Bitcoin und Kryptowährungen Gewinne bilanzieren

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Es besteht weiterhin ein ungebrochenes Interesse an Kryptowährungen. Mit dem Handel von Kryptowährungen gehen jedoch eine Vielzahl an Fragestellungen und Probleme einher. Dazu gehören beispielsweise die Ermittlung des Gewinns und die Bilanzierung. Wie eine Bilanzierung stattzufinden hat, lässt sich pauschal nicht fest machen. Entscheidend ist dabei immer der Einzelfall, die Antwort auf die Frage nach der Bilanzierung lautet also „es kommt darauf an“. Wir möchten Ihnen daher in dem folgenden Beitrag aufzeigen, wie sich der Gewinn ermitteln lässt und wie und wann eine Bilanzierung stattzufinden hat.

Die Gewinnermittlung

Zur Ermittlung des zu versteuernden Gewinns bestehen zwei Methoden, zum einen die sogenannte First-in-first-out- (Fifo) und zum anderen die Last-in-first-out- (Lifo) Methode.

Bei der Fifo-Methode wird davon ausgegangen, dass die Bitcoins, die zuerst angeschafft wurden, auch die ersten sind, die wieder veräußert werden. Die Lifo Methode hingegen nimmt an, dass die Bitcoins, die zuletzt angeschafft wurden, die ersten sind, die wieder veräußert werden. Da sich Kryptowährungen wie Bitcoin mit staatlichen Fremdwährungen vergleichen lassen, bietet sich die für Fremdwährungen angewandte Fifo-Methode an.

Handelsrechtlicher Abschluss

Bitcoin und auch andere Kryptowährungen erfahren eine immer größer werdende Akzeptanz. Dies führt unter anderem dazu, dass nun auch vermehrt Unternehmen eine Zahlung mit Bitcoin akzeptieren. Doch damit nicht genug. Immer mehr Unternehmen nutzen digitale Währungen als Investment, sei es lang- oder kurzfristig. Doch was bedeutet dies für die Aufstellung eines handelsrechtlichen Abschlusses?

242 HGB

„(1) Der Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes und für den Schluß eines jeden Geschäftsjahrs einen das Verhältnis seines Vermögens und seiner Schulden darstellenden Abschluß (Eröffnungsbilanz, Bilanz) aufzustellen. Auf die Eröffnungsbilanz sind die für den Jahresabschluß geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit sie sich auf die Bilanz beziehen.

(2) Er hat für den Schluß eines jeden Geschäftsjahrs eine Gegenüberstellung der Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahrs (Gewinn- und Verlustrechnung) aufzustellen.

(3) Die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung bilden den Jahresabschluß.(…)“

Unternehmen die nach § 242 HGB zur Aufstellung eines handelsrechtlichen Abschlusses verpflichtet sind, müssen sich demnach mit dem Thema der handelsrechtlichen Bilanzierung von Bitcoin auseinandersetzen.

Die Erstbewertung

Kryptowährungen wie Bitcoin können über Handelsplätze erworben werden. Handelsplätze für digitale Währungen sind vergleichbar mit Börsenplätzen für Aktien. Entscheidend für die Preisbildung sind Angebot und Nachfrage. Unternehmen, die auf solchen Handelsplätzen Kryptowährungen gegen Fiatwährung erwerben, erfüllen die Voraussetzungen eines Anschaffungsvorgangs. Wie genau sich die Anschaffungskosten zusammensetzen, bestimmt dabei das HGB.

Handelsgesetzbuch § 255 Bewertungsmaßstäbe

„(1) Anschaffungskosten sind die Aufwendungen, die geleistet werden, um einen Vermögensgegenstand zu erwerben und ihn in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, soweit sie dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können. Zu den Anschaffungskosten gehören auch die Nebenkosten sowie die nachträglichen Anschaffungskosten. Anschaffungspreisminderungen, die dem Vermögensgegenstand einzeln zugeordnet werden können, sind abzusetzen.“

Anlagevermögen – Umlaufvermögen

Unternehmen, die in Bitcoin investiert haben, müssen diese im handelsrechtlichen Jahresabschluss ausweisen. Unterschieden wird zwischen Anlagevermögen § 266 Abs. 2 A. I. Nr. 2 HGB:

„entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten“

und

Umlaufvermögen § 266 Abs. 2 B. II. Nr. 4 HGB:

„sonstige Vermögensgegenstände“.

Nach § 253 Abs. 1 HGB sind Vermögensgegenstände mit den Anschaffungskosten, vermindert um Abschreibung anzusetzen. Werden die Bitcoin als Anlagevermögen angesehen, so sind die Anschaffungskosten nach § 253 Abs. 3 HGB abzuschreiben. Werden die Bitcoin hingegen dem Umlaufvermögen zugeordnet, findet die Abschreibung nach § 253 Abs. 5 HGB auf den niedrigsten Wert, der sich aus einem Börsen- oder Marktpreis am Abschlussstichtag ergibt statt.

Bilanzierung beim Mining

Die Besonderheit beim Mining ist, dass Miner die als immaterielle Wirtschaftsgüter eingeordneten Bitcoins selber erschaffen. Nach § 5 Abs. 2 EStG besteht dann jedoch ein Bilanzierungsverbot „Für immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens ist ein Aktivposten nur anzusetzen, wenn sie entgeltlich erworben wurden.“ Doch genau an dem entgeltlichen Erwerb fehlt es an dieser Stelle. Bei dem Mining entstehen jedoch Kosten, welche als Aufwand berücksichtigt werden und nicht etwa im Anlagevermögen gehalten werden. „Vermögensgegenstände sind höchstens mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, vermindert um die Abschreibungen nach den Absätzen 3 bis 5, anzusetzen.“ (§ 253 Abs. 1 HGB)

255 Abs. 2 HGB

„Herstellungskosten sind die Aufwendungen, die durch den Verbrauch von Gütern und die Inanspruchnahme von Diensten für die Herstellung eines Vermögensgegenstands, seine Erweiterung oder für eine über seinen ursprünglichen Zustand hinausgehende wesentliche Verbesserung entstehen. Dazu gehören die Materialkosten, die Fertigungskosten und die Sonderkosten der Fertigung sowie angemessene Teile der Materialgemeinkosten, der Fertigungsgemeinkosten und des Werteverzehrs des Anlagevermögens, soweit dieser durch die Fertigung veranlasst ist. Bei der Berechnung der Herstellungskosten dürfen angemessene Teile der Kosten der allgemeinen Verwaltung sowie angemessene Aufwendungen für soziale Einrichtungen des Betriebs, für freiwillige soziale Leistungen und für die betriebliche Altersversorgung einbezogen werden, soweit diese auf den Zeitraum der Herstellung entfallen. Forschungs- und Vertriebskosten dürfen nicht einbezogen werden.“

255 Abs. 2a HGB

„Herstellungskosten eines selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenstands des Anlagevermögens sind die bei dessen Entwicklung anfallenden Aufwendungen nach Absatz 2. Entwicklung ist die Anwendung von Forschungsergebnissen oder von anderem Wissen für die Neuentwicklung von Gütern oder Verfahren oder die Weiterentwicklung von Gütern oder Verfahren mittels wesentlicher Änderungen. Forschung ist die eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen oder technischen Erkenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten grundsätzlich keine Aussagen gemacht werden können. Können Forschung und Entwicklung nicht verlässlich voneinander unterschieden werden, ist eine Aktivierung ausgeschlossen.“

 

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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