Creditreform – Score und Bonitätsindex erklärt!

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In der Wirtschaft spielt die Bewertung der Bonität von Personen oder Unternehmen eine große Rolle. Die Bonität soll dabei wiedergeben, ob es privaten oder institutionellen Kreditnehmern möglich ist, anstehende Zahlungsverpflichtungen aus einem Kredit fristgerecht und vollständig zu bedienen. Die Bonität spiegelt also grundsätzlich die Zahlungsfähigkeit wieder. Die Bonitätsbewertung setzt sich aus verschiedenen bonitätsrelevanter Merkmale zusammen, welche die Person oder das Unternehmen anhand eines so genannten Scores einstufen. Diese Einstufung dient Geschäftspartnern und auch Banken als Einblick in die Zahlungsfähigkeit ihres Gegenübers.

Neben der wohl bekanntesten Auskunftei der Schufa, die den Meisten wohl ein Begriff sein dürfte, bestehen noch weitere Auskunfteien wie zum Beispiel die Creditreform. Solche Auskunfteien dienen der Auskunft über wirtschaftlich relevante Daten über Privatpersonen und Unternehmer. Nicht selten stößt die Berechnung der Bonität oder des Scores dabei jedoch auf Unverständnis. Deshalb möchten wir Ihnen in diesem Beitrag den Creditreform Bonitätsindex und das so genannte Scoring-System näher bringen und Ihnen aufzeigen wie es funktioniert.

Was ist Creditreform?

Bei der Creditreform handelt es sich um eine am 9. März 1879 in Mainz gegründete Unternehmensgruppe, die hauptsächlich im Bereich der Wirtschaftsaukunft und als Inkassodienstleister tätig ist. Die Unternehmensgruppe stellt ihren Kunden im Rahmen der Risikoidentifikation und Risikostreuung verschiedene Dienstleistungen zur Verfügung. Die angebotenen Dienstleistungen reichen von der bonitätsbasierten Auswahl und Ansprache von Neukunden über Bonitätsinformationen zu Unternehmen und Privatpersonen bis hin zu kompletten Systemplattformen für das unternehmensinterne Risikomanagement und ausgefeilten Forderungsmanagement-Tools. Besondere Bedeutung erlangt die Bonitätsprüfung und das Inkasso für natürliche Personen, die einen Kredit oder eine sonstige Geldleistung in Anspruch nehmen wollen. Eine Besonderheit bei der Creditreform ist, dass ein Unternehmen, welches Dienstleistungen von Creditreform in Anspruch nimmt, nicht Kunde sondern Mitglied bei einem der lokalen Vereine der Creditreform ist.

Creditreform Bonitätsindex

Der Bonitätsindex  wird von der Creditreform  anhand einer Vielzahl von bonitätsrelevanten Merkmalen errechnet. Bei einem solchen Bonitätsindex handelt es sich um einen Maßstab zur Beurteilung der Kreditwürdigkeit einer natürlichen oder juristischen Person und entspricht einem Kapitalmarktrating.

Der Creditreform Bonitätsindex wurde 1984 eingeführt und dient als Prognosewert zur Beurteilung der Zahlungsfähigkeit einer Person. Es soll dem Geschäftspartner durch den Bonitätsindex eine schnelle und direkte Einschätzung der Bonität und der damit einhergehenden Kreditwürdigkeit  des Kunden ermöglicht werden.

Der Score

Bei dem sogenannten Score handelt es sich um jenen Zahlenwert auf Basis einer statistischen Analyse, der die Kreditwürdigkeit einer Person repräsentiert und der von der Creditreform auch Bonitätsindex genannt wird. Der Begriff kommt aus dem Englischen, „To score“  und bedeutet „punkten“.

Zu unterscheiden ist bei den Kreditscores zwischen internen und externen Scores. Scores können sowohl auf eigenen Daten des Unternehmens beruhen oder auf externen Daten, wie zum Beispiel von Auskunfteien wie der Creditreform.

Was ist der Unterschied zwischen Bonität und Score

Der Begriff der Bonität dürfte in der Alltagssprache weitaus bekannter sein als der Begriff „Score“. Unter dem Begriff der Bonität ist grundsätzlich die Kreditwürdigkeit einer bestimmten Person zu verstehen. Der Begriff gibt an wie Wahrscheinlich es ist, dass der Kredit angemessen zurückgezahlt wird. Eine Kreditwürdigkeit setzt sich dabei aus der Fähigkeit und der Absicht, den Kredit zurückzuzahlen zusammen.

