Vertrag Agile Softwareentwicklung

Die (hier Wikipedia-Link), beispielsweise auf Basis des Vorgehensmodells „Scrum“ fordert vertragsrechtlich eine Abkehr vom bei Softwareprogrammierungen häufig anzutreffenden Werkvertragsmodell.

Welche Vertragsart ist einschlägig?

Klassischerweise werden Softwareentwicklungen auf Basis eines BGB-Werkvertrages vereinbart. Der Auftragnehmer und Anbieter verspricht den Erfolg in Form eines funktionierenden EDV-Programmes, der Auftraggeber ist zur Zahlung des Werklohns verpflichtet. Wichtiger Bestandteil solcher vertraglichen Konstellationen ist dabei ein Lasten- oder Pflichtenheft beziehungsweise eine möglichst genaue Leistungsbeschreibung. Neben den Dokumentationspflichten wird seitens der Auftraggeber vielfach eine Qualitätssicherung gefordert.

Agile Softwareentwicklung geht dabei von anderen Modellen aus. Zu Beginn eines Projektes wird ein Katalog von bekannten oder am besten verstandenen Anforderungen aufgestellt. Welche Anforderungen die höchste Priorität haben, wird dann von den Beteiligten festgelegt. Kriterien können beispielsweise der wirtschaftliche Nutzen, das Risiko oder die Notwendigkeit sein. Dieser Katalog von Anforderungen wird nach „Scrum Product Backlog“ benannt. Im sogenannten „Sprint Backlog“ wird dann eine Übersicht von zu erledigenden Aufgaben gestellt, die in einen bestimmten Sprint anzusetzen sind. Weitere Informationen:

http://www.it-agile.de/wasistagilesoftwareentwicklung.html

http://www.heise.de/developer/artikel/Agile-Software-Entwicklung-braucht-auch-ein-agiles-Projektmanagement-1598135.html

Vertragliche Gestaltung für die Agile Softwareentwicklung

Aus Sicht eines Auftragnehmers kann eine Agile Softwareentwicklung nur auf Basis eines BGB-Dienstvertrages erfolgen. In der Planungsphase können nur die Anforderungen definiert werden, exakte Beschreibungen von Leistungsanforderungen oder gar ein Lasten- oder Pflichtenheft werden nicht erstellt. Gegebenenfalls können Teilprojekte auf Werkvertragsbasis beauftragt werden. Wichtig ist dabei, dass sich die Vertragsparteien über eine genaue Definition des Erfolges einigen.

Aus Auftragnehmersicht sollte neben der klaren Positionierung des Vertrages für Agile Softwareentwicklung im Bereich des BGB-Dienstvertragsrechts darauf geachtet werden, dass ausdrücklich ein Verzicht auf eine Dokumentation und die Qualitätssicherung erfolgt. Dies ist erforderlich, da die Rechtsprechung bisher bei Softwareentwicklung als Grundanforderung eine Erstellung einer Dokumentation und die Verpflichtung zur Qualitätssicherung geschrieben hat.

Was ist noch zu wissen?

Wichtig ist des Weiteren, dass die Parteien vertraglich vereinbaren, wer das Projekt in Hinsicht auf den Verlauf und das Ergebnis verantwortet. Auch die Mitwirkungsleistungen sollten möglichst genau beschrieben werden. In einem Zeit- und Aktionenplan werden dann die Änderungen bei Funktionsumfang und Budget des Agilen Softwareprojektes festgehalten.

Auch für Vertragsjuristen oder IT-Vertragsjuristen ist die Agile Softwareentwicklung eine besondere Herausforderung. Es ist wichtig, sich auf das jeweilige konkrete Projekt einzulassen und nicht in klassischen werkvertraglichen Dimensionen zu verharren.

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Rechtsanwalt Thomas Feil

 
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