Überweisungsbetrug


Ausmaß und wirtschaftliche Relevanz des Überweisungsbetruges

Jedes Jahr werden einige Tausend Fälle des Überweisungsbetruges bekannt, wobei die Zahlen häufig schwanken und besondere „Spitzen“ aufweisen, d.h. in manchen Jahren deutlich mehr Überweisungsbetruge angezeigt werden als in anderen Jahren. Die letzten belastbaren Zahlen sprechen dabei für das Jahr 2011 von über 16.500 Fällen! Zu diesen gesellen sich knapp 4.000 Fälle des Kontobetruges. Dazu kommen jedes Jahr etwa 5.000 Fälle des Phishings. Das Ausmaß der Betrugsfälle insgesamt im finanziellen Sektor mit direktem Bezug zu Konten von normalen Bürgern ist damit immens. Hierzu wirkt verstärkend der Faktor, dass die Aufklärungsquote zuletzt deutlich gesunken ist. Konnten im letzten Jahrzehnt noch nahezu 70% der Fälle aufgeklärt werden, sind es nunmehr nur noch etwa 58% mit sinkender Tendenz. Die Wahrscheinlichkeit, das vom Konto geplünderte Geld wiederzubekommen, ist damit nicht wirklich hoch.

Auch hinsichtlich der Schadenssumme ergibt sich ein besorgniserregendes Bild. Das BKA veröffentlicht im Jahr 2007 offizielle Zahlen zu den durch den Konto- und Überweisungsbetrug entstandenen Gesamtschaden. Dieser lag bereits im Jahr 2006 bei über 35,5 Mio. Euro. Umso beängstigender wird das Bild, wenn man dies in Relation zu den damaligen etwa 13.000 Betrugsfällen setzt. Die immens gestiegene Zahl der Fälle des Konto- und Überweisungsbetruges sowie des Phishings dürften dazu geführt haben, dass auch der Gesamtschaden erheblich gestiegen ist. Eher beruhigend können die Zahlen nur im Vergleich mit den USA wirken. Dort wurde der Schaden durch Überweisungsbetrügereien zuletzt auf 677 Millionen US-Dollar beziffert.

Auffällig sind regionale Häufungen von Betrugswellen. Es scheint so, als würden organisierte Betrüger in bestimmten Zeiträumen bestimmte Orte auswählen, in denen sie verstärkt den Überweisungsbetrug betreiben. Besonders gut kann man dies am Beispiel der Stadt Düsseldorf festmachen. Dort wurde im Jahr 2003 ein Anstieg der Fälle um über 500 Prozent zum Vorjahr verzeichnet. Knapp ein Viertel der im gesamten Bundesgebiet registrierten Fälle entfielen damals auf den Raum Düsseldorf. Im Jahr 2006 war erneut ein Anstieg von 130 Prozent zum Vorjahr zu erkennen. Gerade in diesen Zeiträumen war man also in Düsseldorf besonders gefährdet. Es lohnt sich also allein aufgrund dieser Tatsache als erste Vorsichtsmaßnahme, die Nachrichten in dieser Hinsicht im Auge zu behalten. Wird von einem Anstieg dieser Fälle im regionalen Umland gesprochen, sollte man sein Konto gut im Auge behalten.

Methoden des Überweisungsbetrugs

Es gibt verschiedene Varianten, wie der Überweisungsbetrug von den Betrügern durchgeführt wird, sprich die Kontoverbindung der Opfer in Erfahrung gebracht wird. Dabei kann es bereits durchaus reichen, einen Überweisungsträger in den Sammelbriefkasten einer Bankfiliale zu werfen. Diese werden oftmals von den Betrügern aufgebrochen oder es werden in geschickterer Weise eingeworfene Überweisungsträger herausgefischt. Auf diese Weise sind nicht nur die Kontodaten des Opfers in Erfahrung gebracht, auch seine Unterschrift ist auf diese Weise erlangt.