Bei dem sogenannten Scoring soll genau errechnet werden, wie kreditwürdig die jeweilige Person ist. Der Unterschied zwischen Bonität und dem Score-Wert besteht also im Wesentlichen darin, dass der Score mittels mathematischer Verfahren ermittelt wird und die Bonität auf den Angaben des Antragsstellers basiert und von der Bank selbst bewertet wird.

So dient die Bonität, als auch der Score (Creditreform Bonitätsindex) zur Ermittlung der Zahlungsfähigkeit von Personen oder Unternehmen. Der Unterschied der beiden Begriffe liegt lediglich in der persönlichen Bewertung. Der Kreditgeber entscheidet die Bonität, weshalb die gleiche Person bei verschiedenen Kreditgebern unterschiedlich eingeordnet werden kann, was die Bonität angeht. Das Scoring hingegen bedient sich mathematischer Verfahren und liefert ein von menschlicher Beurteilung unabhängiges Bild.

Wie wird der Bonitätsindex berechnet?

Um den Bonitätsindex berechnen zu können, bedarf es einer Vielzahl von Informationen. Um solche bonitätsrelevanten Informationen handelt es sich beispielsweise bei dem Umsatz eines Unternehmens oder der Unternehmensentwicklung. Die Anwendung neuster statistischer Verfahren und Modelle bei der Berechnung sowie umfangreiche Qualitätsprüfung sollen die Genauigkeit der Bewertung garantieren.

Die für den Bonitätsindex verwendeten Informationen werden im Rahmen einer qualitativen und quantitativen Analyse einzeln bewertet und zu einer Gesamtnote verdichtet.  Zu beachten ist dabei, dass die einzelnen Merkmale unterschiedliche Gewichtung haben und auch im Bonitätsindex entsprechend ihrer Relevanz gewichtet werden. Der Creditreform Bonitätsindex kann einen Wert von 100 bis 500 oder 600 annehmen.

So fließen beispielhaft die folgenden Gewichtungen ein:

Kriterium                                          Einfluss in %

Zahlungsweise                                           25

Krediturteil                                                 25

Unternehmensentwicklung                     5

Auftragslage                                               5

Rechtsform                                                 4

Branche                                                       6

Unternehmensalter                                  4

Umsatz                                                        5

Mitarbeiterzahl                                          4

Umsatz pro Mitarbeiter                           2

Gezeichnetes Kapital                                5

Bilanzbonität                                            10

Die einzelnen Informationen werden anschließend zusammengefasst und in Form einer dreistelligen Zahl dargestellt. So liegt bei einer Klasse des Bonitätsindex von 100-149 eine Ausgezeichnete Bonität vor, wohingegen es sich bei einer Klasse des Bonitätsindex von 600 um eine ungenügende Bonität/Zahlungseinstellung handelt. Eine mittlere Bonität liegt demnach bei einem Wert von 250-299 vor. So ergibt sich der Score bzw. die Summe des Bonitätsindex auf der Bewertung der Basis des Anteils der einzelnen Risikofaktoren.

Creditform hat den Bonitätsindex mit der Zeit immer weiterentwickelt. Durch die Weiterentwicklung sollen strukturelle Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur Deutschlands und Änderungen der Ausfallwahrscheinlichkeit in einigen Branchen oder Rechtsformen besser berücksichtigt werden. Dies soll einer genaueren und zuversichtlicheren Prognose dienen, Creditreform spricht in diesem Zusammenhang von dem Bonitätsindex 2.0.

Was bedeutet Ausfallwahrscheinlichkeit?

Die Ausfallwahrscheinlichkeit soll aufzeigen wie wahrscheinlich es ist, dass ein Unternehmen zahlungsunfähig wird.  Crerditreform beschreibt die Ausfallwahrscheinlichkeit als die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Unternehmen in Deutschland innerhalb von zwölf Monaten in eine der beiden schlechtesten Bonitätsklassen des Bonitätsindex wandert.

Durch den veränderten Score, bedingt durch die Weiterentwicklung des Bonitätsindex soll eine schlechte Bonität deutlicher von einer guten Bonität abgrenzen zu sein. Denn die meisten Betriebe wurden mit einem Score zwischen 221 und 251 bewertet (31 Prozent), nach dem neuen Score weist der neue Bonitätsindex hier nur noch 28 Prozent auf.  Durch die so erlangte Steigerung der Prognosegüte werden bonitätsstarke Unternehmen tendenziell besser bewertet als bisher und bonitätsschwache Unternehmen hingegen tendenziell schlechter. Dadurch kommt es zu einer Seitwärtsbewegung in Richtung der besten und der schlechtesten Risikoklassen.

 
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