Der Tod und die Steuer – Digitaler Nachlass in der Steuerberatungsgesellschaft

Die immer schneller voranschreitende Technisierung des Telekommunikationssektors rückt viele Bereiche der Gesellschaft näher zusammen und eröffnet ungeahntes Lösungspotential. Allerdings hat ein solcher Fortschritt auch seine Schattenseiten. Denn im Todesfalle bleiben eine Unmenge an Daten zurück, welche teilweise aufgrund ihrer sensiblen Natur einige Probleme im Hinblick auf den Digitalen Nachlass mit sich bringen.

Dies ist insbesondere auch für Steuerberatungsgesellschaften zutreffend. Im Rahmen der Tätigkeit als Steuerberater wird man mit sensiblen Finanzdaten betraut, die in jedem Fall das Potential bergen detaillierte Persönlichkeitsprofile zu erstellen. Daher soll der folgende Beitrag auf einige Problematiken eingehen, welche typischerweise im Rahmen des Digitalen Nachlasses und der Abwicklung einer Steuerberatungspraxis auftreten. Dabei ist zunächst zu berücksichtigen, dass eine Steuerberatungsgesellschaft sich als Personengesellschaft oder aber als Einzelpraxis formieren kann.

Betrachten wir zunächst die Situation einer Personengesellschaft bezüglich des Digitalen Nachlasses im Zusammenhang der Mitgliedschaft in einer Steuerberatungskammer. Zur Vereinfachung sind die zu unterscheidenden Daten in diesem Kontext in steuerberaterbezogene und mandatsbezogene Daten zu unterscheiden.

Beginnen wir zunächst wir mit den steuerberaterbezogenen Daten. Ein Steuerberater bei der Steuerberaterkammer registriert sich in einer Steuerberatungskammer und wird dort Mitglied. Aus diesem Anlass wir ihr oder ihm eine Mitgliedsnummer zugeteilt, welche es ihr oder ihm ermöglicht, sich auf der bereitgestellten Homepage der zuständigen Steuerberaterkammer registrieren, um dort Informationsmaterial und Vordrucke abzurufen. Im Falle einer Untersagung der Berufsausübung oder im Todesfalle, welcher uns hier eher beschäftigt, wird diese Mitgliedsnummer im öffentlich-rechtlichen Steuerberater-Register gelöscht. Mit der Aktualisierung des Registers wird dann auch ihre/seine Mitgliedschaft in der Steuerberatungskammer ausgetragen. Eine Erbin oder ein Erbe kann somit in keinem Falle die Mitgliedsnummer eines Erblassers im Rahmen der Universalsukzession erlangen. Auch der Zugriff auf die Homepage der Steuerberaterkammer kann nur durch eigenständige Registrierung erfolgen.

Was geschieht aber mit den mandatsbezogenen Datensätzen, mögen Sie sich jetzt fragen. Daher ein kurzer Exkurs zu diesem Thema: Die in einer Steuerberatungsgesellschaft verbleibenden Mandate werden im Todesfall einer Sichtung und Bestandsaufnahme durch die Steuerberatungskammer unterzogen. Im Anschluss wird gemäß § 70 Steuerberatungsgesetz ein „Praxisabwickler“ ernannt. Deren / dessen Auswahl steht im Ermessen der Steuerberatungskammer und kann – bei entsprechende Befähigung – auch der legitimen Erbin bzw. dem legitimen Erben zugewiesen werden. Dem Praxisabwickler kommt im Rahme seiner Tätigkeit eine Art „erweiterte Stellvertreter-Stellung“ zu, in Rahmen derer die Mandate bearbeitet und abgeschlossen werden. Ein Praxisabwickler kann auf mandatsbezogene Datensätze von Datenbanken wie der DATEV eG oder Simba vollumfänglich zugreifen. Dabei ist lediglich eine Anzeige der Stellung im Sinne des § 70 Steuerberatungsgesetz notwendig.

Betrachten wir nun die Ausgangslage in einer Einzelpraxis, so gestaltet sich diese letztlich auch nicht großartig anders als in einer Personengesellschaft. Daher wollen wir unserer Augenmerk auf einen Sonderfall lenken: Die Unternehmensnachfolge durch eine Erbin / einen Erben, welche / welcher in die Fußstapfen des Erblassers eintreten und die Praxis übernehmen möchte. In einem solchen Fall wird dann anstelle eines Praxisabwicklers ein Praxistreuhänder im Sinne des § 71 Steuerberatungsgesetz eingesetzt. Dieser wird mit der Fortführung und dem Erhalt der Einzelpraxis für einen Zeitraum von bis zu 3 Jahren beauftragt. In diesem Zeitraum kann dann die Erbin / der Erbe die Steuerberaterprüfung ablegen und sich berufen lassen. Ein Praxistreuhänder ist zu den selben Handlungen im Hinblick auf mandatsbezogene Daten befugt wie auch der Praxisabwickler.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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