Spekulationsfrist von Kryptowährungen

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Werden durch private Veräußerungsgeschäfte Gewinne erzielt, gilt es die bestehende Spekulationsfrist zu beachten. Bei Kryptowährungen beträgt diese derzeit ein Jahr. Der Zeitraum umfasst dabei den Zeitpunkt zwischen der Anschaffung und der Veräußerung.

Derzeit wird allerdings vermehrt von Überlegungen berichtet, die Spekulationsfrist von Kryptowährungen von einem auf zehn Jahre zu erhöhen. Dabei bestehen mehrere Möglichkeiten Einkünfte durch Kryptowährungen wie Bitcoin zu erzielen. Einkünfte können so beispielsweise durch das Mining oder Stalking erzielt werden. Die Einnahmen sind sozusagen als Vergütung für die bereitgestellte Leistung anzusehen. Stellen Nutzer ihre Rechenleistung zur Verfügung, werden sie also dafür entlohnt und erhalten eine Vergütung, die sich an der bereitgestellten Leistung orientiert. Damit stellen die Zahlungen ein Entgelt für die bereitgestellte Rechenleistung dar und sind nicht etwa ein Ausfluss des privaten Wirtschaftsguts Kryptowährung.

Dadurch hätte eine Verlängerung der Spekulationsfrist weitreichende Folgen. Problematisch ist hier vor allem, dass diese Arten der Einkunftserzielung nur durch die Blockchain – Technologie möglich sind, welche die Basis von Kryptowährungen wie Bitcoin darstellt. Eine Verlängerung der Spekulationsfrist würde demnach nicht nur Auswirkungen auf das Verhalten von Investoren haben. Vielmehr kann dies auch als Rückschritt hinsichtlich der Entwicklung neuer Technologien angesehen werden. Nicht nur Investoren stellen sich aufgrund dieser Überlegung die Frage, was der Grund für die Überlegung der Verlängerung dieser Spekulationsfrist sein könnte.

Was ist der Grund für eine solche Überlegung

Grund für die Überlegung ist das Unternehmensteuerreformgesetz von 2008. Dabei handelt es sich um verschiedene gesetzgeberische Maßnahmen, die 2008 mit dem Unternehmensteuerreformgesetz umgesetzt wurden. Das Unternehmensteuerreformgesetz wurde vor allem durch sogenannte Containerleasingmodelle eingeführt. Hierbei wurden Privatanlegern durch Zweckgesellschaften Container verkauft. Dabei wurde den Anlegern Mietverträge vorgelegt, die zudem bereits festgelegte Rückkaufswerte nach der Beendigung der Vertragsdauer beinhalteten. Das Problem hierbei war, dass es sich bei den erzielten Mieteinkünften um Einkünfte aus sonstigen Leistungen nach § 22 Nr. 3 EStG handelt. Das bedeutet, dass es den Investoren möglich war, die Miteinkünfte um die Absetzung für Abnutzung der Container zu mindern. Denn nach den Angaben des Bundesfinanzministeriums besteht für Container eine Nutzungsdauer von zehn Jahren. Dadurch können Einkünfte der sonstigen Leistungen i. S. d. § 22 Nr. 3 EStG, jährlich durch die vom Bundesfinanzministerium festgelegte Pauschale in Höhe von zehn Prozent der Anschaffungskosten des Containers verringert werden. Dies führte dazu, dass der Rückkaufwert, der oftmals schon im Vorfeld vereinbart wurde, deutlich über dem steuerlichen Buchwert lag. Der Grund für die Überlegung der Verlängerung der Spekulationsfrist, hängt also mit der Bekämpfung von Missbräuchen zusammen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, eine solche Fristverlängerung auf nicht abnutzbare digitale Wirtschaftsgüter wie Kryptowährungen zu übertragen.

Wie ist der Wortlaut?

„Bei [privaten] Wirtschaftsgütern im Sinne von Satz 1, aus deren Nutzung als Einkunftsquelle zumindest in einem Kalenderjahr Einkünfte erzielt werden, erhöht sich der [Spekulations-]Zeitraum auf zehn Jahre.“ (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 4 EStG). Aufgrund der grammatikalischen Auslegung besteht die Auffassung, dass die Vorschrift auch auf Kryptowährungen angewandt werden muss. Die Rechtsprechung macht allerdings deutlich, dass auch eine Abweichung von dem Gesetzeswortlaut denkbar ist. So kann sich trotz des eindeutigen Wortlauts gegen die Anwendung der jeweiligen Vorschrift entschieden werden.

Wie wahrscheinlich ist eine Fristverlängerung?

Eine Verlängerung der Spekulationsfrist erscheint eher unwahrscheinlich. Dies liegt zum einen daran, dass Bitcoin und auch andere Kryptowährungen keinem substanzbedingtem Wertverfall unterliegen. Zum anderen werden Einkünfte in der Regel nur durch das Bereitstellen von Rechenleistung und nicht etwa durch den Einsatz des Wirtschaftsguts erzielt.

 
1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars 2 Bewertung(en), durchschnittlich: 5,00 von 5
Loading...

Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

Schreibe einen Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Sie können folgende HTML-Tags benutzen:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

*
*

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen