Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall?

Lesezeit: ca. 9 Minuten

Beteiligte eines Verkehrsunfalls sind sich oftmals unsicher, ob es die richtige Entscheidung ist einen Anwalt zu beauftragen, da hinsichtlich der Rechtsanwaltskosten häufig einige Unklarheiten bestehen. Grundsätzlich sei gesagt, dass sich die anfallenden Kosten immer nach dem eigenen Verschulden richten. Wir möchten Ihnen daher anhand dieses Beitrages aufzeigen, wie sich die Kosten für einen Anwalt nach einem Unfall zusammensetzen und welche Faktoren dabei eine tragende Rolle spielen.

Allgemeine Berechnung des Anwaltshonorars

Grundsätzlich regelt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetzt das Honorar eines Anwalts, welches mithilfe einer festgelegten Gebührenordnung berechnet wird. Durch das Rechtsanwaltsvergütungsgesetzt wird eine Mindestgebühr bestimmt, die ein Anwalt von seinen Mandanten verlangen muss. Dabei richtet sich die vorgegebene Mindestgebühr grundsätzlich nach dem so genannten Streit- oder Gegenstandswert. Umso höher der Gegenstandswert ist, desto höher fallen auch die Kosten für den Anwalt aus. Anzugeben sind die Beträge der einzelnen Gebühren und Auslagen, die Vorschüsse, eine kurze Bezeichnung des jeweiligen Gebührentatbestands, die Bezeichnung der Auslagen, sowie die angewandten Nummern des Vergütungsverzeichnisses.

Das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz hat festgelegt, dass es sich bei der Geschäftsgebühr um eine Rahmengebühr handelt, diese kann zwischen 0,5 und 2,5 betragen. Die konkrete Höhe der Gebühr wird dabei nach dem Ermessen des Anwalts bestimmt, die Umstände des Einzelfalls dienen dabei als Ermessensgrundlage. Es hat sich in der Praxis jedoch ein so genannter Mittelwert etabliert, der sich durch die Addition der niedrigsten und der höchsten Gebühr ergibt.

Streitwert / Gegenstandswert als Grundlage der Anwaltskosten

Das Anwaltshonorar orientiert sich an dem so genannten Gegenstand- oder Streitwert. Außerhalb eines Gerichtsverfahrens spricht man von einem Gegenstandswert, bei Gerichtsprozessen hingegen ist die Rede von so genannten Streitwerten, bei denen es sich um den Wert des Streitgegenstandes handelt. Hinsichtlich der Berechnung der Rechtsanwaltskosten nach einem Unfall ergeben sich hier allerdings einige Besonderheiten. So entstehen bei einem Verkehrsunfall in der Regel mehrere Schadenspositionen, die gegen den Schädiger geltend gemacht werden. Kommt es zu Schäden in derselben Angelegenheit werden diese nach § 22 Abs. 1 Rechtsanwaltsvergütungsgesetz(RVG) addiert. Zu den Kosten, die zum Streitwert zu addieren sind zählen zum Beispiel die Fahrtkosten und die Heilbehandlungskosten. Diese stellen keine Nebenforderung dar und werden deshalb zum Streitwert addiert. So werden auch die Mietwagenkosten von der Versicherung in der Regel zwar nicht vollständig übernommen, sie werden trotzdem zum Streitwert addiert. Denn entscheidend für die Anwaltsgebührenrechnung ist stets der volle geltend gemachtem Wert entscheidend. Deshalb werden auch die Sachverständigenkosten, die durch den Verkehrsunfall entstanden sind zu dem Streitwert addiert.

Eine weitere Besonderheit stellen die so genannten Teilzahlungen dar. Es kommt vor, dass die Versicherung noch vor der Beauftragung eines Anwalts bereits Zahlungen leistet. Trotz dieser Zahlungen hat der Anwalt sämtliche Schadenspositionen zu prüfen und aufzuführen. In der Regel mindern solche Vorauszahlungen des Versicherers die Rechtsanwaltskosten nicht. Ausnahmen können hingegen vorliegen, wenn der Schuldner beispielsweise vorbehaltlos zahlt und auf bestimmte Schadensposten verrechnet.

Viele Geschädigte kennen die langwierigen Auseinandersetzungen mit dem Versicherer hinsichtlich einer Schadensersatz- oder einer Schmerzensgeldforderung nach einem Unfall. Häufig kommen Versicherer zudem nicht der vollen Höhe der Forderung nach und regulieren diese. Doch wie verhält es sich mit der Berechnung der Anwaltskosten? Die Gebühren eines Rechtsanwalts richten sich grundsätzlich nach der Höhe Ihrer Forderungen. Ist Ihnen beispielsweise ein Schaden in Höhe von 10.000 Euro durch einen Unfall entstanden, weshalb Sie einen Ersatz in dieser Höhe von dem Versicherer fordern, dieser allerdings nur einen Betrag von 6.000 Euro erstattet, ergeben sich die Anwaltskosten aus den 10.000 Euro. Doch wie sieht es hier mit der Kostenerstattung aus? Es hat sich die Meinung durchgesetzt, dass sich der Gegenstandswert für die Frage nach der Kostenerstattung allein aus der Höhe des vom Ersatzpflichtigen tatsächlich bezahlten Betrags ergibt. In unserem Fall wär es daher die 10.000 Euro, aus denen sich die Rechtsanwaltskosten ergeben. Hiervon wird der von der bezahlten Versicherung gezahlte Betrag hinsichtlich der Gebühren des Anwalts in Abzug gebracht.

Rechtsanwaltskosten – eine Frage der Schuld?!

Neben den oben dargestellten Faktoren, die als Grundlage für die Berechnung der Kosten eines Rechtsanwalts dienen, hängen die konkreten Kosten eines Rechtsanwalt in der Praxis von der Frage nach dem Verschulden ab. Grundsätzlich werden die Kosten für die Beauftragung eines Rechtsanwalts nämlich von dem Schädiger bzw. dessen Versicherung getragen. Entscheidend ist dabei also immer, wer den Unfall verursacht hat und welcher der Unfallbeteiligten die Schuld an dem Unfall trifft.

Doch nicht immer liegt die Schuld für den Unfall bei nur einer Person. In vielen Fällen wirken die Verhaltensweisen mehrere Unfallbeteiligter dazu bei, dass es eben zu einem Verkehrsunfall gekommen ist. In diesen Fällen spricht man von einer so genannten Teilschuld. Bei einer solchen Konstellation werden die Anwaltskosten nur anteilig erstattet. Für den Fall, dass Sie über eine entsprechende Rechtsschutzversicherung verfügen, können von dieser die gesamten Kosten getragen werden.

Betroffene zögern mit der Beauftragung eines Anwalts vor allem bei einer vermeintlich eindeutigen Verschuldenslage. Doch auch in solchen Fällen kann es äußerst hilfreich sein, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden. Denn dieser weiß genau worauf es bei der Schadensabwicklung durch Versicherungen ankommt. Auch wenn feststehen sollte, wer den Unfall zu verschulden hat, besteht vor allem hinsichtlich der Schadenspositionen Unsicherheit. Ein Anwalt kann Ihnen dabei helfen sämtliche Schadenspositionen sowie den genauen Betrag, der Ihnen von der gegnerischen Versicherung zusteht zu ermitteln. Denn reibungslos verläuft die Schadensregulierung mit der gegnerischen Versicherung nur in den seltensten Fällen und diese wird Ihnen wohl kaum von alleine keinen Ausgleich für eine unbekannte Schadensposition anbieten. Nicht selten kommt es zudem vor, dass die von der Versicherung geltend gemachten Abzüge unberechtigt sind. Auch hier kann ein Anwalt feststellen, ob alle vorgebrachten Schadenspositionen von der Versicherung korrekt ermittelt worden sind.

Was können wir für Sie tun?

Sie sehen also, dass die Anwaltskosten von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Geschädigte eines Verkehrsunfalls können in der Regel die Rechtsanwaltskosten vom Schädiger oder vielmehr von seiner Haftpflichtversicherung verlangen. Sollten Sie sich jedoch auch weiterhin unschlüssig sein, bieten wir Ihnen die Möglichkeit eines kostenfreien Erstkontakts. Rufen Sie uns daher einfach an, am besten sogar so schnell wie möglich nach dem Verkehrsunfall und teilen Sie uns unverbindlich das genaue Geschehen mit. Wir werden Ihnen anschließend unsere kostenfreie Ersteinschätzung mitteilen und Ihnen aufzeigen, welche Schadenspositionen erstattet werden können. Im Rahmen dieses Gesprächs werden wir Ihnen auch gerne mitteilen, welche Kosten durch die rechtliche Bearbeitung Ihres Falls entstehen und welchen Anteil Sie von diesen Kosten übernehmen müssen und welchen Anteil die gegnerische Haftpflichtversicherung übernehmen muss. Denn auch ein Rechtsanwalt ist grundsätzlich dazu verpflichtet, einen Mandanten umfassend über die Kosten- und Gebührenaufkommen zu beraten. Dies dient zur Aufklärung der Mandanten und gibt die Chance sich zu überlegen, ob er seine Sache mit den damit einhergehenden Kosten fortsetzen will oder nicht.

Sie können uns bei weiteren Fragen rund um das Verkehrsrecht bzw. zum Thema Verkehrsunfälle und der daraus entstehenden Rechtsanwaltskosten gerne kontaktieren. Da sich unsere Kanzlei unter andrem auf das Verkehrsrecht spezialisiert hat, sind wir genau der richtige Ansprechpartner. Wir wisse, welche Schadenspositionen Sie ersetzt bekommen können und auch welche Rechtsanwaltskosten von der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu tragen sind.

Fazit und Urteile

Abschließend lässt sich nun also feststellen, dass die Rechtsanwaltskosten grundsätzlich von dem Schädiger bzw. von seiner Haftpflichtversicherung übernommen werden, sofern dieser den Unfall allein verursacht hat. Auch Sie den Verkehrsunfall mitverursacht haben sollte, müssen Sie die Rechtsanwaltskosten nicht alleine tragen. Als Grundlage hierfür dient die Ansicht der Rechtsprechung, dass es bei einem Verkehrsunfall stets erforderlich ist einen Rechtsanwalt zu beauftragen. Wir möchten Ihnen in diesem Zusammenhang einige Urteile aufzeigen, die diese Ansicht darstellen.

AG Darmstadt, Urteil vom 01.05.2012 – 301 C 210/11

„Zunächst ist hierbei zu bedenken, dass nicht grundsätzlich davon auszugehen ist, dass jeder Verkehrsunfall – auch ein Auffahrunfall – reibungslos reguliert wird. Es muss davon ausgegangen werden, dass auch bei einfacher Haftungslage dem Grunde nach hinsichtlich der Höhe des Schadens eine Vielzahl von Rechtsproblemen auftreten kann, welche die Regulierung verkomplizieren (siehe nur „Verweis auf nicht markengebundene Fachwerkstatt“, „Gegenstandswertorientierte Sachverständigenkosten“, „Mietwagenkosten nach „Schwacke oder „Fraunhofer“ „usw.).“

AG Ahrensburg, Urteil vom 30.1.2012 -49 C 1502/11

„Die Beauftragung eines Rechtsanwaltes ist in Verkehrsunfallangelegenheiten angesichts der tatsächlichen und rechtlichen Schwierigkeiten in der Regel angezeigt. (…) Dass die Kosten gegenüber der Beklagten zuvor nicht geltend gemacht worden sind, ist unschädlich. Entscheidend ist allein, dass die Prozessbevollmächtigte der Klägerin vorgerichtlich tätig war und hierdurch Kosten entstanden sind.“

AG Darmstadt, Urteil vom 23.5.2012 –301 C 210/11

„Zunächst ist hierbei zu bedenken, dass nicht grundsätzlich davon auszugehen ist, dass jeder Verkehrsunfall – auch ein Auffahrunfall – reibungslos reguliert wird. Es muss davon ausgegangen werden, dass auch bei einfacher Haftungslage dem Grunde nach hinsichtlich der Höhe des Schadens eine Vielzahl von Rechtsproblemen auftreten kann, welche die Regulierung verkomplizieren (siehe nur „Verweis auf nicht markengebundene Fachwerkstatt“, „Gegenstandswertorientierte Sachverständigenkosten“, „Mietwagenkosten nach „Schwacke oder „Fraunhofer“ „usw.).“

AG Dinslaken, Urteil vom 16.9.2010 – 30 C 82/10

„Die Schadenregulierung ist aufgrund der umfassenden und differenzierten Rechtsprechung für einen nicht Rechtskundigen schwer überschaubar. (…). Der Geschädigte muss sich grundsätzlich nicht darauf verweisen lassen, erst ohne Hinzuziehung einer in der Unfallabwicklung geübten Anwaltskanzlei selbst die eintrittspflichtige Versicherung anzuschreiben und Schadenspositionen zusammenzustellen“.

AG Dortmund, Urteil vom 29.6.2009 – 431 C 2044/09

„Da die Haftpflichtversicherer bei der Schadenregulierung inzwischen geradezu systematisch fast jede übliche Schadensposition in zahlreichen Zivilprozessen zum Gegenstand umfangreicher Auseinandersetzungen machen, muss auch der geschäftserfahrende Geschädigte stets auf der Hut sein und befürchten, dass eine Schadensposition, die noch gestern anerkannt worden wäre, von der gegnerischen Versicherung jetzt nicht mehr akzeptiert wird. (…) Schließlich gebietet es der Grundsatz der Waffengleichheit, dass auch der geschäftserfahrene Geschädigte sich durch Beauftragung eines Rechtsanwalts Augenhöhe im Verhältnis zur gegnerischen Versicherung beschaffen darf. Die Versicherungswirtschaft hat es sich mit einem Teil Ihres Regulierungsverhaltens der letzten Jahre selbst zuzuschreiben, wenn Geschädigte ihr nicht mehr vertrauen und von Anfang an anwaltlichen Rat suchen.“

AG Esslingen, Urteil vom 2.3.2010 – 7 C 1765/09

„Da der Haftpflichtversicherer als Spezialist in dieser Materie auf eine geschulte Organisation und auf sachkundiges Personal zurückgreifen kann, muss der rechtsunkundige Anspruchsteller als Gegengewicht einen Anwalt haben. (…) wenn ein Leasingfahrzeug verunfallt, kann es leicht zu Problemen bei der Zuordnung einzelner Schadenspositionen zwischen Leasing-Nehmer und Leasing-Geber kommen“.

AG Friedberg (Hessen), Urteil vom 7.3.2012, Az 2 C 1622/11

„Bei den entstandenen Rechtsanwaltskosten handelt es sich um eine ersatzfähige Schadensposition. Dem steht nicht entgegen, dass die Klägerin in Einzelfällen Schadenfälle ihres Fuhrparks selbst bearbeitet. Die komplexen Rechtsfragen, die ein Verkehrsunfall im deutschen Recht in der Regel mit sich bringt, rechtfertigen alle Mal die Einschaltung eines Rechtsanwaltes zur Durchsetzung berechtigter Forderungen.“

AG Gießen, Urteil vom 15.11.2011, Az 43 C 336/11

Zum einen entspricht es einer in letzter Zeit häufiger gemachten Erfahrung des Gerichts, dass Haftpflichtversicherer einen Geschädigten trotz Vorlage eines Schadengutachtens eines seriösen Sachverständigen auf etwas preiswertere Alternativwerkstätten verweisen oder Restwertangebote vorlege, deren Seriosität im Hinblick auf den sachverständigenseits veranschlagten Restwert gewissen Bedenken begegnet.“

AG Hamburg St. Georg, Urteil vom 21.4.2011-915 C 520/10

„Wegen der umfangreich wahrgenommenen Möglichkeiten der Haftpflichtversicherer, Schadenpositionen aus einem Verkehrsunfall zu kürzen, darf auch ein geschäftserfahrener Geschädigter sich von Anfang an zur Überprüfung etwaiger Einwendungen der Versicherung der Hilfe eines Rechtsanwaltes bedienen.“

