Phishing bei der Postbank AG


Die AG versucht, sich darauf zu berufen, dass ein Kunde nicht nur auf theoretische Möglichkeiten verweisen darf, dass ein System unsicher sei. Vielmehr muss nach Auffassung der ein Kunde substantiiert darlegen, weshalb ein Bankensystem unsicher ist. Hier beruft sich die AG auf den Anscheinsbeweis. 

Wir teilen diese rechtliche Einschätzung nicht. Es muss ein Minimum an Details zu den Sicherungssystemen der Postbank AG genannt werden, damit ein Kunde überhaupt die Möglichkeit hat, Sicherungslücken festzustellen und vortragen zu können. Auch muss das Sicherheitsniveau im Einzelnen dargelegt werden. 

Wir erleben immer wieder in den Rechtsstreiten um Betrugsfälle im Bereich Online-Banking, dass Protokolle vorgelegt werden, die in keiner Weise für einen Laien verständlich sind. Auch hier ist nach unserer Auffassung die jeweilige Bank in der Pflicht, im Detail nachzuweisen und darzulegen, was genau geschehen ist. Abkürzungen und unverständliche Protokollierungen genügen den Anforderungen nach der Zivilprozessordnung an einen ordnungsgemäßen Sachvortrag seitens einer Bank nicht. 

Im Übrigen kann in vielen Fällen eine Rückzahlung beziehungsweise ein Schadensausgleich durch die Bank nur dann vermieden werden, wenn dem Bankkunden grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz vorgeworfen wird. Dies ist aber in der Rechtsprechung eine hohe Hürde. 

Allerdings muss ein Nutzer eines Online-Banking-Kontos ein Grundmaß an Vorsicht walten lassen. Beispielsweise muss einem Kunden eine E-Mail mit ungewöhnlichem Inhalt sofort auffallen, wenn im Internet die Telefon-Banking-PIN bekannt gegeben werden soll (Urteil des LG Essen vom 04.12.2014, Az. 6 O 339/14; BGH Urteil vom 24.04.2012, Az. XI ZR 96/11). Hier muss dann der Kunde entsprechend reagieren und darf die PIN nicht eingeben. Auch muss es einem Kunden ungewöhnlich erscheinen, wenn die Eingabemaske, die nach dem Anklicken des Links in einer betrügerischen E-Mail folgt, nicht der Eingabemaske der Bank entspricht (Urteil des Amtsgerichts Bonn vom 23.01.2015, Az. 111 C 131/14). Wenn sich ein Kunde für das Online-Banking einloggt, so muss er nur seine Kontonummer und seine PIN eintragen. Wenn weitere persönliche Daten angefordert werden, ist dies ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. 

Bankkunden kann daher nur geraten werden, dass sie sich regelmäßig über aktuelle Sicherungen und Warnhinweise bei ihrer Online-Bank informieren, um so ärgerliche Geldverluste zu vermeiden.

 

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