Ein anderes Vorgehen der Betrüger ist es, über Online-Auktionen, bspw. auf ebay, an die Kontodaten anderer Mitglieder zu gelangen. Besonders gefährdet sind Personen, die ihre Kontodaten öffentlich zugänglich haben, bspw. auf einem Briefbogen. Hierzu werden in erster Linie Gesellschaften gehören. Auch diese sind nicht vor dem Überweisungsbetrug sicher. In der technologisierten Zeit ist ein weiteres Mittel der Betrüger, durch das Versenden von Mails an die Daten der Opfer zu gelangen. Hierbei wurden in der Vergangenheit oftmals Geschichten entwickelt, indem bspw. eine Überweisung von 100€ angeboten wurde, sollte der Adressant ein unterschriebenes Formular mit Name, Adresse und der Bankverbindung ausfüllen und handschriftlich unterschrieben per Fax oder E-Mail zurückschicken.

Ebenfalls bekannt ist das Vorgehen mit Einschreiben mit Rückschein. Opfer erhalten dabei ein Einschreiben mit Rückschein von den Betrügern, welche darauf hoffen, dass das Opfer den Rückschein ausfüllen wird. Auf diese Weise werden zwar nicht die konkreten Bank- bzw. Kontodaten erlangt, allerdings ist damit die Unterschrift des Opfers beim Betrüger.

Egal auf welchem Wege die Betrüger an Bank- und Kontodaten gekommen sind, letzten Endes werden auf betrügerisch erlangten Originalüberweisungen die Daten des Empfängers manipuliert oder auf frei zugänglichen Blankoformularen der Banken die erschlichenen Daten eingetragen und die Unterschrift gefälscht. Hernach wird bei der Bank eine Überweisung auf ein bestimmtes Konto angewiesen, welches extra für diesen Zweck eröffnet wurde. Von diesem werden dann die Beträge schnellstmöglich weiterüberwiesen oder von den Betrügern abgehoben.

Sonderfall Phishing

In die gleiche Richtung geht das Betrugsphänomen „Phishing“. Bei dieser aus den Hacker-Kreisen entwickelten Masche geht es letzten Endes darum, nach Daten zu „fischen“ (bei dem englischen Wort „fishing“ wurde daher das in Hacker-Kreisen übliche Ph an die Stelle des Anfangsbuchstabens gesetzt). Im Fokus stehen hier aber insbesondere Passwörter sowie PIN- und TAN-Nummern, sodass das Zwischenziel der Betrüger hier ein anderes ist. Letzten Endes wollen allerdings auch die Phishing-Angreifer die Konten ihrer Opfer leerräumen und sich an diesen bereichern.

Nicht nur das Zwischenziel, sondern auch die Methoden des Phishing sind etwas anders als beim Überweisungsbetrug. Um einen umfassenden Überblick zu geben, insbesondere um Ihnen zu verdeutlichen, worauf Sie zu Ihrem eigenen Schutz besonders achten sollen, seien diese kurz erläutert. Auch beim Phishing gibt es unterschiedliche Methoden. Häufig geschieht dies mit Hilfe gefälschter Webseiten oder Kurznachrichten. Die häufigste Art ist allerdings das Phishing per Email. In versendeten Fake-Mails sind entweder Viren und Trojaner angehängt, welche den heimischen Computer ausspähen können, oder es sind Links eingebaut, die den Anschein erwecken, von einer vertraulichen Stelle – wie bspw. der eigenen Bank – zu kommen. Die Opfer werden so getäuscht, sind in der Folge nicht misstrauisch und leisten sodann in aller Regel der Aufforderung Folge, wichtige Daten wie Passwörter, Benutzernamen, PIN-Nummern oder TAN-Kombinationen auf einer verlinkten Website oder per Antwort auf die Mail zu übermitteln. Die Phishing-Angreifer nutzen diese Daten sodann, um das Konto des Betroffenen zu plündern. Als Unterart des Social Engineering wird beim Phishing also die Gutgläubigkeit des Opfers ausgenutzt. Hierfür wird sowohl in der Mail als auch auf (verlinkten) Websites die Sparkasse nachgeahmt, in der Regel durch Übernahme des Corporate Designs der Sparkasse, inklusive Logo, Schriftarten und Farben.

