Trading mit Bitcoins und anderen Kryptowährungen als gewerbliche Tätigkeit?

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Nahezu überall im Internet liest man derzeit, dass das An- und Verkaufen von Kryptowährungen “als Privatperson” ein privates Veräußerungsgeschäft sei. Dies ist auch vom Grundsatz her richtig, allerdings ist damit nicht gesagt, dass eine Privatperson durch ihr Kryptotrading nicht die Grenze zur Gewerblichkeit überschreitet.

Gem. § 15 Abs. 2 Satz 1 EStG ist eine selbstständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt ein Gewerbebetrieb (wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbstständige Arbeit anzusehen ist). Grundsätzlich könnte bei einem Kryptotrader, der mit Bitcoins oder anderen Kryptowährungen tradet, ab einer gewissen Anzahl von Trades davon ausgegangen werden, er täte dies selbstständig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr teilnehmend.

Hierdurch wäre eine Gewerblichkeit gegeben, sodass beispielsweise die Steuerfreiheit nach der 1-Jahr-Haltefrist entfiele.

Fraglich ist in diesen Fällen also, ab wann man beim Trading die Grenze zur Gewerblichkeit überschreitet. Ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal des Gewerbebetriebs ist nach der Rechtsprechung des BFH, dass die Betätigung den Rahmen einer privaten Vermögensverwaltung überschreitet. Wer zur privaten Vermögensverwaltung mit Kryptowährungen An- und Verkäufe tätigt, könnte sich also auf rein privates Handeln berufen.

Wann also ist der Rahmen einer privaten Vermögensverwaltung überschritten? Darauf gibt es derzeit keine klare Antwort. Klar ist, dass ein einziger An- und Verkauf von Kryptowährung einer Privatperson innerhalb eines Jahres wohl unproblematisch als zur eigenen privaten Vermögensverwaltung getätigt anzuerkennen ist. Was aber, wenn jemand 20 Trades vollführt hat? Oder 200, gar 2000?

Es muss insbesondere erkannt werden, dass der hochvolatile, äußerst schnelle Markt der Kryptowährungen auch die private Vermögensverwaltung verändert. Nun mehr ist nicht nur ein Trade pro Jahr oder Ähnliches “normal”, sondern mitunter schnelleres Handeln, um Kursgewinne zu berücksichtigen oder Risiken zu beschränken. Auch ist der Privatperson, die private Vermögensverwaltung im Rahmen von Kryptotrading durchführt zuzugestehen, dass sie nicht immer einen Einfluss auf die Anzahl der Trades hat, die zur Positionsverschiebung notwendig ist. Das bloße Abstellen auf die Anzahl der Trades erscheint uns als einziges Kriterium daher untauglich.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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