Unbekannte Abbuchung vom Konto?

Falls Ihnen einmalig oder bereits mehrfach eine unbekannte Abbuchung auf Ihrem Konto aufgefallen ist, sollten Sie hellhörig werden und gegebenenfalls einige Maßnahmen veranlassen. In letzter Zeit wird unsere Kanzlei immer häufiger von Menschen kontaktiert, die unbekannte Abbuchungen auf ihren Konten feststellen und sich fragen, ob alles rechtens ist oder nicht. Unserer Erfahrung nach ist eine solche “fehlerhafte” und unberechtigten Abbuchung meist kein “Fehler”, sondern ein Betrugsversuch. Wir zeigen auf, welche Fallkonstellationen uns bekannt geworden sind, wie darauf zu reagieren ist und wann ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden sollte.

Unberechtigte Abbuchung auf Girokonto, Kreditkarte und Co.

Von dieser Art des Internetbetrugs sind grundsätzlich alle Online- und Offlinemöglichkeiten des Geldtransfers betroffen. Insbesondere häufen sich die Fälle, die eine unbekannte Abbuchung auf einem Girokonto zum Gegenstand haben, aber auch Kreditkarten oder Onlinezahldienste rücken in den Fokus. Dabei läuft der Vorgang meist so ab: Der Betroffene bemerkt mehr oder weniger durch Zufall, dass eine Abbuchung vom Konto stattgefunden hat, ohne dass diese gedanklich einwandfrei zugeordnet werden kann. Bei kleineren Beträgen fragen sich einige Menschen nicht einmal, was das soll, und vergessen die Angelegenheit. Genau diese Nachlässigkeit nutzen Betrüger aber aus. Denn wer von tausenden Kontos selbst Kleinstbeträge unberechtigt abbucht, kann sich eine große Summe an “geklautem Geld” beisammen schaffen. Insbesondere kann es sein, dass die Abbuchungen Firmen ausweisen, die seriös wirken, oder echten Firmen vom Namen her nachempfunden sind oder sonst wie eine Korrelation dazu aufweisen (beispielsweise Verwendungszweck “Amazon” oder “eBay”).

Größere unberechtigte Abbuchungen vom Konto kommen seltener vor, sind aber dennoch oft Gegenstand von Anfragen, die unsere Kanzlei erreichen. Hier muss zwischen Phishing und unbekannter Abbuchung unterschieden werden. Beim Phishing wird das Opfer im Grunde gehackt, d.h. die Zugangsdaten zum Onlinebanking werden abgefangen und eingesetzt, um Überweisungen zu tätigen. Bei unberechtigten Abbuchungen vom Konto ist dem Täter meist nur die Kontoverbindung des Opfers bekannt und er nutzt diese, um unauffällige “fehlerhafte” Abbuchungen vorzunehmen.

Neben den unbekannten Abbuchungen vom Konto gibt es auch ungerechtfertigte, aber bekannte Abbuchungen. Dies ist dann der Fall, wenn Ihnen der Abbuchende zwar bekannt ist, die Abbuchung selbst aber keine Grundlage im Sinne eines rechtlichen Anspruchs vorweisen kann. Hierbei handelt es sich in den allermeisten Fällen aber nicht um einen Betrugsversuch im klassischen Sinne, sondern um rechtliche Streitigkeiten – diese sollte man lösen, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme eines Rechtsanwalts.

Erste Schritte, nachdem man Kenntnis gewonnen hat

Stellt man auf dem eigenen Girokonto, Konto oder der Kreditkarte solche unbekannten Abbuchungen fest, sollte schnell gehandelt werden. Es kann nämlich sein, dass Ihr Konto bereits Ziel einer größeren “Kampagne” ist und demnächst weitere solcher Abbuchungsversuche stattfinden werden. Auch ist nicht klar, woher die Täter Ihre Daten überhaupt haben, sodass damit gerechnet werden muss, dass Ihre Daten auch in sonstiger Weise missbraucht werden könnten (Stichwort Identitätsdiebstahl).

