Betrug bei Amazon

Auf der Internetplattform Amazon bietet nicht nur der Internetriese seine eigenen Waren an, sondern gibt auch anderen Gewerbetreibenden und Privatleuten auf dem sogenannten Marketplace die Möglichkeit, Waren anzubieten. Hier fangen die Probleme an. Immer wieder wird über neue Betrugsmaschen auf dem Amazon-Marketplace berichtet (Stichwort Amazon Betrug). Gerade jetzt zur Weihnachtszeit haben Verkaufsplattformen wie Amazon wieder Hochkonjunktur. Und das ist auch die beste Zeit für Betrüger, in kurzer Zeit viel Geld zu ergaunern.

Opfer des Betrugs werden aber nicht nur ausschließlich die Käufer. Immer öfter hacken die Betrüger auch Shops von Verkäufern. Hierbei stellen die Betrüger auf Shops, welche sehr gute Bewertungen haben, ihre eigenen Angebote ein. Diese haben oftmals gar nichts mit dem eigentlichen Shop zu tun.

So wurde vor kurzer Zeit ein Fotofachgeschäft Opfer der Betrugsmasche. Hier schafften es die Betrüger insgesamt 61.000 Artikel zum Kauf anzubieten, die nichts mit Fotografie zu tun hatten. Die Käufer riefen dann nach einigen Wochen aufgebracht bei dem Shop-Betreiber an, welcher erst da von dem Betrug erfuhr. Amazon sperrte nach dem Hinweis auf den Betrug allerdings erst recht spät den Shop. Wenn auch der Shop-Betreiber nicht in Anspruch genommen werden kann, da er nicht der Verkäufer der Ware war und die Kaufsummen erhalten hat, hat der Betrug ebenfalls erhebliche Auswirkungen für ihn. Vor dem Betrug hatte der Shop eine positive Bewertung von knapp 100%. Diese positive Bewertung hat durch den Betrug massiv gelitten, was nunmehr auch wirtschaftliche Auswirkungen auf den wahren Shop-Betreiber hat.

Wie läuft der Betrug bei Amazon ab?

Die Betrüger gehen unterschiedlich vor. Eine Betrugsmasche läuft wie folgt ab:

Der Kunde bestellt die Ware über die Amazon-Plattform beim Verkäufer. Dieser hat selbstverständlich nur die besten Bewertungen, welche allerdings ebenfalls gefälscht sind. Plötzlich erhält der Käufer die Nachricht, dass die Bestellung storniert wurde. Da das Angebot in den meisten Fällen so attraktiv gestaltet war, dass der Käufer unbedingt den Kauf abschließen möchte, wendet sich der Kunde daher direkt an den Verkäufer. Und das ist das Ziel der Betrüger. Meldet sich der Kunde direkt bei dem Verkäufer, teilt dieser mit, dass mit der Bestellung alles in Ordnung sei und das Problem mit Amazon gelöst sei. Der Kunde erhalte demnächst eine Bestellbestätigung von Amazon.

Diese Bestellbestätigung erhält der Kunde dann auch alsbald nach dem Kontakt mit dem Verkäufer. Allerdings handelt es sich hierbei um eine gefälschte Bestätigung. Die Betrüger fälschen die Bestätigung so gut, dass dies auf den ersten Blick meist nicht auffällt. In der Bestellbestätigung wird der Kunde nunmehr angewiesen, den Kaufbetrag auf ein angeblich offizielles Amazon Kundenkonto zu überweisen. Der Kunde ist froh, dass er das vermeintliche Super-Schnäppchen noch ergattern konnte und überweist den Betrag. Bei dem vermeintlichen offiziellen Amazon-Kundenkonto handelt es sich allerdings um ein Konto im Ausland.

Schützen können Sie sich vor diesem Betrug recht einfach. Wenn der Kauf wirklich über Amazon abgewickelt wird, müssen Sie niemals den Kaufbetrag selbst überweisen. Amazon tritt für Sie in Vorleistung gegenüber dem Verkäufer und bucht dann den entsprechenden Betrag selbst von Ihrem hinterlegten Bankkonto ab.

