Broker verlangt Steuern – Muss ich zahlen?

Lesezeit: ca. 5 Minuten

Wer sein Geld bei einem Online-Broker anlegt, läuft Gefahr, mit unseriösen Anbietern oder Betrügern in Kontakt zu treten. Leider häufen sich die Betrugsfälle im Bereich Online-Trading.

Steuer vom Broker gefordert

Nachfolgend ein Sachverhalt, wie dieser wiederholt in Betrugsfällen auftritt. Die Angaben sind in die Schilderungen unserer Mandanten angelehnt.

Beispiel 1 Investition bei Rocketchart

Unser Mandant hatte Interesse am CFD-Trading mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Er suchte im Internet nach Anlagemöglichkeiten und stieß auf eine Werbung von Rocketchart . Auf diese Werbung hat unser Mandant geklickt und es erfolgte ein Telefonanruf von einer Frau Letizia Bruno, die sich als eine Account-Managerin vom Onlinebroker Rocketchart vorstellte.

Letizia Bruno

+43720145471

Es wurde ein Kundenkonto bei Rocketchart für unseren Mandanten eingerichtet. Hierfür musste sich unser Mandant bei Rocketchart mit Personalausweiskopie, Kopie der eigenen Kreditkarte und haushaltsbezogenen Rechnungen zur Bestätigung der Wohnadresse ausweisen. Um Rocketchart nutzen zu können, musste unser Mandant ein Handelskonto bei der Plattform MT4 einrichten. Offizielle Vertragsunterlagen oder Dokumente von Rocketchart hat unser Mandant nicht erhalten.

Frau Bruno begleitete diesen Vorgang und wies unseren Mandanten an. Sie verabschiedete sich nach Accounterstellung und Verifizierung, hierbei informierte sie unseren Mandanten, dass zukünftig ein Broker namens Herr Frank Siegenthaler von Rocketchart die weitere Betreuung übernehmen würde. Herr Siegenthaler meldete sich dann telefonisch bei unserem Mandanten.

Frank Siegenthaler

+447506691948

Mit Herrn Siegenthaler kommunizierte unser Mandant per Telefon und in der Messenger-App „Signal“. Unserem Mandanten wurde erklärt, dass Rocketchart u.a. mit Differenztermingeschäften arbeite. Es wurde Rohöl und Gold getradet, wobei Herr Siegenthaler die Tradingpositionen eröffnete und schloss – unser Mandant musste dies jeweils mit einem Klick bestätigen.

Unser Mandant zahlte zunächst 250 US-Dollar per Kreditkarte ein.

Dann überwies unser Mandant Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) von seinem Binance-Account und seinem Ledger Wallet auf Kryptoadressen, die ihm von Herrn Siegenthaler mitgeteilt wurden. Hierbei wurde unser Mandant offensiv von Rocketchart dazu angehalten, immer mehr einzuzahlen – er wurde mit der Aussicht auf angebliche Bonuszahlungen für weitere Investments unter Druck gesetzt.

Herr Siegenthaler nutzte das Programm Anydesk, um auf den Computer, das Iphone und das Ipad unseres Mandanten zuzugreifen.

Unserem Mandanten wurden Gewinne suggeriert. Es kam sogar zu einer Auszahlung von 200 US-Dollar auf das Binance-Konto unseres Mandanten, anscheinend um das Vertrauen unseres Mandanten zu gewinnen. Weitere Auszahlungen gab es jedoch nicht.

In einer zweiten Konstellation wird ebenfalls ein Ablauf beschrieben, der bei einem Betrug auftreten kann.

Beispiel 2 – Safemoon Trader

Unser Mandant wurde durch eine Werbeanzeige auf Youtube auf die Plattform Safemoon Trader aufmerksam. In der Werbeanzeige hieß es, es könnten leicht hohe Gewinne durch automatisiertes Trading mit Kryptowährungen erzielt werden. Über die Website hat unser Mandant um Kontaktaufnahme seitens Safemoon Trader gebeten und erhielt zunächst eine Mail. Seitens Safemoon Trader wurde in der Mail ein Sicherheitscode übermittelt und ein Termin für ein Kundengespräch angepriesen. Unser Mandant wurde von einem Herrn Weber angerufen:

+43 720229281

Unser Mandant erhielt Informationen wie er sich bei Safemoon Trader anzumelden und verifizieren hätte. Hierfür musste unser Mandant unter anderem eine Ausweiskopie, ein Selfie und eine Meldebescheinigung vorlegen.

