Schufa bewertet Kreditwürdigkeit von Verbrauchern – Was wir zu wissen glauben

Das Geschäftsmodell der Schufa ist einfach und offensichtlich einträglich. Die Schufa sammelt Daten über die Kreditwürdigkeit der Bürger und verkauft diese Informationen dann beispielsweise an Online-Händler oder Banken. Mit der Bonitätsauskunft der Schufa hoffen Banken oder Verkäufer, Zahlungsausfälle zu vermeiden.

Nachdem der Bundesgerichtshof entschieden hat, dass die Schufa nicht die Formel offenlegen muss, nach der die Kreditwürdigkeit berechnet wird, ist vieles Spekulation. Nach unserer Wahrnehmung entwickelt sich die Schufa zu einer großen Datenkrake, die mittlerweile eine erhebliche Macht hat und über das wirtschaftliche Wohl und Wehen eines Verbrauchers entscheidet.

Nach unserer Wahrnehmung ist eine negative Bewertung ein massiver Eingriff in die wirtschaftlichen Aktivitäten eines Verbrauchers. Dies spüren Betroffene nicht nur beim Erwerb einer Immobilie oder beim Handykauf, sondern auch wenn beispielsweise ein Einzelunternehmer sich selbstständig machen will oder sein Unternehmen vergrößern will.

Viele Daten bleiben noch mindestens drei Jahre bei der Schufa veröffentlicht, auch wenn die Forderungen längst bezahlt sind.

Was darf die Schufa speichern?

Was Auskunfteien wie die Schufa speichern dürfen, ergibt sich aus dem Bundesdatenschutzgesetz. Allerdings sehen auch Datenschützer die Vorgaben als äußerst ungenau an. Nach den eigenen Angaben verzichtet die Schufa auf die Daten über Einkommen, Vermögen, Nationalität, Beruf, Familienstand oder Religion. Ob diese Faktoren wirklich von der Schufa nicht genutzt werden, kann allerdings niemand genau nachprüfen. Hier zeigen sich die negativen Folgen der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, der die Berechnungsformel für die Kreditwürdigkeit als Geschäftsgeheimnis eingestuft hat.

Mit anderen Worten: Niemand weiß genau, ob nicht doch im Hintergrund Nationalität, Beruf oder Familienstand bei der Kreditwürdigkeit berücksichtigt werden. Wir tun uns schwer, hier einfach nur der Schufa zu glauben und zu hoffen, dass die entsprechenden Angaben tatsächlich nicht genutzt werden. Auch die von der Schufa wiederholend geäußerte Information, dass nur kreditrelevante Informationen eine Rolle spielen, erscheint nicht ohne weiteres glaubwürdig. Hier gerät das Geschäftsmodell der Schufa auch zunehmend unter Druck, da bereits in anderen Ländern massive Auswertungen von Aktivitäten von Verbrauchern in sozialen Netzwerken erfolgen. Diese werden dann bei der Bewertung der Kreditwürdigkeit berücksichtigt. Unsere Erwartung ist, dass über kurz oder lang die Schufa auch in Deutschland solche Aspekte mit einbeziehen wird.

Auch hier stellt sich wieder die Frage: Erfolgt möglicherweise eine Auswertung der sozialen Netzwerke bereits jetzt? Da die Berechnungsformel ein Geschäftsgeheimnis ist, haben auch die staatlichen Datenschutzaufsichtsbehörden keinen Zugriff auf die Informationen und können sich bei ihrer Beurteilung auch nur (!) auf die Aussagen der Schufa verlassen.

Wie bei allen Systemen, die keinen ausreichenden Kontrollen unterliegen, nähert sich der Verdacht, dass hier im Zweifel zu Gunsten des Geschäftsmodells und nicht zu Gunsten des Datenschutzes entschieden wird.

Gleiches gilt auch für die Verwertung von Geo-Daten, sprich der Einbeziehung von Wohnorten oder Stadtteilen, bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit.

Zwar liegen Pressemitteilungen vor, dass die Formel zur Bonitätsberechnung gegenüber den Aufsichtsbehörden offengelegt wird, ob dies tatsächlich erfolgt und ob die Aufsichtsbehörden überhaupt die Möglichkeit haben, die Formel und deren Auswirkungen zu beurteilen, ist unbekannt.

Weiterhin ist nach unserer Einschätzung es notwendig, dass die Aufsichtsbehörden auch die direkte Anwendung der Formel überprüfen. Anders lassen sich bestimmte Phänomene, die wir in unserer Beratungspraxis immer wieder beobachten, nicht erklären.

Unbegrenzter Zugriff

Wer alles Zugriff auf die Schufa-Daten hat, bleibt unklar. Zwar dürfen Auskunfteien die Daten eigentlich nur herausgeben, wenn ein anfragendes Unternehmen ein berechtigtes Interesse hat. Allerdings wird dies nur auf Basis von Stichproben geprüft. Aus diesem Grund ist davon auszugehen, dass eine Vielzahl von Daten ohne Einverständnis der Betroffenen an Auskunfteien gemeldet wird und insoweit viele unberechtigte Daten bei der Schufa und auch bei anderen Auskunfteien lagern.

Wenn ein Unternehmen also Daten an die Schufa weitergeben will, bedarf es einer entsprechenden vertraglichen Regel, der sogenannten Schufa-Klausel. Beispielsweise bei der Kontoeröffnung oder dem Abschluss eines Kreditvertrages muss ausdrücklich der Weitergabe der Daten an die Schufa zugestimmt werden.

Insgesamt gibt es offensichtlich außerhalb der rechtlichen Grenzen eine Vielzahl von Datenverwertungen und eine Informationsweitergabe, die weder im Interesse des Verbrauchers ist, noch seine Zustimmung findet. Nach unserer Auffassung kann es nicht sein, dass nur anhand von Stichproben geprüft wird, ob das anfragende Unternehmen ein berechtigtes Interesse an der Herausgabe der Daten hat.

Wie komme ich an meine Schufa-Daten?

Jeder Bürger hat das Recht, gemäß § 34 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) eine kostenlose Datenübersicht zu bekommen. Diese sollte auch regelmäßig abgefragt werden, um zu prüfen, inwieweit unberechtigte Daten bei der Schufa gespeichert sind. Auch beobachten wir in unseren Beratungen, dass immer wieder fehlerhafte Datensätze bei der Schufa hinterlegt sind, die dann in der Praxis unangenehme Auswirkungen haben.

Gern beraten wir Sie bundesweit, wenn eine Schufa-Auskunft fehlerhaft ist oder Sie in Ihren wirtschaftlichen Aktivitäten behindert. Nutzen Sie unsere jahrelange Erfahrung im Umgang mit ungünstigen und fehlerhaften Schufa-Auskünften.

 
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 7 Bewertung(en), durchschnittlich: 5,00 von 5
Loading...
Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

*
*