Bei einer anderen Masche schaffen es die Betrüger, ihre nicht vorhandenen Waren über einen anderen seriösen Shop auf dem Amazon-Marketplace einzustellen. So nutzen sie die guten Bewertungen dieser seriösen Shops, mit denen sie die Käufer in Sicherheit wiegen. Tritt der Käufer mit dem vermeintlich seriösen Shop-Betreiber in Kontakt, wird er durch den eigentlichen Betrüger auf eine andere Seite geleitet oder dazu gebracht, das Geld auf ein ausländisches Konto zu überweisen. Kommt der Käufer dem nach, ist das Geld meistens unwiederbringlich weg, da die Täter im Ausland sitzen.

Was ist Betrug eigentlich?

Das, was der juristische Laie oft als Betrug empfindet, ist meist nicht der Betrug, welcher in § 263 StGB mit Strafe bedroht ist.

Für den strafbaren Betrug täuscht der Täter über Tatsachen, um bei dem Opfer einen Irrtum zu erregen. Durch diesen Irrtum verfügt das Opfer dann über sein Vermögen. Die Vermögensverfügung muss dann letztendlich zu einem Vermögensschaden führen. Zudem muss der Täter vorsätzlich und mit einer sogenannten Bereicherungsabsicht gehandelt haben.

Bietet der vermeintliche Verkäufer somit eine Ware an, die er nicht besitzt oder von Anfang an nicht verkaufen möchte, täuscht er über die Existenz der Ware oder über seine Verkaufsabsicht. Durch die angebotene Ware denkt das Opfer, die Ware existiert und der vermeintliche Verkäufer will diese verkaufen. Das Opfer erliegt daher einer Fehlvorstellung aufgrund der Täuschung. Durch die Überweisung nimmt das Opfer eine Vermögensverfügung vor, welche sich unmittelbar vermögensmindern auswirkt. Dadurch, dass das Opfer die gekaufte Ware nicht erhält, erhält es keine Gegenleistung für die Vermögensminderung; ihm entsteht daher ein Vermögensschaden. In der Regel hat der Betrüger auch vorsätzlich und mit Bereicherungsabsicht gehandelt.

Bei Betrügern, die die oben genannten Betrugsmaschen anwenden, wird in der Regel auch der Tatbestand der Gewerbsmäßigkeit erfüllt sein. Die strafrechtliche Strafe ist somit höher, als bei einem „einfachen“ Betrug.

Allerdings ist nicht alles, was der juristische Laie als Betrug empfindet, auch eine rechtlich belangbare Tat.

Eine strafrechtliche Verfolgung bedeutet zudem nicht automatisch, dass Sie auch Ihr Geld zurück erhalten. Der zivilrechtliche Anspruch muss gesondert verfolgt und geltend gemacht werden.

Zivilrechtliche Möglichkeiten bei Problemen mit oder durch Amazon

Zunächst muss unterschieden werden, ob Sie direkt mit Amazon oder einem Direktanbieter einen Kaufvertrag geschlossen haben. Sollten Sie ihre Ware bei einem Drittanbieter über den Amazon-Marketplace gekauft haben, dann haben Sie einen Kaufvertrag mit diesem abgeschlossen und nicht über Amazon. Auch, wenn Sie die Bezahlung über Amazon haben laufen lassen. Gleiches gilt bei Käufen auf Seiten von Drittanbieter, auch wenn hier die Bezahlung über Amazon-Payments lief. Ihr Vertragspartner aus dem Kauf ist der Drittanbieter und nicht Amazon.

Diese Unterscheidung ist wichtig, da Ihre Ansprüche nur gegenüber der richtigen Vertragsseite geltend gemacht werden können.

Haben Sie einen Kaufvertrag abgeschlossen, ist der Verkäufer gemäß § 433 Abs.1 Satz 1 BGB zur Übereignung und Übergabe der gekauften Ware verpflichtet. Der Käufer ist gemäß § 433 Abs.2 BGB dazu verpflichtet, den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen.

