Hilflosigkeit der Steuerberater und der Finanzämter bei Bitcoin und Kryptowährungen?

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Uns fragen immer mehr Privatpersonen hinsichtlich der steuerrechtlichen Betrachtung von An- und Verkäufen im Bereich Bitcoin und weiterer Kryptowährungen an. Unsere Kanzlei ist auf das IT-Recht spezialisiert und hat bereits Fälle in Bezug auf Kryptowährungen und Steuerrecht bearbeitet. Wir helfen Mandanten grundsätzlich gern und bundesweit, wundern uns jedoch zunehmend über die anscheinend vorherrschende Hilf- und Ratlosigkeit der Steuerberater und zuständigen Finanzämter in diesem Bereich.

Wir zeigen auf, welche Art von Fragen uns mittlerweile gestellt werden.

“Mein Steuerberater sagt, dass Kryptowährungen wie Aktien besteuert werden, ist das richtig?”

Das ist wohl nicht richtig. Private An- und Verkäufe von Bitcoin und weiteren Kryptowährungen sind im Regelfall als private Veräußerungsgeschäfte gem. § 23 EStG zu beurteilen, was eine völlig andere Besteuerung als Aktien darstellt. Hier gilt gerade nicht die Abgeltungspauschale wie man es vom privaten Aktienhandel kennt.

“Der Finanzbeamte hat keine Ahnung von Bitcoin und Kryptowährungen, was soll ich tun?”

Grundsätzlich ist es nicht Ihr Problem, wenn das Finanzamt und der zuständige Finanzbeamte wenig Kenntnisse im Bereich Kryptowährungen und Steuerrecht aufweist. Sie haben jedoch die Pflicht, alle steuerbaren Vorgänge ordnungsgemäß offenzulegen und auf Nachfrage die erforderlichen Nachweise einzureichen. Sollten Sie sich vom Finanzamt oder einem Finanzbeamten ungerecht behandelt fühlen, können wir uns Ihren Fall gern einmal anschauen.

“Wie soll ich dem Finanzamt nachweisen, dass ich eine Coin oder einen Token mehr als 1 Jahr gehalten habe?”

Hier ist zunächst zu beachten, dass Sie im Regelfall nicht proaktiv Belege einreichen müssen, sondern zunächst einmal grundsätzlich nur dazu verpflichtet sind, die einkommenssteuerrechtlich relevanten Informationen mitzuteilen. Wenn Sie beispielsweise eine Coin länger als 1 Jahr nach der Anschaffung gehalten haben, können Sie diese Coin womöglich steuerfrei veräußern. Sollte das Finanzamt einen Nachweis anfordern, sind verschiedene Wege denkbar. Es kann auf die Blockchain und Zugangsmöglichkeiten zu Coinadressen verwiesen werden, oder aber auch sonstige Protokolldaten herangeführt werden. Gern helfen wir Ihnen weiter, falls Sie Untersützung benötigen.

“Ich habe meine Coins online anderen zum Traden geliehen, mein Steuerberater sagt, dass das kein Problem ist.”

Vorsicht. Beim Verleihen von Coins oder Tokens kann es steuerrechtlich zu Sonderkonstellationen gem. § 23 EStG und weiterer Vorschriften kommen. Bekannteste Konsequenz ist in diesen Fällen mitunter, dass die einjährige Haltefrist hier nicht greift. Lassen Sie sich daher beraten, bevor Sie falsche rechtliche Schlüsse ziehen und dem Finanzamt womöglich Dinge verschweigen, die Sie hätten offenlegen müssen.

“Mein Steuerberater ist mit Coins, die weitere Einnahmen generieren überfordert. Was soll ich jetzt tun?”

Einige Coins oder Tokens generieren für den Halter weitere Einnahmen. Beispielsweise generiert NEO in regelmäßigen Abständen GAS. Dieser Vorgang ist grundsätzlich steuerbar, d.h. die Einnahmen können im Regelfall nicht “einfach so” behalten werden, sondern unterliegen womöglich der Einkommenssteuer. Hier hilft es im Zweifel auch, sich mit dem Finanzamt zu verständigen – dort wird man vermutlich keine Pauschalantwort parat haben, zumindest nicht derzeit, aber immerhin haben Sie auf diesem Weg alles Ihrerseits Notwendige offengelegt. Gern können Sie uns auch ansprechen, falls Sie eine Rechtsberatung benötigen.

“Das Finanzamt schätzt mein Mining als Gewerbe ein, Hilfe!”

Mining wird von Finanzämtern gern ohne genaue Prüfung des Einzelfalls als gewerbliche Tätigkeit eingeschätzt. Dies rührt wohl daher, dass auf der Bitcoin-Blockchain derzeit nicht mehr ohne Weiteres erfolgreich Mining betrieben werden kann, sprich es muss extra Hardware angeschafft werden etc. In einem solchen Fall liegt Gewerblichkeit auch offensichtlich vor. Allerdings ist zu beachten, dass das Mining in früheren Jahren keineswegs dergestalt gewerblich betrieben worden ist, und sich auch bei neueren Coins und Tokens die Frage gestellt werden kann, ob das Finanzamt einfach so von einer gewerblichen Tätigkeit ausgehen darf. Wenn mit einem normalen privaten Computer eine eher unbekannte Coin “nebenbei” gemined wird, ist dies unserer Ansicht nach nicht automatisch ein Gewerbe.

 

 

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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