Vermehrte Klagen gegen Manager nach DSGVO?

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Immer häufiger müssen Chefs und Vorstände mit Klagen rechnen. Die Rate der Klagen hat so stark zugenommen, dass die Manager-Haftpflicht in Teilen zu einem deutlich kostenintensiveren Thema geworden ist. „D&O“-Experten gehen davon aus, dass diese Versicherungsbranche mittlerweile zu einem Verlustgeschäft geworden ist.

Die Tochtergesellschaft der Allianz AGCS bestätigte stark gestiegene Ausgaben für Schäden in den letzten Jahren.

D&O

D&O ist die in der Branche genutzte Abkürzung für Directors and Officers und beschreibt die Manager-Haftpflicht. So sind von der Versicherung meist Vorstände und Chefs betroffen.

Besonders bei den Vorständen großer Unternehmen seien immer regelmäßiger große Schäden aufgetreten, während dies bei kleineren und mittelständischen Unternehmen nur begrenzt und viel verhältnismäßiger der Fall sei, so der Rückversicherer Munich Re.

Erhöhtes Risiko für Versicherer

Wie Martin Zschech, ein D&O-Experte der Allianz bestätigte, seien die Schadenmeldungen in der D&O-Versicherung der AGCS in den vergangenen vier Jahren um 47 Prozent gestiegen. Unbekannt ist, ob für die Versicherungen D&O-Policen tatsächlich zum Verlustgeschäft geworden sind.

Der auf D&O spezialisierte Rechtsanwalt Michael Hendricks schätzt die jährlichen Einnahmen der Versicherer mit dem Vertrieb von D&O-Policen auf zwischen 700 und 800 Millionen Euro. Jedoch würden schon Schäden bei zwei Dax-Unternehmen ausreichen, damit die Einnahmen eines ganzen Jahres wegfallen würden. So lohne sich das Geschäft für Versicherer eigentlich nicht und einige hätten sich bereits vollständig oder zumindest in Teilen aus dem Markt zurückgezogen.

Dies wirft die Frage auf, warum Versicherer überhaupt Produkte verkaufen, die wenig bis gar nicht gewinnbringend sind. Laut Hendricks hat die Manager-Haftpflicht aber einen anderen Anreiz: Sie gilt als Türöffner, um andere Versicherungen zu verkaufen. Wer den Vorstand versichere, kenne die wichtigsten Leute der Firma.

Ursachen der steigenden Schäden

Doch worin gründet sich die Ursache für die steigenden Schäden? Liegt es etwa an den Geschäftsführern selbst?

Auffällig ist in der ganze Branche definitiv, dass leitende Angestellte häufig vom eigenen Unternehmen verklagt werden. Der etwas harmlos klingende Fachbegriff dafür ist „Innenansprüche“. Der Anfang der Innenansprüche geht auf einen Erlass des BGH aus dem Jahre 1997 zurück. Demnach sind Aufsichtsräte verpflichtet, Konsequenzen bei Pflichtverletzungen der Vorstände zu ziehen, sonst riskieren sie selbst Haftungsansprüche.

Des Weiteren verengt sich der rechtliche Spielraum für Vorstände und Geschäftsführer. Beispiele für diese Tatsache sind die neue EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und die wachsende Cyber-Kriminalität. Bei Datenschutzverstößen sind die Bußgelder nach der DSGVO mittlerweile immens. Und wenn ein Vorstand bei einem Cyberangriff nicht in der Lage ist nachzuweisen, dass er angebrachte Vorsorgemaßnahmen getroffen hat, muss er die volle Haftung übernehmen.

Auch wenn die zunehmende Cyberkriminalität bislang noch kaum erkennbare Auswirkungen für die D&O-Versicherungen zeigt und die DSGVO zumindest in Teilen bei ihrer Umsetzung noch in der Findungsphase ist, ist eine erhöhte rechtliche Vorsicht für Versicherer und Manager geboten.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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