Google Fonts als DSGVO-Risiko?

Lesezeit: ca. 2 Minuten

Bei Webseitenbetreibern sehr beliebt ist der Dienst Google Fonts, mit dem hunderte von Schriftarten einfach, kostenlos und natürlich für die Suchmaschine Google optimiert eingebunden werden können.

Ein augenscheinlich toller Service, der sich mit nur wenig Aufwand einsetzen lässt. Seit Inkrafttreten der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) birgt dieser allerdings einige datenschutzrechtliche Risikos.

Wie funktionieren Google Fonts?

Wenn Nutzer eine Webseite, die Google Fonts nutzt, aufrufen, baut der Browser über den Link automatisch eine Verbindung zu den Google-Servern auf und gibt verschiedene Daten weiter. Darunter fallen  einige Browser- und Gerätedaten, aber auch die IP-Adresse des Nutzers.

Somit werden personenbezogene Daten direkt an den Googlesitz in den USA übermittelt und bleiben dort für ein Jahr gespeichert, um Ladezeiten von Webseiten mit Google Fonts zu verbessern.

Eine andere Option ist die lokale Speicherung von Google Fonts. Benötigte Fonts können von den Google-Servern geladen und auf lokalen Webservern gespeichert werden, so dass eine Übermittlung von IP-Adressen der Nutzer nicht mehr stattfindet.

Bei dieser Möglichkeit können sich Ladezeiten verlängern und um die Aktualisierung der Schriftarten muss sich nun der Webseitenbetreiber kümmern.

Datenschutzrechtlicher Kontext

Die Übermittlung eines personenbezogenen Datums, wie einer IP-Adresse, ist ohne Rechtsgrundlage nach der DSGVO unzulässig.

Eine entsprechende Rechtsgrundlage könnte beispielsweise eine Einwilligung (Artikel 7 DSGVO) sein. Da die Daten, aber direkt beim Aufrufen der Webseite durch den Nutzer an Google übermittelt werden, ist die Einholung einer Einwilligung praktisch unmöglich und auch die Umsetzung des Widerspruchsrechts dürfte ein Problem sein.

Eine andere mögliche Rechtsgrundlage könnte ein überwiegendes berechtigtes Interesse des Webseitenbetreibers (Artikel 6 Abs. 1 lit. f) DSGVO) darstellen.

Für den Webseitenbetreiber bestände das Interesse in den Vorteilen von Google Fonts wie der Suchmaschinenoptimierung, verbesserten Ladezeiten, dem geringeren Aufwand für den Verantwortlichen und die einheitliche Darstellung durch die Schriftarten. Jedoch ist unklar, ob diese Vorteile eine Übermittlung der Daten an Google rechtfertigen.

Google selbst betont, dass die Daten ausschließlich für die Optimierung von Google-Fonts und die Darstellung der Schriftarten genutzt werden und dass entsprechende Daten separiert von den Daten anderer Google-Dienste gehalten würden.

Ob man sich auf diese Angaben verlassen kann, ist wahrscheinlich fragwürdig. Außerdem ist nicht nachvollziehbar, warum bei Google Fonts eine Übermittlung und Speicherung der IP-Adressen möglich sein sollte, die Nutzung von Google Analytics jedoch nur mit aktivierter IP-Anonymisierung datenschutzrechtlich vertretbar ist.

Praxistipp

Das überwiegende berechtigte Interesse kann nur dann als Rechtsgrundlage dienen, wenn kein milderes Mittel zur Erfüllung des Verarbeitungszwecks vorliegt.

Im Fall von Google Fonts ist die lokale Speicherung aber scheinbar genau das, so dass diese zweite Option aus datenschutzrechtlicher Sicht auf jeden Fall zu empfehlen ist. Die direkte Nutzung von Google Fonts, bei der Daten an Google weitergegeben werden, ist auf jeden Fall ein DSGVO-Risiko.

Gerichtliche Entscheidungen und Stellungsnahmen der Aufsichtsbehörden zu diesem Thema bleiben noch abzuwarten.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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