AG Hamburg-St. Georg, Urteil vom 23.8.2011, Az 911 C 110/11

„Da die Angemessenheit von Schadenspositionen aufgrund der inzwischen immer komplexeren und umfangreicheren Rechtsprechung für einen nicht Rechtskundigen insgesamt schwer überhaubar ist, darf sich der Geschädigte grundsätzlich eines erfahrenen Rechtsanwaltes zur Schadenregulierung bedienen. Wege der umfangreich wahrgenommen Möglichkeiten der Haftpflichtversicherer Schadenspositionen zu kürzen, darf auch ein geschäftserfahrener Geschädigter sich von Anfang an zur Überprüfung etwaiger Einwendungen der Versicherung der Hilfe eines Rechtsanwaltes bedienen. Dies gilt umso mehr, als dass bei Firmenfahrzeugen häufig zusätzliche Probleme bei der Schadenregulierung auftreten“.

AG Köln, Urteil vom 3.9.2010 – 272 C 115/10

„Bei Schadenersatzansprüchen aus Unfällen von zwei Kraftfahrzeugen im fließenden Verkehr gibt es regelmäßig Aspekte, die einer juristischen Würdigung bedürfen. Auch ist es gängige Praxis der Versicherungen, Einwendungen gegen die Anspruchshöhe zu machen, so auch vorliegend. “

AG Leipzig, Urteil vom 18.11.2010, Az 105 C 1421/10

„In Straßenverkehrsunfallsachen ist heutzutage in aller Regel die Inanspruchnahme eines Rechtsanwaltes auch vorprozessual und auch in sogenannten einfach gelagerten Fällen zu einer zweckentsprechenden Rechtsverfolgung zwingend erforderlich, weil die Versicherungswirtschaft infolge der in den letzten Jahren zutage getretenen Regulierungspraxis den Geschädigten zu einer umfangreichen Korrespondenz nötig und die Sachbearbeiter in den Schadenregulierungsabteilungen der Versicherungen teilweise unsägliche Korrespondenzen über Haftungsquoten und Schadenhöhen führen, die auch im Ergebnis eine allgemein geschäftlich gewandte Partei zur Resignation veranlasst.“

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

2 Kommentare zu “Anwaltskosten nach einem Verkehrsunfall?
  • 30. Januar 2018 um 09:45 Uhr
    Anonym says:

    Also ich bin Unfallopfer und stehe vor dem Problem dass ich wohl auf erheblichen Anwaltskosten sitzen bleiben werde.

    Ich wurde als Fußgänger von einem Auto angefahren und lag einige Wochen im Krankranhaus und war etwa 10 Monate arbeitsunfähig.

    Die Schuldfrage ist laut meinem Anwalt unstrittig also der Autofahrer zu 100% Schuld.

    Da ich konkrete Hinweise meiner behandelnden Ärzte bezüglich erheblichen Risiken von Spätschäden hatte wollte ich bei einem Vergleich einen Zukunftsvorbehalt damit die Versicherung weiterhin in der Pflicht ist wenn sich diese Risiken verwirklichen. Mein Anwalt versuchte mich jedoch davon zu überzeugen eine Abfindungserklärung zu unterschreiben was ich aber ablehnte unter Hinweis auf die Zukunftsrisiken.

    Er argumentierte das die Versicherungen 10-20% mehr zahlen wenn man den Fall abschließt. Das Argument meines Anwaltes warum ich eine Abfindung unterschreiben soll war auch „Weil die Versicherung die Akte schließen will“ Soviel Verständnis meines Anwaltes für die Interessen der Gegenseite finde ich schon bemerkenswert.

    Damit es da keine Missverständnisse gibt habe ich meinem Anwalt dann schriftlich die mir bekannten Zukunftsrisiken geschildert und ihm geschrieben das ich einen Zukunftsvorbehalt will.

