Vorsicht bei der Werbe.Wert Verlagshaus GmbH

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Bereits seit einigen Jahren war der Verlag für Mediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG, der später als Verlag für Printmediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG bekannt wurde, unter der Leitung von Petra Schwickert als Geschäftsführerin im Gespräch.

Seit einiger Zeit ist der Name einer neuen Firma bekannt, die unter der gleichen Geschäftsführung am gleichen Standort zu finden ist. Der neue Name lautet Werbe.Wert Verlagshaus GmbH.

Die Firma versucht mittels Anrufen und Fax-Formularen Gewerbetreibende und Freiberufler zu einem Vertragsabschluss zu bewegen, der bezweckt, dass für eine Anzeige in einer „ Bürgerinformationsbroschüre“ Kosten von bis zu 8.600 Euro entstehen können.

Das Vorgehen – Betrug?

Betroffene schildern eine Vorgehensweise die der sogenannten „Kölner Masche“ ähnelt.

Unternehmen, Institutionen, Vereine und Freiberufler, die früher bereits regelmäßig in Publikationen von beispielsweise der Gemeindeverwaltung ihre Anzeigen geschaltet haben, erreicht ein Anruf. Den Betroffenen wird geschildert, es handele sich um die nächste Auflage der „Bürgerinformationsbroschüre“. Um erneut inserieren zu können, müsse schnellstens ein unterschriebenes Formular gefaxt werden.

Das Formular erhält man kurz danach per E-Mail. Dieses enthält unter anderem Formulierungen wie:

“[…] wir freuen uns über das Interesse an unserem Produkt. Anbei – wie soeben besprochen – die gewünschten Unterlagen für ihren Eintrag in unserer Bürgerinformationsbroschüre.

Im Interesse aller Inserenten unserer Broschüre bitten wir um Verständnis, dass wir die Unterlagen zeitnah – bitte mit Stempel und Unterschrift versehen – zurück benötigen.“

Des Weiteren enthält sie die bisher genutzte Anzeige des Kunden.

Es scheint, als wäre alles in Ordnung. Erst nach Abschicken des Faxes fällt vielen im Nachhinein auf, dass die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH über keine Verbindung zu den vorherigen Anzeigen verfügt.

Inhalte des Formulars

Je nach Anzeigengröße verpflichten sich die Betroffenen mit dem Unterschreiben des Vertrages zur Zahlung eines Betrages zwischen 350 Euro und 903,88 Euro. Diese Kosten werden viermal im Jahr fällig und der Vertrag hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Insgesamt kann der Vertrag somit Kosten von bis zu 8.604,93 brutto verursachen.

Die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH führt in ihrem Vertrag als Verwendungszweck der Zahlung das „Objekt: Bürgerinformationsbroschüre“ und als Verteilungsgebiet z. B. „Bayern u.a.“. Was sich genau dahinter verbirgt, ist unklar.

Angeblich wird die Broschüre je 1.500mal gedruckt und soll an mindestens 110 Verteilerstellen im angegebenen Gebiet weitergegeben werden.

Im Kleingedruckten des Vertrages lässt sich folgender Absatz finden:

„Die Bürgerinformationsbroschüre wird mit der Bitte um kostenlose Auflage durch Postversand verteilt. Es bestehen keine Vereinbarungen mit den Verteilerstellen über eine Verpflichtung, die Bürgerinformationsbroschüre auszulegen […] Der Verlag übernimmt keine Gewähr für die Dauer der Auslage.“

Schlussendlich kann so niemand garantieren, dass es zu einem Werbeerfolg kommt.

Generell ist zu bezweifeln, dass in so einem riesigen Verteilungsgebiet ortsgebundene Anzeigen den gewünschten Effekt erzielen.

Der Inhalt des Formulars umfasst außerdem die Formulierung:

„Behördenunabhängig – ohne öffentlichen Auftrag“.

Dass dies so explizit negiert wird, impliziert wohl, dass genau dieser Eindruck erweckt wurde und auch erweckt werden sollte.

Auffällig ist, dass das Formular der Werbe.Wert Verlagshaus GmbH beinahe identisch mit dem vorherigen Formular des Verlages für Mediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG alias Verlag für Printmediengestaltung UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG ist.

