Schadensersatzpflicht eines Webhosters für fehlendes Backup einer Website

Vor dem Landgericht Duisburg wurde kürzlich über die Schadensersatzklage eines Homepageinhabers gegen einen Webhoster verhandelt.

Verfahren vor dem Landgericht Duisburg (az. 22 O 102/12)

Der Kläger hatte die Erstellung und das Hosting seiner Website bei dem beklagten Webhoster in Auftrag gegeben. Neben einer einmaligen Erstellungsgebühr von 5.068,04 €, wurde ein monatliches Entgelt von 24 Euro für die Dienste des Beklagten vereinbart. Der Beklagte beauftragte seinerseits eine dritte Firma mit dem Hosting. Im Juni 2012 kam es bei dieser Firma zu einem Server-Crash, bei welchem die Homepage der Klägerin komplett zerstört wurde. Weder die Klägerin, noch die Beklagte, noch das von der Beklagten beauftragte Unternehmen hatten Backups der Website gemacht, sodass ein Wiederherstellen der Homepage nicht möglich war. Dies wurde der Klägerin jedoch erst nach etwa vier Monaten mit abschließender Sicherheit mitgeteilt. In der Zwischenzeit hatte die Klägerin die Homepage, welche einerseits Werbezwecken diente, über welche andererseits aber auch die Geschäfte mit bestehenden Kunden abgewickelt wurden, nicht nutzen können. Sie klagte daher einerseits auf Erstattung der Kosten für die Erstellung einer neuen Website von rund 5.500,00 Euro, andererseits auf Schadensersatz wegen des Nutzungsausfalls von 3.000,00 Euro.

Pflicht zur Datensicherung des Webhosters aus einem Host-Provider-Vertrag

Das Landgericht Duisburg gab der Klage teilweise statt. Es sprach dem Kläger bezüglich des Schadensersatzanspruches für die Erstellung einer neuen Website Recht zu. Es sei dem Beklagten zuzurechnen, dass die Website nicht (problemlos) wiederhergestellt werden konnte. Backups und Sicherheitskopien seien Nebenpflichten aus dem geschossenen Host-Provider-Vertrag. Mit Abschluss eines Vertrages hat nämlich der Schuldner hinsichtlich des Schuldgegenstandes eine Erhaltungs- und Obhutspflicht. Diese sei bei der völligen Zerstörung der Sache (der Homepage) und einer Unmöglichkeit der Wiederherstellung erheblich verletzt. Eine solche Datensicherungspflicht müsse auch nicht ausdrücklich vertraglich vereinbart worden sein, sondern sei vielmehr als Nebenpflicht in den Host-Provider-Vertrag mit einbezogen.

Beschränkung der Ersatzpflicht nach Alter der Website

Der bestehende Schadensersatzanspruch konnte jedoch nicht in der vom Kläger geforderten Höhe durchgesetzt werden. Während die Klägerseite davon ausging, dass die Homepagepage bei Ausbleiben des Server-Crashes noch auf unabsehbare Zeit hätte weiter genutzt werden können, ging das Gericht von einer durchschnittlichen Nutzungsdauer einer Website von 8 Jahren aus. Da die Homepage bereits 6 Jahre in Betrieb war, wurde der tatsächliche Schaden, und somit auch der Anspruch auf Schadensersatz daher auf 1.267,01 € beschränkt.

Eine Nutzungsausfallentschädigung wurde der Klägerin hingegen verwehrt. Aufgrund eines zu allgemein gehaltenen Vortrages der Klägerseite und einem daher nicht ausreichend konkret messbaren Nutzungsausfall wurde ihr diesbezüglich kein Schadensersatz zugesprochen.

Fazit

Es lässt sich also festhalten, dass ein Host Provider eine Pflicht zur Datensicherung der über ihn gehosteten Websites hat, sodass eine Wiederherstellung der Daten stets möglich sein muss. Diese Pflicht muss auch nicht ausdrücklich im Vertrag niedergeschrieben sein, sondern ergibt sich als Nebenpflicht aus dem Schuldverhältnis.

 
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 5 Bewertung(en), durchschnittlich: 5,00 von 5
Loading...

Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

*
*