Schadensersatz per Musterbrief?

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Für Schadensersatzforderungen ist der Kontakt mit dem Anspruchsgegener unumgänglich, weshalb Betroffene, die mit der Materie nicht vertraut sind, häufig auf der Suche nach einer Hilfestellung sind. Denn es ist zwingend notwendig, sich mit einem Schreiben an den Anspruchsgegener zu wenden, um den Schadensersatzanspruch geltend machen zu können.

Als eine solche vermeintliche Hilfestellung werden im Internet zahlreiche Muster hinsichtlich einer Schadensersatzforderung angeboten, die sich Betroffene zum Teil kostenpflichtig herunterladen können und vor dem Verschicken lediglich „schnell“ ausfüllen müssen. Doch warum eine Schadensersatzforderung mit Hilfe eines solchen Musterbriefs nicht immer eine gute Idee ist, möchten wir Ihnen in folgendem Beitrag erläutern.

Was ist ein Musterschreiben?

Grundsätzlich dient ein solches Musterschreiben oder ein Musterbrief als Hilfestellung bei der Erstellung eines bestimmten Dokuments. Im Fall eines Musterbriefs für Schadensersatzforderungen, soll dies eine Art Grundgerüst darstellen und dabei helfen das Vollständige Schreiben erstellen zu können. Es handelt sich bei einem Musterbrief also lediglich um eine Vorlage.

Wie sieht ein solcher Musterbrief für Schadensersatz aus?

Grundsätzlich unterscheiden sich die angebotenen Musterbriefe nur geringfügig, in der Regel müssen diese aber einige Angaben zwingend enthalten. Zu diesen Angaben gehören die genaue Benennung des geforderten Schadensersatzes und der Grund der Forderung. Wir möchten Ihnen nun als Beispiel einen Musterbrief für Schadenersatzforderungen aus dem Internet zeigen:

 

[Adresse Geschädigter]                                                                                                                             [Ort, Datum]

 

[Adresse Haftpflichtversicherung des Schädigers]

 

Schadensersatzforderung

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchte ich an Ihre Versicherung eine Forderung auf Schadensersatz stellen, da ich bei einem Unfall geschädigt wurde, an dem Ihr Versicherungsnehmer die Schuld trägt.

Der betreffende Unfall fand zwischen dem Fahrzeug Ihres Versicherungsnehmers, [Name des Schädigers], mit dem amtlichen Kennzeichen [WX] und mir, [Name des Geschädigten], mit dem amtlichen Kennzeichen [YZ] am [Datum] in [Ort] statt.

[Beschreibung des Unfallhergangs gemäß dem offiziellen Unfallbericht]

Für diesen Unfall ist Ihr Versicherungsnehmer alleinig verantwortlich. Der Vorgang wurde von dem Polizeipräsidium [Sitz des Präsidiums] protokolliert.

Das schuldhafte Verhalten Ihres Versicherungsnehmers hat mir einen erheblichen Schaden verursacht, welcher im Folgenden aufgeführt wird:

Materialschaden in Höhe von X Euro

Gutachterkosten in Höhe von X Euro

Ich wurde direkt nach der Kollision ärztlich versorgt und in das [Name des Krankenhauses] gebracht. Dort verbrachte ich X Tage, an denen ich stationär behandelt werden musste.

[sämtliche Verletzungsfolgen auflisten und beschreiben, wie stark diese Sie im Alltag beeinträchtigen]

Von daher erscheint mir folgendes Schmerzensgeld angemessen:

Schmerzensgeld in Höhe von X Euro

[Beschreibung der einzelnen Behandlungsschritte und von deren Kosten]

Behandlungskosten in Höhe von X Euro

Es wird daher insgesamt folgender Schadensersatz geltend gemacht:

Begutachtungskosten X Euro Reparaturkosten X Euro Transportkosten X Euro Mietwagen X Euro Nutzungsausfall  (X Tage à X Euro pro Tag) X Euro Behandlungskosten X Euro Schmerzensgeld X Euro

Gesamt: X Euro

Ich fordere Sie hiermit auf, den derzeitigen Betrag von:

X Euro

zur Entschädigung auf folgendes Bankkonto:     [Kontoverbindung] zu überweisen und durch die Zahlung Ihre Leistungspflicht dem Grunde nach anzuerkennen.

Für diese Überweisung räume ich Ihnen eine Frist bis zum [Datum Fristende] ein.

