Kann man anonym eine Bewertung auf kununu abgeben?

Bei kununu handelt es sich um eine Online-Plattform für Arbeitgeberbewertungen, bei dem Arbeitnehmer anonym Bewertungen abgeben können. Kununu dient dabei als eine Art Informationsquelle für Arbeitnehmer, die sich auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz befinden. Um eine möglichst qualitative Bewertungen gewährleisten zu können, bestehen für Nutzer eine Reihe von Regeln, an die diese sich zu halten haben. Die Bewertungsmethode orientiert sich an der „European Foundation for Quality Management“ (EFQM) und ihrem europäischen Standard für die ganzheitliche Betrachtung von Organisationen. Dabei sollen sämtliche Interessengebiete abgedeckt werden, damit durch die Bewertungen ein ganzheitliches Bild des Arbeitgebers entstehen kann. Kununu soll Arbeitnehmern einen objektiven Blick auf ein Unternehmen ermöglichen. Denn ein Großteil der Darstellungen eines Arbeitsverhältnisses zumeist aus den eigenen PR-Abteilungen stammt, könne durch Plattformen wie kununu erstmals ein neutraler und objektiver Einblick gewährleistet werden. Damit Nutzer keine Angst haben müssen, sich durch Bewertungen auf kununu bei ihren Mitarbeitern oder Arbeitgebern unbeliebt zu machen, können diese die Bewertung anonym durchführen. Doch dies nehmen vor allem unzufriedenen Arbeitnehmer zum Anlass, negative Bewertungen zu verfassen, die sich mitunter an der Grenze zur Rechtswidrigkeit befinden.

Alle Bewertungen erscheinen nur unter Angabe eines Datums und lassen nicht erkennen, wer für die jeweilige Bewertung verantwortlich ist. Zwar müssen Nutzer sich auf kununu registrieren, also ihre Daten preisgeben, dies dient jedoch nur lediglich er Verhinderung von Manipulationen bzw. einer möglichen Zusendung eines Newsletters sowie dem Zugang zum Mitgliederbereich. Kununu selbst warnt allerdings davor, die Anonymität zu verwenden, um falsche oder beleidigende Inhalte zu verbreiten.

Grundsätzlich also können Nutzer auf die zugesagte Anonymität vertrauen, so lange diese sich an die Vorgaben von kununu halten. Denn anders sieht es aus, wenn ein Nutzer rechtswidrige Bewertungen bzw. Äußerungen tätigt. Dies ist jedoch nicht gerade selten der Fall bei einer Bewertungsplattform wie kununu, auf der sich regelmäßig enttäuschte Arbeitnehmer über ihre Arbeitgeber auslassen. Grundsätzlich kann ein anonymes Firmen-Bashing aber durchaus rechtliche Folgen nach sich ziehen. Nutzer, die in dem Glauben der Anonymität beleidigende Bewertungen verfassen, laufen Gefahr, dass die betroffenen Unternehmen juristisch gegen sie vorgehen. Denn die Grenze zwischen Schmähkritik, Rufschädigung, Beleidigung und sachlicher Meinungsäußerung ist fließend und wird nicht selten überschritten.

Stellt ein Unternehmen eine Strafanzeige gegen Unbekannt, kann es trotz der zugesicherten Anonymität dazu kommen, dass die Staatsanwaltschaft die Herausgabe der so genannten IP-Adressen bei dem Plattformbetreiber fordert. Zudem ist es für das Unternehmen, welches die Strafanzeige gestellt hat möglich, nach Abschluss der Ermittlungen eine Akteneinsicht zu verlangen. Auf diese Weise kann das Unternehmen an den Namen und die Daten des Verfassers gelangen, der für den rechtswidrigen Beitrag verantwortlich ist. Neben einer Strafverfolgung kann es auch zu Schadensersatzforderungen der betroffenen Unternehmen kommen.

Es lässt sich daher abschließend sagen, dass Bewertungen auf kununu.com zwar grundsätzlich anonym abgegeben werden können, die Anonymität jedoch kein Anlass für rechtswidrige Äußerungen darstellt. Denn Unternehmen haben durchaus die Möglichkeit gegen diese Art von Bewertungen vorzugehen und unter Umständen auch die Identität des Verfassers zu erfahren.

 

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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