Vertragsgestaltung bei agiler Programmierung

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Viele IT-Projekte scheitern, müssen abgebrochen werden oder laufen bei den Kosten völlig aus dem Ruder. Diese für Auftraggeber und Auftragnehmer IMG_1030missliche Situation versuchen zunehmend viele Unternehmen mit agilen Management-Methoden und agilen IT-Projekten entgegen zu wirken.

Im Februar 2001 wurden Werte für agile Softwareentwicklung definiert. In einem Manifest („Agile Manifesto“) wurde wie folgt formuliert:

„Wir zeigen bessere Wege auf, Software zu entwickeln, indem wir es selbst tun und anderen dabei helfen, es zu tun. Durch unsere Arbeit sind wir zu folgender Erkenntnis gekommen:  

  1. Menschen und Interaktionen sind wichtiger als Prozesse und Werkzeuge.
  2. Funktionierende Software ist wichtiger als umfassende Dokumentation.
  3. Zusammenarbeit mit dem Kunden ist wichtigerals die ursprünglich formulierte Leistungsbeschreibung.
  4. Eingehen auf Veränderungen ist wichtiger als Festhalten an einem Plan.  

Das heißt, obwohl die Punkte auf der rechten Seite durchaus wichtig sind, halten wir die Punkte links für wichtiger.“

Diese Formulierungen haben auch bei Juristen für viele Missverständnisse gesorgt.

Es geht bei agiler Programmierung nicht darum, ohne Plan, Organisation und ohne zu arbeiten. Es braucht durchaus klar definierte Rahmenbedingungen, um Kreativität zu ermöglichen. Auch brauch es eine Dokumentation, um beispielsweise Programmierarbeiten fortführen zu können. Allerdings ist die Dokumentation nicht das Produkt und darf nicht entsprechend behandelt werden.

Auch in der Zusammenarbeit mit dem Kunden sind Verträge wichtig. Es muss vereinbart werden, wie die Zusammenarbeit im Einzelnen funktioniert. Allerdings sollte auch im Vertrag ein kooperativer Ansatz gepflegt werden. Wichtig ist nicht der Vertrag, Vertragsstrafen oder Schadensersatzansprüche, sondern das am Ende der Auftraggeber die Software geliefert bekommt, die er benötigt. Auch sind nicht die einzelnen Zwischenschritte und Milestones von Bedeutung, sondern allein das Ergebnis zählt.

Unter diesen Prämissen kann nicht mit den klassischen IT-Verträgen gearbeitet werden. Beispielsweise der EVB IT-Systemvertrag oder der EVB-IT Systemlieferungsvertrag sind keine geeignete Grundlage für vertragliche Vereinbarung zur agilen Programmierung. Auch Juristen müssen sich bei der Vertragsgestaltung von vielen klassischen Denkweisen befreien, um in der Vertragsgestaltung keinen Kontrapunkt zu den Prinzipien und Werten der agilen Softwareentwicklung zu setzen.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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