Broker verlangt Steuern – Muss ich zahlen?

Geld zurück / zahlt nicht aus

Broker verlangt Steuern? Was tun? Wer sein Geld bei einem Online-Broker anlegt, läuft Gefahr, mit unseriösen Anbietern oder Betrügern in Kontakt zu treten. Leider häufen sich die Betrugsfälle im Bereich Online-Trading.

Steuer vom Broker gefordert

Nachfolgend ein Sachverhalt, wie dieser wiederholt in Betrugsfällen auftritt. Die Angaben sind in die Schilderungen meiner Mandanten angelehnt.

Beispiel 1 Investition bei Rocketchart

Mein Mandant hatte Interesse am CFD-Trading mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Er suchte im Internet nach Anlagemöglichkeiten und stieß auf eine Werbung von Rocketchart . Auf diese Werbung hat mein Mandant geklickt und es erfolgte ein Telefonanruf von einer Frau Letizia Bruno, die sich als eine Account-Managerin vom Onlinebroker Rocketchart vorstellte.

Letizia Bruno

+43720145471

Es wurde ein Kundenkonto bei Rocketchart für meinen Mandanten eingerichtet. Hierfür musste sich mein Mandant bei Rocketchart mit Personalausweiskopie, Kopie der eigenen Kreditkarte und haushaltsbezogenen Rechnungen zur Bestätigung der Wohnadresse ausweisen. Um Rocketchart nutzen zu können, musste mein Mandant ein Handelskonto bei der Plattform MT4 einrichten. Offizielle Vertragsunterlagen oder Dokumente von Rocketchart hat mein Mandant nicht erhalten.

Frau Bruno begleitete diesen Vorgang und wies meinen Mandanten an. Sie verabschiedete sich nach Accounterstellung und Verifizierung, hierbei informierte sie meinen Mandanten, dass zukünftig ein Broker namens Herr Frank Siegenthaler von Rocketchart die weitere Betreuung übernehmen würde. Herr Siegenthaler meldete sich dann telefonisch bei meinem Mandanten.

Frank Siegenthaler

+447506691948

Mit Herrn Siegenthaler kommunizierte mein Mandant per Telefon und in der Messenger-App „Signal“. Meinem Mandanten wurde erklärt, dass Rocketchart u.a. mit Differenztermingeschäften arbeite. Es wurde Rohöl und Gold getradet, wobei Herr Siegenthaler die Tradingpositionen eröffnete und schloss – mein Mandant musste dies jeweils mit einem Klick bestätigen.

Mein Mandant zahlte zunächst 250 US-Dollar per Kreditkarte ein.

Dann überwies mein Mandant Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) von seinem Binance-Account und seinem Ledger Wallet auf Kryptoadressen, die ihm von Herrn Siegenthaler mitgeteilt wurden. Hierbei wurde mein Mandant offensiv von Rocketchart dazu angehalten, immer mehr einzuzahlen – er wurde mit der Aussicht auf angebliche Bonuszahlungen für weitere Investments unter Druck gesetzt.

Herr Siegenthaler nutzte das Programm Anydesk, um auf den Computer, das Iphone und das Ipad meines Mandanten zuzugreifen.

Meinem Mandanten wurden Gewinne suggeriert. Es kam sogar zu einer Auszahlung von 200 US-Dollar auf das Binance-Konto meines Mandanten, anscheinend um das Vertrauen meines Mandanten zu gewinnen. Weitere Auszahlungen gab es jedoch nicht.

Schilderung eines Betroffenen

In einer zweiten Konstellation wird ebenfalls ein Ablauf beschrieben, der bei einem Betrug auftreten kann.

Beispiel 2 – Safemoon Trader

Mein Mandant wurde durch eine Werbeanzeige auf Youtube auf die Plattform Safemoon Trader aufmerksam. In der Werbeanzeige hieß es, es könnten leicht hohe Gewinne durch automatisiertes Trading mit Kryptowährungen erzielt werden. Über die Website hat mein Mandant um Kontaktaufnahme seitens Safemoon Trader gebeten und erhielt zunächst eine Mail. Seitens Safemoon Trader wurde in der Mail ein Sicherheitscode übermittelt und ein Termin für ein Kundengespräch angepriesen. Mein Mandant wurde von einem Herrn Weber angerufen:

+43 720229281

Mein Mandant erhielt Informationen wie er sich bei Safemoon Trader anzumelden und verifizieren hätte. Hierfür musste mein Mandant unter anderem eine Ausweiskopie, ein Selfie und eine Meldebescheinigung vorlegen.

Es wurden auch Vertragsunterlagen und weitere Dokumente von Safemoon Trader übermittelt. Nach Durchsicht dieser Unterlagen komme ich zum Ergebnis, dass diese nur der Vortäuschung einer lizensierten Unternehmung dienen und nicht etwa geltendem Wertpapierhandelsrecht genügen.

Mein Mandant begann Einzahlungen auf sein Safemoon Trader-Konto vorzunehmen. Als Überweisungsempfänger wurde Bitpanda GmbH und Bitstamp Ltd. angegeben. Es könnte sein, dass mein Mandant im Verifikationsprozess bei Safemoon Trader nicht wirklich bei Safemoon Trader einen Account erstellt hat, sondern bei Bitpanda und Bitstamp.

