Mobilfunkanbieter will Standortdaten seiner Kunden versilbern

Der rheinland-pfälzische Landesdatenschutzbeauftragte Edgar Wagner zeigt sich besorgt über die zunehmende Ausbeutung persönlicher Daten von Verbrauchern. Nach dem Vermarktungserfolg sozialer Netzwerke wie facebook erkennen offenbar immer mehr Unternehmen, über welchen „Schatz“ sie mit den ihnen anvertrauten Kundendaten verfügen.

Jüngstes Beispiel hierfür ist die neue „Vermarktungsstrategie“ eines spanischen Mobilfunkanbieters. Mit einer Anfang Oktober eigens dafür gegründeten Abteilung will der Telekommunikationskonzern Telefónica, zu dem auch das jetzt an die Börse gehende Unternehmen o2 gehört, den riesigen Datenberg seiner Kunden versilbern. Mobilfunkunternehmen verfügen über Ortungsdaten ihrer Kunden. Diese verraten genau, wann und wie lange sich ein Kunde wo aufhält – auch wenn er nicht telefoniert. Solche Ortungsdaten sind hoch sensibel, damit lassen sich nicht nur „gläserne Kunden“ schaffen, sondern auch detaillierte Bewegungsprofile erstellen, die Auskunft über Vorlieben, Einstellungen und Gewohnheiten der Verbraucher geben.

Diesen Schatz will der Telekommunikationkonzern Medienberichten zu Folge durch sein Projekt „Telefonica Dynamic Insight“ heben. Grundlage dafür soll ein neuer unscheinbarer Passus im Vertragswerk des Mobilfunkanbieters sein, wonach o2 zukünftig nicht nur die Vertragsdaten, also Anschrift, Bankverbindung und Ausweisnummer, sondern auch die bei der Mobilfunknutzung anfallenden Verkehrsdaten zu Vermarktungszwecken nutzen will. Zu diesen Daten zählen neben den Nummern der Gesprächspartner auch die Standortdaten der Nutzer.

Schon jetzt wirbt o2 seinen Werbekunden gegenüber mit dem Angebot: „Mit Telefónica

Dynamic Insights können Sie ab jetzt sehen, wohin sich Kunden bewegen, während sie sich

bewegen. Sie erfahren, wo Ihre potenziellen Kunden wirklich sind, wann sie da sind – und wie

oft.” „Damit werden unsere Bewegungsprofile wirtschaftlich verwertet!“, kritisiert Wagner. Es

muss ausgeschlossen werden, dass höchstpersönliche Informationen meistbietend veräußert

werden – dem Supermarkt von nebenan, dem PR-Konzern, vielleicht aber auch dem eigenen

Arbeitgeber oder dem misstrauischen Ehegatten.

Vor dem ‚Spion in unserer Hosentasche’ schützt uns auch keine angebliche „Anonymisierung“

der Daten: Wie ein Geschäftsmodell der Vermarktung von persönlichen Daten ohne jeden

Personenbezug funktionieren soll, bleibt völlig unklar. Daher ist Misstrauen angesagt, so

Wagner.

Da die Einführung des Vermarktungssystems in Deutschland bereits angekündigt wurde,

sollten Kunden von o2 schnell handeln. Ihnen ist dringend anzuraten, gegenüber o2 zu protestieren

und der Nutzung ihrer Daten zu Werbezwecken ausdrücklich zu widersprechen. Dies

kann schriftlich gegenüber dem o2 Kundenservice, 90345 Nürnberg, aber auch per mail geschehen:

kundenerklaerung@o2.com

 

 

.

Wagner hierzu abschließend: „Der Kampf um die wirtschaftliche Vermarktung der Kundendaten

 

ist in vollem Gange. Jetzt heißt es für die Verbraucherinnen und Verbraucher, aufmerksam

 

zu sein und dem Handel mit den eigenen Daten einen Riegel vorzuschieben. Solange der Gesetzgeber

 

nicht wirksam einschreitet, muss jeder selbst für den Schutz seiner Daten eintreten.“

 

Nähere Verbraucherinformationen zu den Gefahren des Einsatzes von Smartphones finden

 

Sie im Angebot des LfDI Rheinland-Pfalz unter

 

 

http://www.datenschutz.rlp.de/de/presseartikel.php?pm=pm2012083101

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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