Der Fragenbereich auf kununu – Boden für negative Bewertungen, die man nicht so einfach löschen lassen kann?

Lesezeit: ca. 4 Minuten

Schlechte Einträge auf kununu machen Arbeitgebern zu schaffen – manche dieser negativen Bewertungen sind wahr, manche nicht, einige sind zutreffend geschildert, andere übertrieben.

Negative Einträge bei kununu löschen

Wie auch immer der Einzelfall liegt, oft werden Rechtsanwälte eingeschaltet, um negative Arbeitgeberbewertungen zu löschen – und oft auch mit gutem Grund. Beispielsweise sind bloße Beleidigungen stets unzulässig, ob anonym oder nicht, und unwahre Tatsachenbehauptungen können als Bewertung gelöscht werden.

Nun bietet kununu nicht nur die Bewertungsfunktion an, sondern auch den Fragenbereich. Im Fragenbereich können Interessierte Fragen über einen Arbeitgeber stellen und andere können antworten. Gedacht ist es wohl so: Jobinteressierte stellen die Frage, und ehemalige oder derzeitige Arbeitnehmer, also solche bewertenden Personen, die tatsächlich eine Frage qualifiziert beantworten können, schreiben eine Antwort.

Die Realität hat mittlerweile folgendes Szenario produziert: Die Fragen werden genutzt, um negative Bewertungen auf kununu zu veröffentlichen. So bemerke ich mittlerweile häufig, dass Fragen zwar als Frage formuliert werden, im Grunde jedoch wieder nur eine Bewertung darstellen.

Beispiele für Fragenbereich auf Kununu

Beispiel 1: „Wieso ist in diesem Unternehmen niemand fähig?“

Rechtlich gesehen könnte nun angenommen werden, eine Frage könne keine Bewertung sein. Dem ist aber nicht so. In einer Frage können, wie im Beispiel 1 gezeigt, Werturteile untergebracht werden. Oder sogar unwahre Tatsachenbehauptungen, „versteckt“ als Fragestellung.

Beispiel 2: „Wieso werden vom Arbeitgeber alle negativen Bewertungen auf kununu gelöscht?“

In diesem Beispiel ist gekonnt eine Tatsachenbehauptung aufgestellt worden, nämlich dass „alle negativen Bewertungen auf kununu gelöscht“ werden.

Rechtlich macht es meiner Auffassung nach keinen Unterschied, ob ein Werturteil oder unwahre Tatsachenbehauptung als Frage oder als Kommentar formuliert wird. Es kommt nur auf den jeweiligen Inhalt an.

Wer auf kununu also nicht nur mit einer schlechten Bewertung, sondern auch mit „schlechten Fragen“ zu tun hat, kann mich ansprechen, um diese löschen zu lassen, soweit es rechtlich möglich ist. Gern höre ich mir Ihren speziellen Fall an und biete Ihnen eine kostenfreie Erstberatung.

Als Fragen getarnte Bewertungen – wie ist die Rechtslage?

Clevere Mitarbeiter oder solche, die es einmal waren, gehen vermehrt dazu über, im Fragenbereich bei Kununu Rufschädigungskampagnen einzuleiten. Statt im Bewertungsteil eine sachlich und nachvollziehbare Bewertung abzugeben, was rechtlich zulässig wäre, breiten sich Rechtswidrigkeiten im Fragenbereich aus. Hier werden nun Bewertungen getarnt als Fragen eingestellt. Beispielsweise finden wir “Fragen” wie folgende recht häufig bei Kununu im Fragenbereich:

“Ist hier wirklich bald Insolvenz angesagt?”

“Wieso werden Frauen so schlecht behandelt?”

“Gibt es ein noch unmenschlicheres Unternehmen als dieses hier?”

Tatsachenbehauptungen bei Kununu beachten

In all diesen Fragen sind Tatsachenbehauptungen enthalten. In der ersten Frage wird suggeriert, dass eine Insolvenz auf dem Weg sei, oder zumindest darüber diskutiert würde.

Im zweiten Beispiel wird ausgedrückt, dass Frauen schlecht behandelt werden. Im dritten Beispiel wird ausgesagt, dass ein unmenschlicher Umgang vorherrscht.

All diese “Fragen” enthalten daher Tatsachenbehauptungen und sind, soweit die Tatsachenbehauptungen unwahr sind, rechtswidrig. Daran ändert auch das am Ende hinzugefügte Fragezeichen juristisch gesehen nichts.