Sonderfall Kontoeröffnungsbetrug

Neben dem Überweisungsbetrug ist auch der bereits nebenbei erwähnte Kontoeröffnungsbetrug im Bereich der Kontobetrügereien relevant. Unter den Begriff des Kontoeröffnungsbetrugs fallen alle Fälle, in denen der Betrüger mit Hilfe von gefälschten Unterlagen (dies meint in aller Regel gefälschte oder gestohlene Ausweispapiere) ein oder mehrere Girokonten eröffnet. Bei den Direktbanken, bei denen die Vorlage der Ausweispapiere nicht geschieht, tritt in aller Regel an diese Stelle das Post-Ident-Verfahren der Deutschen Post. Auch dieses kann allerdings mit Hilfe der gefälschten oder gestohlenen Ausweispapiere ausgehebelt werden.

Ist das Konto nun eröffnet, hat der Betrüger verschiedene Möglichkeiten, an Geld zu gelangen. Eine Möglichkeit ist es, zu Lasten fremder Konten Lastschrifteinzüge zu tätigen, da die einziehenden Banken nicht prüfen, ob eine Lastschrifteinzugsermächtigung erteilt wurde. Eine Prüfung ergeht hier nicht. Zwar kann das Opfer eines solchen Vorgehens gegen den Lastschrifteinzug Widerspruch einlegen, sodass der Betrag automatisch zurückgebucht wird. Dies geht allerdings ins Leere, wenn der Betrüger sofort nach Erhalt des Geldes den Betrag abhebt. Zwar erhält das Opfer so sein Geld zurück, allerdings bleibt die Bank auf den Kosten sitzen, da niemand das Minus auf dem gefälschten Konto ausgleicht.

Daneben ist ein anderes Vorgehen, die bei der Kontoeröffnung erlangte EC-Karte zu nutzen, um im Lastschrift-Verfahren Waren einzukaufen. Die Einzelhändler überprüfen dabei häufig aus Kostengründen nicht, ob eine Sperrung vorliegt, d.h. die Betrüger können häufig sogar mit gesperrten Karten oder ohne Kontoguthaben einkaufen. In diesem Fall können zwar die Banken die Lastschriften zurückgeben, allerdings bleiben die Einzelhändler sodann auf dem Schaden sitzen.

Warum ist der Überweisungsbetrug so einfach möglich?

Das verlockende am Überweisungsbetrug und damit der Grund für die wachsenden Betrugszahlen und die sinkende Aufklärungsrate liegt zumindest im Teil sicherlich in der Banalität des Vorgehens. Ein Überweisungsbetrug ist in der Praxis sehr schnell durchgeführt und gibt damit den Betrügern den Anreiz, auf diese Weise ungerechtfertigt an Geld zu gelangen. Zu Grunde liegt dem einfachen Verfahren beim Überweisungsbetrug die schiere Menge an angewiesenen Überweisungen. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 2 Milliarden (!) Überweisungen und Schecks ausgestellt. Grundsätzlich müssen die Bankinstitute diese Überweisungen auch überprüfen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass dies aufgrund der schieren Menge nicht zu 100% durchgeführt wird und eventuell ohne eine ausgereifte Technik auch nicht werden kann. In jedem Fall bedeutet die Prüfung für eine Bank einen enormen Aufwand an Zeit und vor allen Dingen Kosten. Besonders belastet ist von dieser Prüfungspflicht die Sparkasse, auf welche ungefähr 50 % der zu prüfenden Unterlagen entfallen. Doch auch die Volksbank und die Postbank haben enorme Anteile an diesen Zahlen.

In dieser Hinsicht haben verschiedene Testläufe gezeigt, dass auch fehlerhafte Überweisungen von den Banken getätigt werden, obwohl diese nicht ausgeführt werden dürften. Dabei wurde teilweise konstatiert, dass Banken 95% von testweise fehlerhaft ausgefüllten Überweisungen trotzdem ausgeführt haben, obwohl sie dies aufgrund fehlender Unterschrift oder anderer fehlerhafter Daten nicht hätten tun dürfen. Im Zuge dieser Tests haben Spitzenverbände eingeräumt, dass teilweise die Überweisungen erst geprüft würden, wenn eine bestimmte Überweisungssumme überschritten werden würde. Unter dieser Grenze würden lediglich Stichproben genommen. Unter anderem sei dies auch der Fall, damit im „Massenzahlungsverkehr“ eine schnelle und kostengünstige Abarbeitung der Überweisungsträger möglich sei, was auch im Interesse der Kunden läge. Weitere Testläufe ergaben, dass wohl bei den meisten Banken die Grenze zwischen angeblichen Stichproben und einer konsequenten Prüfung bei einem Betrag von etwa 3.500€ liegt. Dies spielt den Überweisungsbetrügern in die Karten, da diese überwiegend geringere Beträge in die Überweisungen aufnehmen, um sowohl der Bank als auch dem betrogenen Kunden möglichst weniger schnell aufzufallen.