    Der Anwalt hat dann das Schmerzensgeld mit mindestens 35000 Euro ermittelt und dazu 2 Urteile herangezogen die seiner Ansicht nach mit meinem Fall beide gut vergleichbar wären.

    Da es diese beiden Urteile gab die laut meinem Anwalt mit meinen Fall gut vergleichbar wären ging ich davon aus das die 35000 Euro offenbar ein realisierbares Schmerzensgeld darstellen.

    Es gab dann ein Regulierungsgespräch mit dem Ergebnis das mein Anwalt eine Gesamtabfindung in Höhe von 25000 Euro verhandelt hat.

    Ich war ausgesprochen irritiert da er ja von mir die Anweisung hatte dass ich einen Zukunftsvorbehalt will. Außerdem fiel es mir schwer zu erkennen wo die 10-20% Zuschlag zu finden sind bei einer Gesamtabfindung von 25000 Euro wo doch 35000 Euro gefordert wurden.

    Ich habe mir dann mal die beiden Fälle angesehen die angeblich mit meinem gut vergleichbar waren und habe gesehen das diese Fälle doch erheblich schwerer waren als es „zum Glück“ mein Fall ist. Eine gute Vergleichbarkeit sehe ich da jedenfalls nicht.

    Ich habe meinem Anwalt dann per Einschreiben mitgeteilt dass ich einen materiellen und Immateriellen Zukunftsvorbehalt will. Dann war ich aus nicht unfallbedingten Gründen einige Wochen im Krankenhaus.

    Mein Anwalt hatte dann offenbar realisiert dass ich mich nicht zu einer Gesamtabfindung drängen lasse und ist dann „tätig“ geworden. Er hat von der Gegenseite eine Zahlung angefordert und davon gleich sein Honorar abgezogen. „natürlich“ bezogen auf 35000 Euro Streitwert…

    Dann hat er der Gegenseite mitgeteilt das ich keine Gesamtabfindung wünsche. Eine wirklich neue Erkenntnis…

    Ich denke es wird jetzt versucht werden alles dafür zu tun das Schmerzensgeld zu drücken um mich billig abzuspeisen oder doch noch für eine Gesamtabfindung zu begeistern.

    Was meinen Anwalt angeht so habe ich den Eindruck er hat das Schmerzensgeld und damit den Streitwert zu hoch angesetzt.

    Offenbar hat er sich daran orientiert was im Rahmen einer Gesamtabfindung realisiert werden könnte aber er wusste ich wollte einen Zukunftsvorbehalt.

    Es ist sicher sinnvoll das Schmerzensgeld etwas höher anzusetzen um Verhandlungsspielraum zu haben aber das sollte dann auch gegenüber dem Mandaten kommuniziert werden.

    Ich hatte die Information das 2 Fälle mit meinem gut vergleichbar sind und somit musst ich davon ausgehen die 35000 Euro sind verhandelbar. Offenbar sind sie es nicht was meinen Anwalt aber nicht sonderlich zu stören scheint da er ja auf dem vollen Streitwert abschließen kann.

    Auch frage ich mich warum er mir nicht zu einer Klage rät. Er könnte dem Gericht dann ja seine 2 gut vergleichbaren Fällen Präsentieren und dann würde ich ja ein vergleichbares Schmerzensgeld erhalten. Ich denke er tut es nicht weil die Fälle eben nicht mit meinem vergleichbar sind.

    Ich fühle mich jedenfalls auf gut Deutsch ziemlich verarscht.

    Vielleicht haben Sie ja Erfahrungen mit zu hoch angesetztem Streitwert und wie man gegenüber dem Anwalt argumentieren kann.

    • 30. Januar 2018 um 17:37 Uhr

      Sehr geehrte Damen und Herren,

      vielen Dank für Ihre Anfrage. Solche hochkomplexen Sachverhalte müssen sorgfältig im Einzelfall geprüft werden, wenn eine qualifizierte Rückmeldung auf Ihre Anfrage gegeben werden. in solchen Konstellationen gibt es leider keine schnellen und einfachen Antworten.

      mit freundlichen Grüßen

      Thomas Feil
      Rechtsanwalt

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