Nutzung des Cloud Computings in der Anwaltskanzlei

Kaum ein Unternehmen unterschätzt mehr die Relevanz des Cloud Computings – Daten werden “ausgelagert” und andernorts gespeichert und archiviert, sodass Kosten für die Anschaffung und Instandhaltung von betriebseigenen Servern entfallen. Gleichzeitig kann jedernorts auf die in der Cloud gelegenen Daten zugegriffen werden, gleichfalls lassen sich jene Daten auch einfach und schnell bewegen. Mittlerweile nutzen mehr als ein Drittel der deutschen Unternehmen schon die Vorteile des Cloud Computings für die eigene Organisation von Informationen – heise berichtete.

Cloud Computing – Lösung oder Problem?

Hauptsorge der deutschen Cloud Anwender sind bisher die Sicherheit der fremden IT-Infrastruktur und das Datenschutzrecht. Zur Sicherheit gibt es Bedenken hinsichtlich des Falles eines “hacking”-Angriffs, aber auch die Frage, was bei einer Zerstörung der Daten in der Cloud passiert – hier liegt es ja nicht mehr in den betriebseigenen Strukturen, sondern in der Macht des Cloud Anbieters, ob Daten wieder hergestellt werden können. Das Datenschutzrecht erzeugt besondere Besorgnis – dürfen Daten, die in Deutschland erhoben worden sind, überhaupt an einen Cloud Anbieter weitergereicht werden? Welche Voraussetzungen hat diese sogenannte Auftragsdatenverarbeitung? Und was ist, wenn der Cloud Dienst nicht in Deutschland, sondern in einem anderen EU-Mitgliedsstaat seinen Sitz hat? Und noch komplizierter wird die Angelegenheit, wenn die Cloud im EU-Ausland (zum Beispiel USA) angesiedelt ist.

Anwaltliche Nutzung des Cloud Computings in der Kanzlei

Auch die deutschen Rechtsanwälte haben die Vorteile des Cloud Computings erkannt und nutzen diese bereits. Akten werden heutzutage überwiegend elektronisch verwaltet, was eine schnellere Bearbeitung gewährleistet und daher bei den Mandanten beliebt ist. Um aber solche sensiblen Daten überhaupt auslagern zu dürfen, müssen die in § 11 BDSG genannten Voraussetzungen zur Auftragsdatenverarbeitung eingehalten werden – es geht im Kern darum, dass der Rechtsanwalt, obwohl die Daten ausgelagert sind, immer noch “verantwortliche Stelle” im Sinne des BDSG bleibt, sich also der Verantwortung nicht dadurch entledigt, einen Cloud Anbieter einzuschalten. Der Anwalt muss einen schriftlichen Vertrag mit dem Anbieter schließen, in dem detailliert Umfang und Zweck der Verarbeitung von personenbezogenen Daten aus der Kanzlei geregelt werden muss. Bei Verstößen gegen das BDSG drohen Bußgelder und Anordnungen durch die Aufsichtsbehörde (§ 38 Abs. 5 BDSG).

Rechtsanwälte müssen weitere Vorschriften beachten

Weiterhin muss bei der anwaltlichen Cloudnutzung das datenschutzrechtliche Trennungsgebot beachtet werden – dies besagt, dass zu gewährleisten ist, dass die erhobenen personenbezogenen Daten getrennt verarbeitet werden müssen. Bei der  Nutzung von Cloud Systemen in der Kanzlei kommen noch standesrechtliche Vorschriften zur Anwendung, die unbedingt beachtet werden müssen – so beispielsweise § 50 BRAO, wonach Anwälte dazu verpflichtet sind, ein geordnetes Bild ihrer Tätigkeit zu haben.

 

 

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

Ein Kommentar zu “Nutzung des Cloud Computings in der Anwaltskanzlei
  • 2. Februar 2015 um 21:15
    Jan-Eric says:

    Ich denke, dass es ab einem gewissen internationalen Verbreitungslevel auch in deutschen Kanzleien unabdingbar sein wird, Cloud Computing bzw. effektive Online-Softwarelösungen zu nutzen. Ein gutes Beispiel, wie schnell so etwas gehen kann, sind die Nutzerzahlen von Anbietern wie Needles oder Practice Panther in den Vereinigten Staaten.

    Viele Grüße
    Jan-Eric

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