Es wurden auch Vertragsunterlagen und weitere Dokumente von Safemoon Trader übermittelt. Nach Durchsicht dieser Unterlagen kommen wir zum Ergebnis, dass diese nur der Vortäuschung einer lizensierten Unternehmung dienen und nicht etwa geltendem Wertpapierhandelsrecht genügen.

Unser Mandant begann Einzahlungen auf sein Safemoon Trader-Konto vorzunehmen. Als Überweisungsempfänger wurde Bitpanda GmbH und Bitstamp Ltd. angegeben. Es könnte sein, dass unser Mandant im Verifikationsprozess bei Safemoon Trader nicht wirklich bei Safemoon Trader einen Account erstellt hat, sondern bei Bitpanda und Bitstamp.

Die Einzahlungen konnte unser Mandant jedoch auf der Website von Safemoon Trader in seinem Account zur Kenntnis nehmen. Hier ist davon auszugehen, dass Safemoon Trader nur eine Simulation eines Kontos anzeigt, tatsächlich sind die Einzahlungen vermutlich andernorts eingegangen.

Betreut wurde unser Mandant seitens Safemoon Trader durch einen Herrn

Erik Benko

+49 32211122103

+49 302178067

Es kam zu mehreren Telefongesprächen und weiterem Mailverkehr. Herr Benko wies sich als langjährig erfahrener Broker/Trader aus. Unserem Mandanten wurden realistische Gewinne in Aussicht gestellt, keine absurd hohen Renditen, die auf einen Betrugsversuch hätten schließen lassen können. Die einzelnen Trades schloss nicht unser Mandant, sondern Herr Benko für unseren Mandanten ab. Eine Vollmacht zur Vornahme von Finanzgeschäften oder Vermögenstransaktionen hat unser Mandant jedoch nicht ausgestellt.

Letztlich forderte unser Mandant eine Auszahlung, die aber nicht vorgenommen worden ist. Sein eingezahltes Geld wurde nicht zurücküberwiesen, auch wurden Gewinne von Safemoon Trader nicht ausgezahlt.

Die Schwierigkeiten in der Praxis beginnen zumeist dann, wenn Investoren und Kunden die Auszahlung des gesamten Gewinns oder eine Auszahlung von Teilbeträgen verlangen. Hierzu haben wir in dem Blogbeitrag „Broker zahlt nicht aus“ einige Hinweise gegeben.

Wenn der Broker dann nicht auszahlt, werden die Betroffenen mit verschiedenen Erzählungen, Behauptungen und Geschichten konfrontiert. All dies mit nur einem Ziel, weitere Zahlungen von den Betroffenen und Geschädigten zu erhalten.

Steuerzahlungen an den Broker deuten auf Betrug hin

Beliebtes Argument ist der Verweis auf angebliche Steuerzahlungen. Es wird dann von einem Online-Broker behauptet, dass vor einer Auszahlung zunächst 10 Prozent, 20 Prozent oder 30 Prozent Steuern an den Broker zu zahlen sind. Spätestens an dieser Stelle sollten Sie sehr misstrauisch sein und von weiteren Zahlungen absehen. In keinem Land der Welt werden Steuern direkt an den Broker gezahlt. Steuern sind immer an den Staat zu leisten und niemals an ein Privatunternehmen.

In Deutschland werden bei Aktienverkäufen Steuern von der Bank direkt an das Finanzamt abgeführt. Dafür ist aber keine gesonderte Zahlung erforderlich, sondern die Übermittlung der Steuer erfolgt anhand der bereits erwirtschafteten Gewinne.

Professionelle Unterstützung notwendig

Wir empfehlen Ihnen, spätestens in dem Augenblick, in dem Steuerzahlungen an den Broker verlangt werden, sich professionelle Unterstützung zu holen. Ziel ist es, Ihre investierten Gelder zu sichern und mögliche Rückforderungsansprüche durchzusetzen. Dazu sind verschiedene Maßnahmen notwendig, beispielsweise zur Überprüfung, wohin Zahlungen und Kryptowährungen geflossen sind, und polizeiliche Ermittlungen sind anzustoßen.

Wir unterstützen Betroffene eines Online-Betruges in Deutschland, Schweiz und Österreich bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche. Gerne können Sie mit uns per E-Mail unter kanzlei@recht-freundlich.de oder per Telefon mit uns Kontakt aufnehmen.


Wir sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig
2% unseres Gesamtumsatzes spenden wir an die Welthungerhilfe
 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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