Rechtliche Würdigung des Überweisungsbetrugs

Bei der rechtlichen Würdigung sind wie in allen Betrugsfällen sowohl strafrechtliche wie auch zivilrechtliche Konsequenzen einschlägig. Diese unterscheiden sich sehr stark in ihrer Wirkung. Während es im Strafverfahren in erster Linie darum geht, dass eine Person wegen eines strafrechtlich relevanten Verhaltens vom Staat bestraft wird, liegt dieser Gedanke dem Zivilrecht fern. Im Zivilrecht geht es vielmehr um einen Streit zwischen Privatpersonen. Auch beim Überweisungsbetrug ist daher zwischen der strafrechtlichen und der zivilrechtlichen Komponente zu unterscheiden. Vereinfacht gesagt kann schon jetzt differenziert werden: eine mögliche Verurteilung der Betrüger im Strafverfahren mag Ihnen noch so wohl tun – Ihr Geld erhalten Sie nur über das Zivilrecht zurück!

Strafrechtliche Würdigung

Da der vorliegende Beitrag in erster Linie darauf abzielt, Ihnen zu helfen, Ihr Geld im Falle eines Überweisungsbetruges wiederzubekommen, sei auf die strafrechtliche Komponente nur kurz eingegangen. Obwohl der Wortlaut es zunächst nahe legt, ist der Überweisungsbetrug kein eigenständiger Straftatbestand im Strafrecht. Vielmehr handelt es sich bei dieser Bezeichnung um eine kriminologische, welche das betrügerische Verhalten beschreiben soll. In Deutschland ist der Überweisungsbetrug in erster Linie ein Fall des Betrugs nach § 263 StGB. Ebenfalls einschlägig sind die Strafnormen im Bezug auf das Ausspähen von Daten nach § 202a StGB sowie die Urkundenfälschung gemäß § 267 StGB. Wird ein Betrüger anhand dieser Normen verurteilt, winkt eine hohe Strafe. Insbesondere wird dies dadurch unterstützt, dass die Täter in aller Regel nicht nur einen Überweisungsbetrug begehen, sondern gleich mehrere.

Zivilrechtliche Würdigung

Für die Opfer eines Überweisungsbetruges ist neben der Genugtuung über eine etwaige Bestrafung der Täter im Strafverfahren meist deutlich relevanter, ob und wie Sie an das Ihnen entwendete Geld gelangen. Dabei ist es natürlich völlig klar, dass Sie das Geld von den Betrügern zurückerlangen können. Das Problem ist hier allerdings viel mehr, dass die Betrüger angesichts der eher geringen Aufklärungsquote (vgl. die Angaben am Anfang des Beitrages) häufig gerade nicht ermittelt werden können. In diesen Fällen steht die Frage im Mittelpunkt, ob das Geld auch von der Bank erlangt werden kann. Aus den genannten Gründen soll gerade diese Frage auch im Mittelpunkt des Beitrages stehen.

Anhaltspunkte für die Beantwortung der Frage geben im besonderen Maße hierzu ergangene Urteile der Gerichte. Der Bundesgerichtshof hat bspw. in einem Urteil grundsätzlich entschieden, dass die Prüfung der Unterschriften auf Zahlungsbelegen einen Teil der Sorgfaltspflicht der Banken im Geschäftsverkehr mit ihren Kunden darstellt (Az. XI ZR 325/00). Daraus folge, dass die Bank auch das Fälschungsrisiko dieser Überweisungsbelege trage. Im Grundsatz haben nach Auffassung des BGH also die Banken den Schaden zu tragen, den der Kunde durch Ausführung der gefälschten Überweisung erleidet. Dies ist ein erster positiver Punkt, der zu Ihrer Beruhigung beitragen sollte – es ist also grundsätzlich möglich, im Falle eines Überweisungsbetruges das entwendete Geld von Ihrer Bank zurückzufordern. Kommt diese Ihrer Forderung nicht nach, ist auch eine Klage gegen die eigene Bank möglich!

