Vom eigenen Auto verraten – was unsere Autos über uns aussagen, ob wir wollen oder nicht

„Big Brother is watching you“ – eine Horror Vorstellung für die meisten Menschen. Eine Gesellschaft in welcher jede Privatperson auf Schritt und Tritt überwacht wird, jede Aktivität gesehen und ausgewertet und – jede Autofahrt verfolgt wird. Doch wie weit ist man heute tatsächlich von diesem Szenario entfernt, welches in den 40 Jahren noch dystopische Bücher füllen konnte? Datenschützer gehen schon lange auf die Barrikaden aufgrund der steigenden Durchsichtigkeit im Internet und mit der Abhörung von Telefonaten rechnet man schon beinahe. Was viele jedoch bislang als Auszeit, als kleine Kapsel der Ruhe von einer Welt die ständig Informationen gibt und fordert sahen, soll nun ebenfalls ein kleiner Diener der Datenjunkies werden – das eigene .IMG_0098

Wie es funktioniert?

Moderne Autos werden von einer enormen Vielzahl von Steuerungssystemen überwacht. Diese speichern zum großen Teil Daten. Teilweise nur kurzfristig, teilweise jedoch auch längerfristig, in integrierten Speicherchips. Konkrete Daten über Bremsvorgänge, Geschwindigkeit und Position des Wagens zu genauen Zeitpunkten gehören dazu. In der Regel sind diese Datenspeicherungen keineswegs illegal, vielmehr sind sie häufig in den AGBen der Hersteller vorgesehen. Wer sich die seitenlangen Texte in Kleinformat also gründlich zu Gemüte führt, ist auf der sicheren Seite. Ob man sich dann jedoch auf ein Leben ohne Neuwagen einstellt ist die zweite Frage. Teilweise erfolgt die Datenspeicherung und –übermittlung jedoch auch völlig freiwillig. PKW Halter können sich eine Box in ihr Fahrzeug einbauen lassen, welche Daten an die Versicherung weiterleitet und so bei einwandfreiem Fahrstil eine Herabsetzung des Versicherungsbetrages zur Folge hat; um 5 %.

Die Vorteile der Datenspeicherung im Auto

Natürlich kommt diese neue Art der Datenspeicherung nicht von ungefähr und ist auch nicht (bloß) dafür vorgesehen, das Fahrverhalten der Fahrzeugführer gegen sie zu verwenden. Ab 2015 wird ein System in Neuwagen Pflicht, welches bei einem Unfall sofort einen automatischen Notruf absetzt und den Standort übermittelt. Dies ist zweifelsohne eine sinnvolle und Menschenleben rettende Einrichtung. Für Unfallermittler wird die Arbeit um einiges leichter und natürlich viel genauer. Auch die gerichtliche Klärung von Ansprüchen bleibt nicht mehr in einer undurchsichtigen Mann-gegen-Mann Aussage stecken. Schließlich werden die Daten auch zu (Weiter-) Entwicklungszwecken der Autoausstattung genutzt. So müssen Bremsintensitäts- und Geschwindigkeitsmessungen für die optimale Funktion von Airbags und Gurtstraffern zwangsläufig gemessen und ausgewertet werden.  Die Datenspeicherung dient vornehmlich auch der Sicherheit und ist daher keinesfalls zu verteufeln.

Die Nachteile und Vereinbarkeit mit dem deutschen Recht

Die Nachteile liegen jedoch auf der Hand. Wird man in einen Unfall verwickelt und steht vor Gericht ist es mit dem Aussageverweigerungsrecht dahin. Auch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung wird ausgehöhlt. Und so ist man schließlich „Big Brother“ wieder ein Stückchen näher, denn die Daten über einen selbst, bekommt man in der Regel nicht selbst zu sehen. Zum Einsatz kommen sie eher dann, wenn die Hersteller Ansprüche von Fahrzeughaltern abwehren wollen. So steht man schlussendlich wieder vor dem Konflikt zwischen Komfort und Sicherheit gegen den Schutz der Privatsphäre. Zumindest eine rechtliche Einordnung der Datenerhebung im eigenen Auto ist daher mehr als wünschenswert.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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