Haben Sie den vereinbarten Kaufpreis überwiesen und liefert der Verkäufer die gekaufte Ware nicht, verstößt er gegen seine Vertragspflichten. Der Käufer hat daher einen Anspruch gegen den Verkäufer auf Übereignung der Ware oder kann unter bestimmten Voraussetzungen vom Vertrag zurücktreten. Diese Ansprüche können notfalls mit gerichtlicher Hilfe durchgesetzt werden. Allerdings muss bei jedem Einzelfall geprüft werden, ob die Leistung (Übereignung) bereits fällig war oder noch nicht. Gerne helfen wir Ihnen hierbei.

Sollten Sie die Ware erhalten haben, diese ist aber nicht so, wie vereinbart, dann stehen Ihnen auch hierfür diverse Rechte – die sogenannten Mängel- und Gewährleistungsrechte – zu. Zunächst muss allerdings bei jedem Einzelfall überprüft werden, ob wirklich ein Mangel im Sinne des Gesetzes vorliegt. Dies kann in einigen Fällen schwierig sein, beziehungsweise bedarf einer genauen rechtlichen Überprüfung.

Sollte der Verkäufer ein Unternehmer und der Käufer ein Verbraucher im Sinne des Gesetzes sein, steht dem Käufer zudem ein Widerrufsrecht zu. Da es sich bei einem über das Internet geschlossenen Kaufvertrag um einen sogenannten Fernabsatzvertrag handelt, ist der Widerruf für bestimmte Verträge allerdings ausgeschlossen. Ob ein solcher Ausschluss in Ihrem Fall vorliegt oder nicht, überprüfen wir gerne für Sie.

Amazon direkt kann daher nur in Anspruch genommen werden, wenn Sie direkt mit Amazon einen Kaufvertrag geschlossen haben oder etwas im Zahlvorgang über Amazon schief läuft (zum Beispiel eine Zuvielabbuchung).

Unter gewissen Umständen kann auch ein Schadensersatzanspruch gegen den Verkäufer oder auch gegen Amazon geltend gemacht werden, wenn eine Pflichtverletzung vorliegt. Worin diese Pflichtverletzung liegen kann, muss bei jedem Fall einzeln überprüft werden.

Amazon kann allerdings nicht in Anspruch genommen werden, wenn Sie Ihre Bezahlung direkt auf das Verkäuferkonto vornehmen und es dann zu Problemen kommt.

Hin und wieder wird der Betrug auch erst durch einen sogenannten Finanzagenten ermöglicht. Hierfür engagiert der Betrüger einen deutschen Kontoinhaber seine Kontodaten zur Verfügung zu stellen. Der Käufer wähnt sich in Sicherheit, da es ein deutsches Konto ist, und überweist den Betrag. Der Finanzagent holt nunmehr das Geld von seinem Konto ab und überweist diese zum Beispiel per Western Union an den wahren Täter, der im Ausland sitzt. Der wahre Täter ist somit auch nur selten ermittelbar. Unter gewissen Umständen kann aber der sogenannte Finanzagent in Anspruch genommen werden und Sie können von ihm das Geld zurückverlangen.

Wie hilft Amazon bei Betrug durch Händler?

Amazon warnt auf ihrer eigenen Seite vor den oben genannten Betrugsmaschen. Allerdings gelangt man erst nach langem Suchen zu diesen Informationen. Da der Amazon-Marketplace immer wieder und vor allem auch immer öfter für Betrügereien genutzt wird, sollte Amazon hierauf reagieren und die Warnhinweise leichter auffindbar oder zumindest auch irgendwo auf der Startseite platzieren.

Sollte ein Käufer einen Artikel über den Amazon-Marketplace bei einem Drittanbieter gekauft haben oder auf einer Drittanbieter-Webseite über Amazon-Payments, bietet Amazon eine sogenannte Amazon A-z-Garantie an. Diese umfasst den Zustand der Ware und die fristgerechte Lieferung.

Hierbei übernimmt Amazon allerdings nur eine Garantie für Drittanbieter auf dem Amazon-Marketplace, wenn die Bezahlung über amazon.de erfolgte oder über Amazon Payments direkt auf der Marketplace-Verkäufer Webseite. In diesen Fällen kann der Käufer bis zu 2.500 (inklusive Versandkosten) von Amazon erhalten.

Zudem muss die Ware nicht angekommen oder defekt sein oder der Käufer erhält trotz Retournierung der Ware den Kaufpreis nicht zurück.

