Das Deep Web – Gefahren der Anonymität

Im Rahmen der Edathy-Affäre sowie in verschiedenen weiteren Ermittlungen gegen Kinderpornographie durch die Bundespolizei fallen des Öfteren Begriffe wie „Dark Net“ oder „Deep Web“. In diesen finsteren Bereichen der Internet-Umwelten, die vielfach synonym für verbrecherische Aktivitäten im Internet gebraucht werden, stehen in der individuellen Wahrnehmung oftmals in unmittelbarer Verbindung mit der so genannten „Silk Road“. Dabei sind im „Deep Web“ auch ganz andere Akteure anzutreffen.

Aber was ist denn nun das Deep Web eigentlich ganz genau? Um diesen Teil des Webs verständlich darzustellen, muss man sich bewusst machen, wie das Internet tatsächlich aufgebaut ist. Dazu wird vielfach der Vergleich zum Ozean oder dem Meer an sich angebracht. Das Meer kann man grob in den oberflächlichen Bereich, in dem das Licht noch alles hell und sichtbar erscheinen lässt, und den wirklich tiefen und dunklen Teil, in dem nichts mehr zu erkennen ist.

Ähnliches ist es auch mit dem Internet. Wir haben zum einen das so genannte Surface Web. In diesem werden Webseiten zusammenhängend vernetzt. Daraus resultiert der Name World Wide Web. In diesem sind also vernetzte Webseiten aufzufinden, welche ein Charakteristikum teilen: Sie sind in Suchmaschinen indexiert. Das bedeutet, dass sie durch die Indexprogramme der Suchmaschinenanbieter gelistet und auf der Suchseite angezeigt werden können.

Das Deep Web, welchem der Tiefsee gleichen dürfte, ist anders gestaltet. Die dort verorteten Webseiten sind nicht indexiert und somit in Suchmaschinen nicht auffindbar. Hinzu kommt, dass dieser Bereich nur über gewisse Anonymisierungstechniken erreichbar ist. Die wohl bekanntesten Zugänge sind die .onion-Webseiten im Tor-Netzwerk. Allerdings kann man auch einfach auf angepasste Browser zugreifen, welche – vollkommen legal – durch die Umleitungen über zahlreiche Verbindungsknoten sowie ständig wechselnde Routen und mehrfache Verschlüsselungen dabei die Identität des Nutzers des Browsers verschlüsseln.

Bis vor Kurzem ist man dabei noch davon ausgegangen, dass diese Verschlüsselung zur absoluten Anonymität im Deep Web führt. Diese Annahme konnte das FBI vor kurzem durch verschiedene Entschlüsselungserfolge widerlegen. Sie waren in der Lage in einem Schlag gegen Kinderpornographie-Ringe einzelne Identitäten aufzudecken. Allerdings waren dazu sehr frequentierte Nutzungsintervalle durch die aufgedeckten Täter innerhalb des Tor-Netzwerkes notwendig.

Genau diese Schwierigkeiten bei der Aufdeckung von Identitäten führt aber zur Janusköpfigkeit des Deep Webs. Einerseits kann in diesem nach Studien bis zu vierzig mal größeren Teil des Internets für vollkommen legitime, aber notwendigerweise an ein geschlossenes und individuelles Publikum gerichtete Zwecke verwandt werden. Hierbei sind unter anderem NASA oder aber auch Geheimdienste zu nennen.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch die tatsächlich düstere Seite des Deep Web. Früher musste hier die besagte Silk Road angesprochen werden. Aber auch die Nachfolger der „klassischen“ Silk Road bieten vielfach äußerst illegale Tätigkeiten, Dienstleistung und Waren. So findet man hier die Möglichkeit, Auftragskiller anzuheuern, Drogen, Kontodaten und ähnliches zu kaufen. Auch der Menschenhandel und viele andere verwerfliche sowie auf moralisch niedrigster Stufe stehende Straftaten können hier verwirklicht werden.
Letztlich stellt sich also eine ganz ernüchternde Frage: Braucht der Mensch die De-Anonymisierung, um sich in moralisch aufrichtigen und rechtlich zulässigen Bahnen zu bewegen?

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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