Sollten Sie Einwände hinsichtlich der einzeln aufgeführten Schadenspositionen erheben, zahlen Sie zur Vermeidung von Zinsschäden zumindest die unstreitigen Beträge.

Anbei finden Sie Kopien der ärztlichen Nachweise sowie der Schadensgutachten in Kopie.

Mit freundlichen Grüßen

[Name Geschädigte]

 

Wie zuverlässig ist ein solcher Musterbrief für Schadensersatz?

Im Internet werben besonders Seiten, die solche Musterbriefe anbieten mit der hohen Zuverlässigkeit des Schreibens. Zudem wird Interessenten suggeriert, dass diese lediglich ihre persönlichen Daten in den Musterbrief eintragen müssen und diesen dann abschicken können. Dies ist jedoch eher problematisch, da die Beweislast wie bereits erwähnt bei dem Anspruchssteller liegt und dieser auch das genaue Geschehen beschreiben sollte und den Grund für die Schadensersatzforderung schlüssig darlegen sollte. So kann ein Musterbrief zwar als eine Orientierung dienen. Dass ein solcher Musterbrief allerdings nur wenige, persönlich Angaben erfordert, um einen Schadensersatzanspruch durchsetzen zu können ist nicht richtig. Es ist zwingend notwendig, die Schadensersatzforderung individuell zu gestalten und anzupassen.

Fraglich ist zudem, inwiefern überhaupt einem solchen Musterbrief aus dem Internet vertraut werden kann. Größtenteils ist unklar, von wem der jeweilige Musterbrief verfasst wurde und inwiefern dieser rechtskundig ist. So sollte ein Musterbrief für eine Schadensersatzforderung höchstens als Orientierung herangezogen werden.

Anwalt für Schadensersatzforderung

Eine Schadensersatzforderung ist an eine Vielzahl von Bedingungen geknüpft, die in ihrer Gesamtheit für juristische Laien nur schwer verständlich sind. Es ist daher ratsam sich im Falle einer solchen Schadensersatzforderung an einen Rechtsanwalt zu wenden.

Ein Rechtsanwalt kann zunächst feststellen, ob tatsächlich ein Anspruch auf einen Schadensersatz besteht und wenn ja, wer der jeweils richtige Ansprechpartner ist. Konnte ein Anwalt feststellen, dass tatsächlich ein Anspruch auf Schadensersatz besteht, kann dieser im Gegensatz zu einem Musterbrief, ein auf den individuellen Sachverhalt zugeschnittenes Schreiben erstellen. Bei einem Schreibe, das alle Einzelheiten des Sachverhalts beinhaltet ist einem allgemeinen Musterbrief allein schon aus Gründen der Beweislast vorzuziehen. Denn der Anspruchssteller muss im Falle einer Schadensersatzforderung nicht nur beweisen können, dass dieser den Schaden verursacht hat, sondern auch, dass der Schaden kausal durch die Pflichtverletzung herbeigeführt wurde.

In einem vorgefertigten Musterbrief ist dies nicht möglich, es wird dem Antragsteller zumeist auch nur ein äußerst begrenzter Raum gegeben, den jeweiligen Sachverhalt darzulegen. Zudem wissen Anspruchssteller zwar um den entstandenen Schaden, oftmals sind ihnen jedoch nicht alle Einzelheiten bewusst, die auch mitverantwortlich für die Entstehung des Schadens waren.

Zudem kommt es nicht selten vor, dass sich der Anspruchsgegener weigert der Schadensersatzforderung Folge zu leisten und gar nicht erst auf das Schreiben reagiert. Spätestens wenn dies der Fall ist sollte sich Rat bei einem Anwalt geholt werden. Um es jedoch gar nicht erst soweit kommen zu lassen, sollte ein Anwalt bereits vor einem Schreiben an die gegnerische Seite beauftragt werden. Kann auch der Anwalt keine außergerichtliche Einigung herbeiführen, steht dieser dem Betroffenen auch im Rahmen eines zivilrechtlichen Prozesses zur Seite.

Fazit

Grundsätzlich können Musterbriefe als Vorlage für Schadensersatzforderungen herangezogen werden, Es ist jedoch aus den oben genannten Gründen ratsamer sich an einen Anwalt zu wenden und diesen das jeweilige Schreiben auf Ihren genauen Sachverhalt angepasst, verfassen zu lassen. Dadurch besteht eine weitaus größere Wahrscheinlichkeit, dass der Schadenersatzanspruch bereits durch das erste Schreiben an die Gegenpartei durchgesetzt werden kann.

 

 

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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