Die Einzahlungen konnte mein Mandant jedoch auf der Website von Safemoon Trader in seinem Account zur Kenntnis nehmen. Hier ist davon auszugehen, dass Safemoon Trader nur eine Simulation eines Kontos anzeigt, tatsächlich sind die Einzahlungen vermutlich andernorts eingegangen.

Betreut wurde mein Mandant seitens Safemoon Trader durch einen Herrn

Erik Benko

+49 32211122103

+49 302178067

Es kam zu mehreren Telefongesprächen und weiterem Mailverkehr. Herr Benko wies sich als langjährig erfahrener Broker/Trader aus. Meinem Mandanten wurden realistische Gewinne in Aussicht gestellt, keine absurd hohen Renditen, die auf einen Betrugsversuch hätten schließen lassen können. Die einzelnen Trades schloss nicht mein Mandant, sondern Herr Benko für meinem Mandanten ab. Eine Vollmacht zur Vornahme von Finanzgeschäften oder Vermögenstransaktionen hat mein Mandant jedoch nicht ausgestellt.

Letztlich forderte mein Mandant eine Auszahlung, die aber nicht vorgenommen worden ist. Sein eingezahltes Geld wurde nicht zurücküberwiesen, auch wurden Gewinne von Safemoon Trader nicht ausgezahlt.

Schilderung eines Betrugsopfers

Die Schwierigkeiten in der Praxis beginnen zumeist dann, wenn Investoren und Kunden die Auszahlung des gesamten Gewinns oder eine Auszahlung von Teilbeträgen verlangen. Hierzu habe ich in dem Blogbeitrag „Broker zahlt nicht aus“ einige Hinweise gegeben.

Wenn der Broker dann nicht auszahlt, werden die Betroffenen mit verschiedenen Erzählungen, Behauptungen und Geschichten konfrontiert. All dies mit nur einem Ziel, weitere Zahlungen von den Betroffenen und Geschädigten zu erhalten.

Steuerzahlungen an den Broker deuten auf Betrug hin

Beliebtes Argument ist der Verweis auf angebliche Steuerzahlungen. Es wird dann von einem Online-Broker behauptet, dass vor einer Auszahlung zunächst 10 Prozent, 20 Prozent oder 30 Prozent Steuern an den Broker zu zahlen sind. Spätestens an dieser Stelle sollten Sie sehr misstrauisch sein und von weiteren Zahlungen absehen. In keinem Land der Welt werden Steuern direkt an den Broker gezahlt. Steuern sind immer an den Staat zu leisten und niemals an ein Privatunternehmen.

In Deutschland werden bei Aktienverkäufen Steuern von der Bank direkt an das Finanzamt abgeführt. Dafür ist aber keine gesonderte Zahlung erforderlich, sondern die Übermittlung der Steuer erfolgt anhand der bereits erwirtschafteten Gewinne.

Broker verlangt Steuern: Professionelle Unterstützung notwendig

Ich empfehle Ihnen, spätestens in dem Augenblick, in dem Steuerzahlungen an den Broker verlangt werden, sich professionelle Unterstützung zu holen. Ziel ist es, Ihre investierten Gelder zu sichern und mögliche Rückforderungsansprüche durchzusetzen. Dazu sind verschiedene Maßnahmen notwendig, beispielsweise zur Überprüfung, wohin Zahlungen und Krypto-Währungen geflossen sind, und polizeiliche Ermittlungen sind anzustoßen.

Ich unterstütze Betroffene eines Online-Betruges in Deutschland, Schweiz und Österreich bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche. Gerne können Sie mit mir per E-Mail unter kanzlei@recht-freundlich.de oder per Telefon mit mir Kontakt aufnehmen.

FAQ Broker verlangt Steuern

Welcher Broker führt Steuern automatisch ab?

Deutsche Finanzdienstleister führen die Abgeltungssteuer für den Trader ans Finanzamt ab. Allerdings wird diese Zahlung von den investierten Gelder an abgezogen. Eine gesonderte Zahlung ist dafür nicht notwendig. Wenn ein Investor hingegen mit einem ausländischen Anbieter arbeitet, so muss er seine Gewinne im Rahmen der jährlichen Steuererklärung versteuern.

Wann müssen Trading-Gewinne versteuert werden?

Singles dürfen seit dem 1. Januar 2023 jährlich bis zu 1.000 Euro Gewinn mit Aktien erzielen, ohne dass dafür Steuern in Form der Abgeltungssteuer anfallen. Bei veranlagten Ehepaaren verdoppelt sich der Steuerfreibetrag auf 2.000 Euro. Erst jeder Cent, der die genannten Freibeträge überschreitet, ist zu versteuern.

Mein Broker verlangt Steuern, was tun?

Wenn der Broker eine Steuerzahlung von Ihnen fordert und seinen Sitz nicht in Deutschland hat, gibt es keine Rechtsgrundlage für eine Steuerzahlung an den Broker. Mit anderen Worten: Sie müssen nicht zahlen und der Broker kann daraus keine Konsequenzen ziehen. Wird behauptet, dass ohne die Steuerzahlung keine Auszahlungen möglich sind, ist dies eine Lüge und ein starker Verdacht, dass ein Betrug vorliegt.

Broker verlangt Steuern
Fachanwalt IT-Recht Thomas Feil – 25 Jahre Erfahrung
Broker verlangt Steuern

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