damit ein Wettbewerbsverstoß darstellt. Diese führe auch zu einer spürbaren Beeinflussung des Wettbewerbs.

Das Landgericht Düsseldorf hat auf Basis dieser Argumentation dann eine Verbotsverfügung erlassen.

 
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