Internetauftritt und Eintragung 2018

Im Januar 2018 wurde die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH mit der alleinigen Geschäftsführerin Petra Schwickert als Neugründung im Handelsregister des Amtsgericht Koblenz (HRB 25989) aufgenommen.

Der Gegenstand des Unternehmens wird dort wie folgt beschrieben:

“[…] die Erstellung von Druckerzeugnissen und Werbemitteln, Bildbearbeitung/ Bildretuschen, Printdesign, Werbekonzeptionen, Medienberatung sowie die Werbung jeglicher Art, Erstellung und Verkauf von Illustrationen, Grafiken, Werbetexten, Werbeberatung.”

Die Homepage, werbewert.info, ist wenig aufschlussreich. Neben einigen Adress- und Kontaktdaten enthält sie nur die Auskunft über ihre Mitgliedschaft im Call Center Verband Deutschland e.V.

Was tun bei Forderungen der Werbe.Wert Gmbh?

Es empfiehlt sich in keinem Fall, sei es aus Scham oder um einfach seine Ruhe zu haben, den geforderten Betrag zu zahlen, denn so wird das Geschäft der Betrüger weitergefördert.

Des Weiteren enthält das Kleingedruckte die Angabe, dass sich der Vertrag um ein weiteres Jahr verlängert, wenn nicht spätestens drei Monate vor Vertragsablauf schriftlich gekündigt wird.

Solche Verträge sind juristisch angreifbar. Es empfiehlt sich, beim Erhalt der Rechnung der Werbe.Wert Verlagshaus GmbH oder bereits davor eine anwaltliche Beratung in Anspruch zu nehmen.

Schlechte Presse für die Firma

Wie die Berliner Kanzlei Radziwill auf ihrer Webseite ausführlich schildert (https://www.radziwill.info/de/abzocker-und-werbeverlage/Zweifelhafte-Masche-die-WerbeWert-Verlagshaus-GmbH-aus-Andernach-und-ihr-Werbeformular), kam es bereits zu mehreren negativen Nachrichten über die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH.

Anstatt wie zuvor zum in der Szene verbreiteten Mittel der Firmenneugründung zu greifen, veröffentlichte die Firma nun einen Eintrag, in der sich die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH direkt zu den Vorwürfen der Kanzlei, sowie den schlechten Bewertungen der Allgemeinheit bei Google etc. äußert und beteuert, noch nie einen Prozess gegen die Kanzlei verloren zu haben.

Die Gegenseite erklärt jedoch, dass dies nur dem Umstand geschuldet ist, dass es bislang nie zu einer Klage von Seiten der Firma kam.

Die Werbe.Wert Verlagshaus GmbH formuliert in ihrem Eintrag:

“Sollten Sie – aus welchen Gründen auch immer – das Vertragsverhältnis vorzeitig beenden wollen, sprechen Sie doch bitte einfach zunächst einmal mit unserem Serviceteam.

Wir garantieren Ihnen an dieser Stelle, eine gemeinsame und einvernehmliche Lösung mit Ihnen zu finden. Und das ist dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die wirtschaftlich ökonomischste Lösung.“

Unklar ist, was Betroffenen, die sich direkt an die Firma wenden, erzählt wird. Ähnliche Firmen stellten ihren Kunden in der Vergangenheit jedoch oft Fallen. Daher empfiehlt es sich definitiv auch hier einen Anwalt zu Rate zu ziehen.

Strafanzeige erstatten!

Kürzlich ließen sich im Internet mehr und mehr Warnungen von Kommunen vor der Werbe.Wert Verlagshaus GmbH finden.

Es ist empfehlenswert, als Betroffener, der unter Angabe falscher Tatsachen zu einem Vertragsabschluss bewegt wurde, Strafanzeige gegen die Firma zu erstatten. Auch wenn der Betrugsversuch noch vor Erteilen der Unterschrift enttarnt wurde, gilt dies.

Zuständigkeit hat die Staatsanwaltschaft Koblenz, Deinhardpassage 1, 66068 Koblenz. Ein Anwalt ist hierzu nicht notwendig. Es kann einfach um Mitteilung des Aktenzeichens gebeten werden.

Unabhängig davon ersetzt dies leider nicht die zivilrechtliche Abwehr. Wir beraten Betroffene, die auf die Täuschung hereingefallen sind, bundesweit und helfen Ihnen Forderungen der Werbe.Wert Verlagshaus GmbH abzuwehren.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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