IT-Projekte rechtlich absichern – Projektplan – Planungsziel – Planungsschritte

Die Definition und Festlegung eines Zieles ist die wichtigste Vorarbeit für die erfolgreiche Durchführung eines IT-Projektes. Auch während des Projektverlaufes sollte diese Basis immer wieder überprüft und ergänzt werden.

Die Praxis zeigt, dass eine erfolgreiche Projektrealisierung häufig auch an der fehlerhaften Vorbereitung scheitert. Verträge werden geschlossen, ohne dass die Leistungsbeschreibung detailliert erarbeitet ist oder beide Vertragspartner hoffen, dass man sich im Projektverlauf schon einigen werde. Eine Hoffnung, die nicht immer erfüllt wird und dann zu betrieblichen Nachteilen führt.

Rechtliche Absicherung von Projektplänen

Als Auftraggeber möchte man vermeiden, dass neben den vielfältigen Anforderungen des Projektes Diskussionen und Verhandlungen mit verschiedenen Auftragnehmern Kräfte und Arbeitszeit binden. Die Neigung, Planung und Realisierung einem Auftraggeber zu überlassen, ist daher groß. Dabei sollte vermieden werden, dass Planungs- und Realisierungsphase nahtlos und ohne Unterbrechung ineinander übergehen. Ein solcher nahtloser Übergang ist vielleicht bei Entwicklungs- und Forschungsprojekten angezeigt, bei IT-Projekten, die in die Betriebsabläufe eingreifen und diese zumeist erheblich verändern, ist dies der falsche Weg.

Ziel und Abschluss der Planungsphase ist die Erstellung einer Leistungsbeschreibung, die detailliert die Anforderungen des Auftraggebers beschreibt und festhält. Pflichtenheft oder Lastenheft sind andere Begriffe für dieses Dokument. Unabhängig von der Begrifflichkeit ist wichtig, dass Anforderungen und Eigenschaften des Zielsystems festgelegt werden. Die Leistungsbeschreibung ist Maßstab der nachfolgenden Arbeiten des Auftragnehmers und wichtiger Bestandteil des Vertrages, der Grundlage der Realisierungsphase ist. Diese deutliche Trennung zwischen Planungs- und Realisierungsphase ist ein bewusstes Innehalten im Laufe des Projektes und ermöglicht allen Projektbeteiligten, die bisherigen Arbeitsergebnisse mit einer Draufsicht noch einmal kritisch zu überprüfen.

Die Komplexität der IT-Projekte und damit auch die Anforderungen an die Planungstiefe sind sehr unterschiedlich. Die nachfolgend vorgestellten sind ein Vorschlag für eine Planungsphase und bieten eine Orientierung (vgl. auch ausführlich das Kapitel 5 dieses Handbuches, das sich mit den Planungsinstrumenten im IT-Projektmana­gement befasst).

Folgende Planungsschritte empfehlen sich in der Praxis:

·         Projektvorlauf

·         Projektinitialisierung

·         Ist-Analyse und Anwenderforderungen

·         Erstellung eines Grobkonzeptes

·         Erstellung einer Leistungsbeschreibung

Die Planung eines IT-Projektes muss vor allem dann vertraglich geregelt werden, wenn externe Mitarbeit erforderlich ist. Je umfangreicher ein , je größer die wirtschaftlichen Auswirkungen und je risikobehafteter ein ist, desto wichtiger ist eine qualifizierte juristische Beratung und Begleitung des Projektes. In der Praxis hat sich dabei der Abschluss einer Stundenhonorarvereinbarung bewährt. Auch der Abschluss eines Pauschalhonorars ist möglich. Achten Sie darauf, dass der jeweilige Berater Erfahrungen in der Begleitung von IT-Projekten hat.

Wichtigster Bestandteil eines Vertrages über die Erbringung von Planungsleistungen für IT-Projekte ist die Leistungsbeschreibung. Die Leistungsbeschreibung ist Grundlage für die Beurteilung der Frage, ob vom Auftragnehmer mangelhafte Planungsleistungen erbracht wurden. Juristen schauen bei der Bewertung von vertraglichen Krisensituationen zu­nächst in den Vertragstext. Es wird dann abgeglichen, ob die vom Auftragnehmer erbrachte Leistung (Ist-Zustand) von den vertraglichen Vereinbarungen (Soll-Zustand) abweicht. Nur bei einer nachweisbaren Abweichung liegt ein Mangel vor, der zu weitergehenden Rechten des Auftraggebers führt. Ohne entsprechende vertragliche Dokumentation wird der Nachweis des Soll-Zustandes schwierig und führt häufig zu erheblichen Schwierigkeiten auf Seiten des Auftraggebers, seine Rechte durchzusetzen.

Weitere wichtige Vertragsregelungen betreffen die Frage, wie die vom Auftragnehmer zu liefernden Ergebnisse im Einzelnen aussehen sollen und welche Qualifikation das eingesetzte Personal haben soll. Geregelt werden müssen Einzelheiten zur Gewährleistung, zur Haftung und zur Vergütung. Notwendig sind häufig auch Vertragsbestimmungen zum „Change Request“, sprich zur Änderung der Leistungsanforderung an den Auftragnehmer. Je nach Umfang der Planung ist es sinnvoll, Eskalationsstufen bei Konflikten festzulegen und ein Schiedsverfahren zu vereinbaren.

Wichtige rechtliche Regelungen skizziert die folgende Aufzählung:

·    Detaillierte Leistungsbeschreibung,

·    Qualität der Planungsergebnisse,

·    Qualifikation der Mitarbeiter des Auftragnehmers,

·    Mitwirkungsleistungen des Auftraggebers,

·    Verbindlicher Terminplan,

·    Gewährleistung,

·    Haftung,

·    Vergütung, u.a. Abschlags- oder Vorauszahlungen,

·    Abnahmeverfahren,

·    Change Request (Änderung der Planungsleistung),

·    Schiedsverfahren,

·    Einsatz von Subunternehmern,

·    Vertragsstrafe,

·    Folgen bei Verzug.

 
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 1 Bewertung(en), durchschnittlich: 5,00 von 5
Loading...

Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

*
*

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen