Anonyme Bewerter sind nicht mehr sicher – Sprachprofiler vom Institut für forensische Textanalyse decken Täter auf!

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Als Kanzlei, die sich auf das Reputationsrecht im Internet spezialisiert hat, fragen uns Mandanten oft, ob die anonym bewertende Person ermittelt werden kann. Häufig weisen wir auf die Schwierigkeiten eines solchen Unterfangens und die geringen Erfolgschancen hin.

Mittels einer forensischen Textanalyse können anonym bewertende Person jedoch ausfindig gemacht werden. Insbesondere wer unter dauerhaftem, spamartigen und stalkerhaftem Bewertungsterror leidet, kann auf die Erfahrung und Dienstleistung von Sprachprofilern zurückgreifen.

Wir konnten Herrn Rottler und Herrn Martin vom Institut für forensische Textanalyse für ein Interview gewinnen.

Rechtsanwalt Thomas Feil: Herr Rottler, wie wird man Sprachprofiler?

Patrick Rottler: Die Basis kann ein Studium, beispielsweise der Germanistik, der Linguistik oder der Kommunikationswissenschaften sein. Noch wichtiger sind aber ein Gespür für Grammatik und ein Blick fürs Detail. Die Sprachprofiler an unserem Institut durchlaufen eine zweijährige Spezialausbildung – ein Training-on-the-Job, bei dem sie an echten Fällen mitarbeiten. Angefangen von einfachen Erpressungen bis hin zu komplexen Ermittlungen. Unsere Gutachten können mehrere Hundert Seiten haben.

Rechtsanwalt Thomas Feil: Wir sind die Experten für Reputationsmanagement. Im Auftrag unserer Mandanten sorgen wir dafür, dass Rezensionen oder Blogeinträge, die nicht der Wahrheit entsprechen, von den Plattformen gelöscht werden. Was ist der klassische Einsatzbereich für Sprachprofiler?

Leo Martin: Das Problem mit Fake-Rezensionen und verleumdenden Blogeinträgen auf Kununu, Google und Co. kennen wir. Neben diesen öffentlichen angriffen werden oft auch Kunden und Kooperationspartner unserer Auftraggeber anonym angeschrieben. Spätestens dann kann es richtig geschäftsschädigend werden. Ziel der anonymen Angriffe ist es meistens Vertrauen zu zerstören. Sobald Sie einen vagen Verdacht haben wer hinter den Angriffen steckt, sind wir der richtige Ansprechpartner. Wir können den Täter anhand seiner Sprachmuster überführen.

Rechtsanwalt Thomas Feil: Heißt das, dass es einen sprachlichen Fingerabdruck gibt?

Patrick Rottler: Sprachmuster können im Idealfall nahezu so eindeutig und unverwechselbar wie ein gut lesbarer Fingerabdruck sein. Der Kriminalist muss bei der Spurensicherung genau wissen, wo das Suchen nach Fingerabdrücken Sinn macht. Während ein Laie nur auf der Tischplatte suchen würde, sucht ein Profi auch darunter. Genauso ist es bei der Textanalyse. Der sprachliche Fingerabdruck hat gegenüber den Papillarlinien der Haut sogar einen wesentlichen Vorteil: Er kann sehr viel mehr über den Täter aussagen als ein klassischer Fingerabdruck. Texte lassen zum Beispiel oft Rückschlüsse auf die Anzahl der Autoren, absichtliche Verstellungen, Muttersprache, regionale Herkunft, Altersgruppe, Geschlecht, Bildungsgrad, Sprachfertigkeit und unter günstigen Umständen sogar über die Ausbildung und den Beruf des Autors zu.

Leo Martin: Unser Ziel ist es aber immer, den konkreten Täter zu überführen. Dazu brauchen wir Vergleichstexte von möglichen Verdächtigen. Ein wesentlicher Aspekt des Sprachprofilings ist, dass wir unsere gesprochene Sprache, genau wie auch geschriebene Texte, zum größten Teil unbewusst bilden. Wir folgen dabei Mustern, die tief in uns verankert sind. Diese Muster entstehen, weil unsere Sprache von Anfang an durch unser soziales und kulturelles Umfeld geprägt wird. Beispielsweise durch unsere Eltern, die Familie, Freunde, Schule, den Beruf und nicht zuletzt durch unsere ganz individuellen persönlichen Interessen. Wir haben sie so verinnerlicht, dass wir sie bewusst nicht mehr wahrnehmen. Diese Muster entschlüsseln wir.

Rechtsanwalt Thomas Feil: Was empfehlen Sie jemandem, der online anonym oder unter irgend einem Pseudonym angegriffen oder verleumdet wird?

Leo Martin: Heute informiert sich jeder erst einmal im Internet. Jeder Name, jedes Produkt, jede Dienstleistung, jedes Projekt, jeder Arbeitgeber, jede Idee wird erst einmal gegoogelt. Die Online-Reputation wird immer wichtiger. Abwarten und Tee trinken ist also keine Option. Sie sollten für sich oder Ihr Unternehmen eine Einschreitschwelle definieren. Was lassen Sie zu – weil Sie vielleicht müssen? Wo werden Sie aktiv? Wichtig ist, dass Sie erst alle Beweise sichern, z. B. per Screenshot, und dann Ihre rechtlichen Möglichkeiten voll ausschöpfen. Hier geht oft mehr als man denkt. Spätestens wenn Sie einen Blogeintrag löschen lassen und dafür zwei neue nachkommen, wird es Zeit auch proaktiv zu ermitteln. Oft kommt der Täter aus dem Nahbereich.

Rechtsanwalt Thomas Feil: Besten Dank für das Interview.

Patrick Rottler: Sehr gerne!

Leo Martin: Besten Dank.

Weiterführende Informationen:

Das Institut für forensische Textanalyse ist Marktführer im Bereich kriminalistisches Sprachprofiling und unterstützt Unternehmen, die anonym angegriffen, bedroht oder erpresst werden (www.sprachprofiler.de).

Leo Martin hat Kriminalwissenschaften studiert und hat zehn Jahre lang für den deutschen Inlandsgeheimdienst gearbeitet. Dort hat er das Kommunikationsverhalten von Menschen in Extremsituationen analysiert. Heute ist er der erste Ansprechpartner für die Auftraggeber des Institutes für forensische Textanalyse.

Patrick Rottler hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist Experte für Datenanalyse. Als Sprachprofiler am Institut für Forensische Textanalyse ist er für den Bereich Cybercrime verantwortlich. Aber auch gewöhnliche Morddrohungen landen auf seinem sprachwissenschaftlichen Seziertisch.

 
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