Zunächst einmal sollte das kontoführende Institut eingeweiht und befragt werden. Melden Sie den Vorfall umgehend Ihrem Bankberater oder demjenigen, der in dieser Angelegenheit für Sie zuständig ist. Fragen Sie nach, woher die unbekannte Abbuchung kommt und erörtern Sie Möglichkeiten, der Abbuchung sofort zu widersprechen. In den gängigen Girokonten ist online eine Möglichkeit des Widerspruchs per einfachem Klick gegeben, sodass Sie der Abbuchung sofort widersprechen können. Dies führt im Regelfall dazu, dass das Geld zurückerstattet wird, allerdings nur innerhalb der dafür vorgesehenen Frist. Diese ist im Regelfall kurz, es gibt also Fälle, in denen es zu spät ist, der unberechtigten Abbuchung im Konto über diese Art und Weise zu widersprechen.

Sollte Ihr kontoführendes Institut die Angelegenheit nicht aufklären können, ist wohl ein Fall einer tatsächlich unbekannten Abbuchung im Sinne eines Betrugsversuchs gegeben. Nun gilt es, gemeinsam mit dem Institut Maßnahmen zum Schutz Ihres Kontos vorzunehmen. Hier wird Sie Ihr Berater in alle gängigen Schritte einweihen und Ihnen helfen, die Transfers, welche über Ihr Konto laufen, besser im Blick zu behalten. Einige Verbindungen können gesperrt werden, sodass zumindest der Täter nicht von ein und demselben Konto immer und immer wieder unberechtigte Abbuchungen bei Ihnen vornehmen kann. Gleichzeitig sollten Sie Ihre Zugangsdaten zum Onlinebanking von einem sicheren Endgerät aus ändern und sicherstellen, dass diese nicht missbraucht werden. Eventuell kommt auch ein “Umzug” auf ein anderes Girokonto / andere Kreditkarte in Frage, dann unter einer neuen Kontoverbindung. Hier gibt es viele Möglichkeiten und die kontoführenden Institute sind sehr daran interessiert, Betroffenen in einer solchen Situation zu helfen.

Rechtslage einer unberechtigten Abbuchung

Rechtlich gesehen sind Sie in keiner schlechten Position, tatsächlich gesehen mitunter aber schon. Rechtlich hat der Täter keinen Anspruch auf die Abbuchung, insofern ist sie rechtswidrig und im Grunde könnten Sie den Täter jederzeit auf Schadensersatz in Anspruch nehmen. Allerdings sind die Täter in der Praxis nicht immer auffindbar, sodass dieser Weg oft ins Leere geht. Andererseits gibt es sehr wohl Fälle, in denen die Täter ermittelbar waren und dadurch haftbar gemacht werden konnten. In jedem Fall sollte eine Strafanzeige erfolgen, damit Ermittlungen beginnen.

Ein Rechtsanwalt, der auf das Themengebiet Internetbetrug und Onlinebankingbetrug spezialisiert ist, kann Ihnen grundsätzlich dabei helfen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen und fehlerhafte Abbuchungen von Ihrem Konto für die Zukunft im Rahmen des Möglichen zu verhindern. Gleichzeitig kann es unter Umständen dazu kommen, dass auf Ihr kontoführendes Institut mitunter Druck ausgeübt werden muss, damit gewisse Dinge geschehen, insbesondere bei größeren Geldsummen sollte keine wertvolle Zeit verschwendet werden. Es gibt vertragsrechtliche Verpflichtungen des kontoführenden Instituts, die eigenen Kunden zu schützen – kommt das Institut diesen Pflichten nicht nach, kann auch eine Haftung diesbezüglich einschlägig sein.

Bei unberechtigten Abbuchungen, die nicht notwendigerweise unbekannt sein müssen, kann ein Rechtsanwalt eine große Hilfe sein. Beispielsweise gibt es Fälle, in denen Sie unberechtigerweise von einem Geschäftspartner oder einem “Gegner” eine Abbuchung erreicht, die keinerlei Rechtfertigung vorweist. Dann sollten zivilrechtliche und gegebenenfalls sogar strafrechtliche Schritte eingeleitet werden, damit Ihr Konto auf Dauer vor “fremdem Zugriff” geschützt ist.

 

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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