Rechtswidrige Aussagen, die als Fragen getarnt werden, können juristisch angegangen und gelöscht werden. Entweder außergerichtlich, in einem Schriftwechsel mit Kununu, oder notfalls gerichtlich.

Sind es wirklich “Unternehmenskenner”, die dort schreiben?

Interessant ist, dass Kununu im Fragenbereich eine eigene unwahre Tatsachenbehauptung aufstellt. Dort heißt es nämlich:

“Unternehmenskenner beantworten deine individuellen Fragen.”

Wir zweifeln dies an, denn bei Kununu kann grundsätzlich jeder eine Frage einstellen oder eine Antwort posten. Sind es also wirklich Unternehmenskenner, die im Fragenbereich aktiv sind?

Wir erleben viel mehr, dass dort selbst Bewerber antworten, oder solche, die mit dem Gedanken spielen, eine Bewerbung vielleicht abzuschicken. Diese Personen sind sicher keine Unternehmenskenner, denn dies würde voraussetzen, über eine gewisse Erfahrung hinsichtlich des Unternehmens zu verfügen.

Diese Erfahrung, die einen zum “Unternehmenskenner” werden lässt, erwirbt man sicherlich nicht im Bewerbungsprozess oder durch das Einstellen und Beantworten von Fragen auf Kununu.

Hier hat sich Kununu unserer Ansicht nach also deutlich überhoben.

Ex-Mitarbeiter, Mitarbeiter, Leiharbeiter, Bewerber usw. – woher will Kununu das alles wissen?

Spannend ist außerdem, dass Kununu die geposteten Fragen und Antworten auch noch mit weiteren Bezeichnungen kenntlich macht. So steht beispielsweise hinter einer Frage “von einem Ex-Mitarbeiter”, oder “von einem Bewerber”.

Diese Hinzufügung stammt von Kununu selbst. Woher aber will Kununu wissen, welche Position der Fragensteller oder der Antwortende innehatte? Wir gehen davon aus, dass Kununu hier einfach den Angaben der Fragesteller und Antwortenden Glauben schenkt. Ein Unternehmen muss sich dies aber nicht bieten lassen und kann, falls die Angabe nicht stimmt, juristisch dagegen vorgehen.

Seltsam finden wir, dass bei einigen Fragen und antworten “von einem anonymen User” oder Ähnliches zu finden ist. Was soll dies bedeuten? Hat Kununu hier gar keine Angaben vom Fragesteller oder Antwortenden vorliegen?

Oder “deckt” Kununu die Antwort/Frage dergestalt, dass betroffene Unternehmen denken, juristisch aufgrund der Anonymität nichts unternehmen zu können?

Meine Hilfestellung für Sie!

Falls Sie mit dem Fragenbereich auf Kununu Probleme haben, können Sie mich gern ansprechen.

Ich schaue mir an, ob es juristische Ansatzpunkte für eine Löschung gibt und teile Ihnen eine kostenfreie Ersteinschätzung mit. Gern können Sie mir den Link zu Ihrem Profil per Mail zukommen lassen und ich melde mich schnellstmöglich bei Ihnen zurück.

 

 

Fachanwalt IT-Recht Thomas Feil

Wir sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig
2% unseres Gesamtumsatzes spenden wir an die Welthungerhilfe
 

Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

2 Kommentare zu “Der Fragenbereich auf kununu – Boden für negative Bewertungen, die man nicht so einfach löschen lassen kann?
  • 11. April 2018 um 17:15 Uhr
    Betina says:

    Guten Tag,

    finden im Fragenbereich die Richtlinien, die bei normalen Rezensionen gelten, auch Anwendung? Also ich frage mich, ob es irgendwelche Besonderheiten zu beachten gilt, wenn man diese Funktion nutzen möchte. Man hört ja immer wieder von Bewertungen, die gegen das Gesetz oder gegen die Richtlinien verstoßen und daher gelöscht werden müssen.

    • 13. April 2018 um 11:58 Uhr

      Guten Tag,

      unserer Ansicht nach ergibt sich für Fragen auf kununu nichts anderes wie für die Bewertungen. Was bei Bewertungen gelöscht werden kann, kann auch als Frage auf kununu gelöscht werden. Und leider können Fragesteller für rechtswidrige Inhalte genauso abgemahnt werden wie Rezensenten.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil
      Fachanwalt für IT-Recht

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