Verschiedene Gerichte haben diesen Grundsatz zum Anlass der Konkretisierung genommen. So hat das AG Wiesloch in einem Fall zum Überweisungsbetrug entschieden, dass auch im Online-Banking ähnliche Anforderungen anzusetzen sind (Az. 4 C 57/08). Analog zur Prüfung von Überweisungsträgern im herkömmlichen Zahlungsverkehr müssen Banken demnach auch im Online-Banking den Hauptteil des Fälschungsrisikos tragen. Dies gilt allerdings nicht uneingeschränkt: Den Kunden kann es zumindest zugemutet werden, die Sorgfaltspflichten eines „durchschnittlichen PC-Benutzers“ einzuhalten. Hierzu gehört das Installieren und Aktualisieren eines Antivirenprogramms und eine aktive Firewall. Ebenfalls sollte – analog zu den Urteilen zum Phishing – darauf geachtet werden, dass man bei der Weitergabe von sensiblen Daten nicht grob fahrlässig handelt. Gibt man also ohne nachzudenken allzu freizügig Daten im Internet heraus, so kann auch aus diesem Grund zumindest ein Mitverschulden des Kunden einschlägig sein. Immerhin hat das AG Wiesloch entschieden, dass im Falle des Überweisungsbetruges die Banken allerdings nicht das gesamte Risiko auf den Kontoinhaber abwälzen kann.

Das OLG Koblenz hatte ebenfalls mit einem Überweisungsbetrug zu tun und entschied im hierzu zugehörigen Urteil, dass die Banken das Risiko eines gefälschten Überweisungsauftrages zu tragen haben (Az. 2 U 116/09). Das OLH Koblenz folgt hier dem Grundsatz des BGH, vorliegend war der Fall jedoch inhaltlich besonders gelagert. Hier hatten die Betrüger nämlich Überweisungsträger höchstwahrscheinlich aus dem Briefkasten einer Bankfiliale entwendet und hernach gefälscht. Das LG Koblenz hatte die Klage der Bankkundin zuvor abgewiesen, was das OLG Koblenz allerdings in der Folge korrigierte.

Damit ist insgesamt festzuhalten, dass die Banken ganz grundsätzlich sowohl im Offline- wie auch im Online-Bereich in den Fällen des Überweisungsbetruges haften. Kunden können also ihr Geld zurückverlangen, wenn die Bank eine gefälschte Überweisung ausgeführt hat. Trotz allem ist wie bereits beim Urteil des AG Wiesloch angesprochen immer zu prüfen, ob den Kunden eine Mitschuld trifft. Analog zu den Urteilen in den Fällen des Phishing wird auch hier allgemein (d.h. nicht nur für den Online-Bereich) angenommen, dass ein Kunde zumindest bei grob fahrlässigem Verhalten ebenfalls haften muss. Diese grobe Fahrlässigkeit ist dem Kunden allerdings von der Bank nachzuweisen.

Abgesehen von diesen Fällen kann im Einzelfall auch nicht ausgeschlossen sein, dass ein mit einem Fall des Überweisungsbetrugs betrautes Gericht aufgrund der richterlichen Unabhängigkeit einen besonders gelagerten Fall nicht komplett anders entscheidet. So war es auch bei einem Urteil des LG Dessau-Roßlau (Az. 4 O 348/13). Dieses hatte entschieden, dass Banken dann keinen Schadensersatz leisten müssen, wenn die Unterschrift auf einem gefälschten Überweisungsträger besonders gut gefälscht war. Das Gericht war in diesem Fall der Ansicht, die besonders gut gefälschte Unterschrift auf dem Überweisungsträger sei ein ungewöhnliches Ereignis i.S.v. § 676c BGB.  Im betreffenden Fall hat sich sowohl die Größe, das Schriftbild als auch der Schriftcharakter von der Originalunterschrift nicht maßgeblich unterschieden, sodass bei einer Routinekontrolle eine Abweichung von der Bank überhaupt nicht zu erkennen sei. In diesem Fall hatte der Kunde somit den Schaden selbst zu tragen, denn der Betrüger konnte nicht ermittelt werden.

Schutz gegen Überweisungsbetrug?

Neben der Frage, wie Sie ihr Geld zurückerlangen können, steht die Frage der Prävention gegen den Überweisungsbetrug im Vordergrund. Dabei sind wohl die Banken als auch die Kunden dazu aufgerufen, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen, um die Wahrscheinlichkeit eines Überweisungsbetruges gegen Sie möglichst gering zu halten. In Frage kommt als Vorsichtsmaßnahme der Banken bspw. das Überwachen bzw. vollkommene Abschaffen von außen liegenden Sammelbriefkästen für Überweisungsträger. Ein solches Vorgehen hatte die Berliner Sparkasse im Jahr 2007 gewählt. Die Kunden der Bank wurden sodann aufgefordert, ihre Überweisungsträger während der Öffnungszeiten an den Schaltern abzugeben.

Im Mittelpunkt der Präventionsmaßnahmen stehen allerdings in aller Regel die Kunden selbst. Diese sollten verantwortungsvoll handeln. Dazu gehört vor allem, in kurzen Abständen das Konto zu überprüfen und bei verdächtigen Vorgängen sofort die Bank zu unterrichten. Allein dieses Vorgehen ist geeignet, einen Großteil des Schadens abzuwenden. Daneben ist das Gebot der Datensparsamkeit mit größter Sorgfalt zu behandeln. Im Prinzip sagt dieses nichts weiter aus, als dass Kunden ihre Daten im Allgemeinen so sparsam wie möglich herausgeben sollten. Dies gilt für besodners sensible Daten, wie es Bank- und Kontodaten sind, natürlich im besonderen Maße. Die Bankdaten sollten daher stets vertraulich behandelt werden. Kontoauszüge oder Überweisungsbelege können vor dem Wegwerfen geschreddert und nicht zugänglich entsorgt werden. Auf diese Weise kann man es den Betrügern so schwer wie möglich machen.

Die Täter eines Überweisungsbetruges nutzen häufig auch die Unwissenheit und die Hilfsbereitschaft Unwissender Dritter aus. Diese werden beispielsweise dazu genutzt, Geldbeträge anzunehmen und weiterzuleiten. Auf diese Weise werden die Dritten schnell zu Mittätern! Es versteht sich von selbst, dass Sie besonders bei solchen Anfragen höchst achtsam sein und das Angebot in keinem Falle annehmen sollten. Dazu gehört insb., keine finanziellen Verpflichtungen für andere zu übernehmen und ihr Konto für keine fremden Aktivitäten freizugeben. Stellen Sie Ihr Konto also niemals anderen Personen zur Verfügung! Ebenfalls sollten Sie sich kein fremdes Geld überweisen lassen, deren Ursprung Ihnen unbekannt ist. Die eC-Karte und PIN-Nummer sollten immer getrennt voneinander aufbewahrt werden. Auch diese sollten sie niemals herausgeben.

Fazit zum Überweisungsbetrug

Der Überweisungsbetrug hat massive Auswirkungen auf die Opfer. Häufig nehmen diese den Schaden zu spät wahr und die Täter können nicht mehr gefasst werden. Ein strafrechtliches sowie zivilrechtliches Vorgehen gegen die Täter ist auf diesem Wege dann nicht mehr möglich.

Zwar haben die Gerichte entschieden, dass die Banken in aller Regel beim Überweisungsbetrug haften, da die Prüfung der Überweisungsträger in ihren Aufgabenbereich fallen. In besonderen Fällen kann den Kunden aber ein Mitverschulden zur Last gelegt werden. In Einzelfällen sprachen Gerichte die Banken von sämtlicher Verpflichtung frei, sodass der Kunde auf dem Schaden sitzen blieb.

 

Sollten Sie Opfer eines Überweisungsbetruges, Kontoeröffnungsbetruges oder eines Phishing-Angriffes sein, sollten Sie sich in jedem Fall anwaltliche Hilfe holen! Nur auf diesem Weg können Sie sichergehen, dass ihre Rechte entsprechend durchgesetzt werden und Sie nicht auf dem Schaden sitzen bleiben. Bei Fragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung, und sollten Sie rechtliche Hilfe benötigen, so stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite!

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