Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda einreichen? Worauf muss ich achten?

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Sollten Sie von der Kryptowährungs-Börse Bitpanda aufgefordert werden, einen Mittelherkunftsnachweis zu erbringen, lesen Sie unbedingt weiter.

Aufgrund der Geldwäschegesetzgebung und der Gesetze zur Verhinderung von Terrorfinanzierung ist Bitpanda dazu verpflichtet, solche Mittelherkunftsnachweise unter Umständen anzufordern.

Werden die Mittelherkunftsnachweise zu Ihren Bitcoins, Kryptowährungen und Euro-Guthaben nicht, nicht zeitnah genug oder nicht ordnungsgemäß erbracht, droht die Sperre des Accounts und/oder Sperre bezüglich der dort lagernden Assets und Guthaben.

Mittelherkunftsnachweis und Bitpandas Motivation verstehen!

Bitpanda fordert Sie nicht zum Spaß auf, Mittelherkunftsnachweise einzureichen. Es kann sogar gesagt werden, dass Bitpanda hierdurch die Beziehung zu den eigenen Kundinnen und Kunden gefährdet.

Hieran hat Bitpanda sicher kein Interesse.

Allerdings gibt es EU-Richtlinien zur Prävention von Geldwäsche und Terrorfinanzierung, die in nationale Gesetze gegossen nun mehr Eingang im FM-GwG (Finanzmarkt-Geldwäschegesetz) gefunden haben (österreichisches Recht – Pendants dazu gibt es in anderen Jurisdiktionen ebenso).

Bitpanda muss das also tun. Die Mittelherkunftsnachweise zu Bitcoins, Kryptowährungen und Fiatguthaben müssen angefordert werden.

Doch wie oft? Mit welchem Umfang? Was, wenn es keine Herkunftsnachweise gibt? Oder wenn Bitpanda Ihre Herkunftsnachweise nicht akzeptiert?

Beispiele für Herkunftsnachweise bei Bitpanda

Von Bitpanda werden u.a. Gehaltsabrechnungen, Steuererklärungen und Transaktionshistorien verlangt.

Es reicht daher nicht aus, Bitpanda nur mündlich oder per Mail mitzuteilen, dass die Bitcoins oder andere Kryptowährungen da oder dort erworben worden sind. Wenn es um Euro-Guthaben geht, ist nicht ausreichend, als Herkunftsnachweis irgendeine Quelle zu benennen.

Der Herkunftsnachweis muss auf “die Geschichte Ihres Geldes” und/oder “die Geschichte Ihrer Assets” gerichtet sein.

Wichtig zu verstehen ist, dass der Mittelherkunftsnachweis nicht nur verlangt darzulegen, woher die Bitcoins, Kryptowährungen oder Euro-Guthaben stammen (z.B. Ihre Wallet oder Ihr Girokonto), sondern die ursprüngliche Quelle dieser Assets und Guthaben nachzuweisen.

Wieso wir die Mittelherkunftsnachweise und Bitpandas Vorgehensweise problematisch finden

Als spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei, die sich mit Bitcoins, Kryptowährungen und dem Trading diesbezüglich auskennt, müssen wir die Herkunftsnachweise wie sie von Bitpanda gefordert werden, deutlich in Frage stellen.

Beispielsweise belegt die Einreichung einer Steuerklärung keineswegs irgendwelche Quellen oder ursprünglichen Zahlungswege. Anders gesagt: auch Geldwäscher und Terroristen verfügen unter Umständen über eine “schön aussehende” Steuererklärung. Die Steuererklärung allein ist daher als Nachweis für oder gegen Geldwäsche gar nicht geeignet.

Auch eine Gehaltsabrechnung ist nicht so aussagekräftig wie es sich Bitpanda vielleicht wünscht. Denn hieraus ergibt sich nicht, wie viel des erhaltenen Gehalts die zu überprüfende Person gespart hat, gespart haben konnte oder noch sparen wird.

So einfach ist es mit den Mittelherkunftsnachweisen daher nicht.

Bitpanda fordert eine Menge Daten an, aber es muss die Frage gestellt werden, ob diese Daten überhaupt geeignet und erforderlich sind, die EU-Richtlinie und die nationalen Gesetze bezüglich Geldwäsche und Terrorfinanzierung umzusetzen.

Datensammelwut mit Mittelherkunftsnachweisen?

Spannend ist sodann die Frage, was eigentlich geschieht, wenn Sie die Herkunftsnachweise bei Bitpanda erbringen. Dann liegen bei Bitpanda umfangreiche Finanzdaten zu Ihnen vor, und zwar nicht nur zu Ihren Bitcoins, Kryptowährungen und Euro-Guthaben.

Denken Sie an die Steuererklärung – dort stehen Daten, die nichts mit Bitcoins, Kryptowährungen oder Euro-Guthaben zu tun haben dürften.

Bitpanda sammelt dann also fleißig diese Mittelherkunftsnachweise, und dann?

  • Wann werden diese Daten gelöscht?
  • Wer kann darauf zugreifen?
  • In Steuererklärungen können sogar gesundheitsbezogene, sensible Daten gespeichert sein – weiß Bitpanda das?
  • Sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Bitpanda-Support überhaupt qualifiziert, solche Daten zu verarbeiten?
  • Was geschieht bei einem Hackingangriff auf Bitpanda oder einem Leak?

Wir mögen den Gedanken dieser Art der Herkunftsnachweise daher nicht. Es sind zu viele Fragen offen.

Bitpanda ist keine Strafverfolgungsbehörde!

Gruselig wird dies alles erst, wenn die Bitcoins, Kryptowährungen und Euro-Guthaben der Kundinnen und Kunden gesperrt werden, weil kein oder ein nicht ausreichender Herkunftsnachweis erbracht wurde.

Seit wann ist Bitpanda wie eine Strafverfolgungsbehörde tätig, die Assets und Geld “einfrieren” kann?

Wenn Bitpanda einen Geldwäscheverdacht hegt, muss dies der zuständigen Behörde übermittelt werden. Stand jetzt verfügt Bitpanda über das Guthaben und die Bitcoins und Kryptowährungen der Kunden wie eine Behörde, die strafrechtliche Ermittlungen anordnen kann.

Wir sehen das nicht nur kritisch, sondern halten das Einfrieren von Assets und Guthaben unter Umständen für rechtswidrig und möglicherweise strafbar.

Unsere Hilfestellung für Sie!

Sollten Sie Probleme mit dem Mittelherkunftsnachweis haben, können Sie uns gern unverbindlich Ihren Fall per Mail schildern.

Schicken Sie uns gern auch den Schriftwechsel mit Bitpanda zu. Wir melden uns mit einer kostenfreien Ersteinschätzung zurück.

Bei eingefrorenen Guthaben, Bitcoins und anderen Kryptowährungen sollte zeitnah agiert werden, da Sie sonst unberechenbaren Kursrisiken ausgesetzt sein könnten.


2% unseres Gesamtumsatzes spenden wir an die Welthungerhilfe
 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

6 Kommentare zu “Mittelherkunftsnachweis bei Bitpanda einreichen? Worauf muss ich achten?
  • 2. Juni 2021 um 09:27 Uhr
    Jan Schwilden says:

    Sehr geehrter Herr Feil,
    ich benötige dringend Ihre juristische Expertise. Bitpanda hat mich ohne Vorwarnung gesperrt und verlangt Mittelherkunftsnachweise, allerdings habe ich für mein eigenes Geld keine solche Nachweise. Außer Gehaltsabrechnungen kann ich im Grunde nichts vorweisen. Diese habe ich dort vorgelegt. Keine Antwort. Der Support stellt sich seit Tagen tot. Für mich ist es aber jetzt kriegsentscheidend, mein Geld (es ist ja meins!) dort wieder abbuchen zu können. Bitte teilen Sie mir Ihre Konditionen mit und nehmen Sie Kontakt mit mir auf.
    Beste Grüße
    Jan Schwilden

    • 2. Juni 2021 um 10:00 Uhr

      Guten Tag Herr Schwilden,

      die Mittelherkunftsnachweise, die Bitpanda verlangt, können teilweise gar nicht erbracht werden, da jeder Fall anders liegt. Uns sind Fälle bekannt, in denen Personen beschenkt wurden, über die Schenkungen jedoch keine Aufzeichnungen gemacht haben (was auch legal ist). Mittelherkunftsnachweise müssen dann anderweitig erbracht werden.

      Ich schreibe Ihnen eine Mail.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 31. Mai 2021 um 09:19 Uhr
    A. Mirovic says:

    Hallo Herr Feil,
    mein Mittelherkunftsnachweis wird seit mehreren Wochen bei Bitpanda nicht bearbeitet. Anfragen an den Support ergeben immer nur weitere Vertröstungen, man sei in der Warteschlange etc. Mittlerweile mache ich mir Sorgen um meine funds, denn ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen und die geforderten Mittelherkunftsnachweise ehrlich eingereicht. Was kann jetzt getan werden, damit das von Bitpanda freigeschaltet wird?
    Ich bin für jede Antwort dankbar
    Mirosvic

    • 31. Mai 2021 um 10:02 Uhr

      Guten Tag Herr Mirovic,

      Bitpanda bearbeitet die Mittelherkunftsnachweise erfahrungsgemäß zeitnah. Wenn nicht, kann dies entweder bedeuten, dass Bitpanda zeitweise überlastet ist, oder dass Ihre Mittelherkunftsnachweise einer gesonderten, tieferen Prüfung bedürfen. Unserer Ansicht nach ist Bitpanda jedoch verpflichtet, Mittelherkunftsnachweise unverzüglich zu prüfen, da nun einmal durch Kursrisiken und andere Risiken die Guthaben und Kryptowährungen der Kundinnen und Kunden gesperrt und in Gefahr sind.

      Ich schreibe Ihnen eine Mail mit einem Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 27. Mai 2021 um 23:07 Uhr
    T. K. says:

    Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Feil,
    nun hat es mich auch erwischt. Ich soll einen Mittelherkunftsnachweis für eine Bitcoin-Einzahlung erbringen. Dabei habe ich aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten, ich fühle mich da auch unter einen Generalverdacht gestellt. Die Bitcoins habe ich bereits seit 2016, das kann ich auch nachweisen, aber ich möchte nun ungern meine ganzen Gehaltsabrechnungen und Steuererklärungen etc. hochladen. Das kann es doch nicht sein. Ich habe aber auch Angst, nun gesperrt zu bleiben und meine Bitcoins nicht wieder zu bekommen. Ich komme aus der Schweiz, vertreten Sie das dennoch?
    Mit freundlichen Grüßen
    T. K.

    • 28. Mai 2021 um 14:50 Uhr

      Guten Tag,

      wir vertreten Mandantinnen und Mandanten in den Fällen der Herkunftsnachweise ganz gleich wo der Wohnsitz ist.

      Ich schreibe Ihnen eine Mail.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

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