Liegt dies vor, muss der Käufer zunächst sich an den Verkäufer wenden. Sollte sich der Verkäufer hierauf nicht melden oder es kommt zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis für den Käufer, kann dieser sich an Amazon wenden und die Amazon A-z-Garantie beantragen.

Die Amazon A-z-Garantie unterliegt noch weiteren Einschränkungen. So kann ein Käufer die A-z-Garantie nur fünfmal für Käufe von Drittanbietern in Anspruch nehmen. Weiter schließt Amazon die A-z-Garantie für die Fälle aus, wenn es sich um Dienstleistungen, digitale Produkte oder geldwerte Zahlungsarten (auch Geschenkgutscheine) handelt.

Die Amazon A-z-Garantie kann wie folgt beantragt werden:

  • Gehen Sie über „Mein Konto“
  • Rufen Sie die Bestellungen auf
  • Klicken Sie auf „Bestellung ansehen“
  • Klicken Sie auf „Probleme mit Ihrer Bestellung?“
  • Auf der nächsten Seite erscheint ein Link zur A-z-Garantie

Amazon tritt mit dem Verkäufer in Kontakt und versucht, die Angelegenheit zu klären. Sollte dies nicht gelingen, tritt Amazon ein.

Allerdings gibt es auch Fälle, in denen Amazon nicht eintritt, obwohl die oben genannten Voraussetzungen vorliegen. Dies ist dann der Fall, wenn:

  • Der empfangene Artikel so war, wie vom Verkäufer beschrieben
  • Der Artikel wurde in Empfang genommen und dies konnte der Verkäufer beweisen
  • Der Käufer antwortet nicht auf die Bitte, weitere Informationen zu der Angelegenheit zu geben
  • Der Käufer hat den Garantieantrag nur gestellt, weil er den Verkauf bereute und nicht, weil es einen triftigen Grund zur Beanstandung gab
  • Der Käufer hat Einspruch gegen den Geldeinzug bei seiner Bank eingelegt
  • Der Käufer weigert sich den Artikel an den Verkäufer zurückzuschicken

Was wir bei einem Betrug für Sie tun können

Ein Rechtsanwalt kann für Sie zunächst rechtlich überprüfen, ob Sie einen Anspruch gegenüber dem Verkäufer oder Amazon haben. Dieser kann dann durch den Rechtsanwalt geltend gemacht werden. Dazu tritt der Rechtsanwalt in der Regel zunächst mit dem Verkäufer oder Amazon in Kontakt und versucht den Rechtsstreit außergerichtlich beizulegen. Sollte dies nicht zum entsprechenden Erfolg führen, hilft Ihnen ein Rechtsanwalt dabei, Ihren Anspruch gerichtlich bestmöglich durchzusetzen. Auch kann ein Rechtsanwalt Strafanzeige für Sie stellen, sollte ein Betrug im strafrechtlichen Sinne vorliegen. Hier kann der Rechtsanwalt dann auch Akteneinsicht in die Ermittlungsakten nehmen, um so an die eventuell noch unbekannten Daten des „Verkäufers“ zu gelangen. Sollten Sie allerdings die Kaufpreissumme auf ein ausländisches Konto selbst überwiesen haben, wird es auch für einen Rechtsanwalt schwierig, da die Rechtsverfolgung im Ausland nicht immer zum Erfolg führt. Hier ist eine Zusammenarbeit mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft unerlässlich, um den Betrug bei Amazon aufzudecken und ahnden zu können.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

2 Kommentare zu “Betrug bei Amazon
  • 24. November 2016 um 09:32
    julia stirner says:

    wir wurden auch opfer von betrug über einen marketplace bei amazon. momentan kümmert sich amazon um die sache, aber wir haben angst, dass es im sand verläuft. können sie den fall übernehmen, falls amazon den betrug nicht ausräumen kann?

    • 28. November 2016 um 08:57

      Guten Tag,

      vielen Dank für Ihre Frage zum Thema “Betrug bei Amazon”. Leider häufen sich derzeit die Betrugsfälle bei Amazon marketplace. Falls Sie mit Amazon keine Einigung erzielen können, stehen wir Ihnen gern zur Seite.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

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