Bitcoin und Steuererklärung?

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Bitcoin zählt seit geraumer Zeit zu einer der bekanntesten Kryptowährungen überhaupt. Die digitale Währung ist kein staatlich bereitgestelltes Zahlungsmittel und unterliegt daher auch nicht der Kontrolle von Staaten oder Zentralbanken. Das ruft besonders im Hinblick auf die steuerrechtliche Betrachtungsweise einige Fragen auf. Wie sind Kryptowährungen zu versteuern, ist dies überhaupt notwendig und wenn ja, wie ist dies in der Steuererklärung anzugeben?

Die Steuererklärung im Hinblick auf Bitcoin und Kryptowährungen

Bitcoin ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, allerdings bedeutet dies nicht, dass Kryptowährungen daher aus steuerrechtlicher Sicht unbedeutend sind. Bitcoins unterliegen dem Ertragsteuerrecht, da diese als immaterielle Wirtschaftsgüter angesehen werden. Gewinne, die durch trading mit Bitcoins erzielt werden, sind daher auch stets in der Steuererklärung zu deklarieren.

Die Steuererklärung stellt eine Erklärung einer natürlichen oder juristischen Person dar, die gegenüber einer Finanzbehörde abzugeben ist. Diese soll sämtliche Tatsachen beinhalten, die zur Ermittlung der Besteuerungsgrundlage und für die Festsetzung einer Steuer benötigt werden.

Die Besteuerung von Kryptowährungen gewinnt durch die zunehmende Bekanntheit und Bedeutung von digitalen Währungen immer mehr an Bedeutung. Grundsätzlich gilt, dass Gewinne die durch den Handel mit Bitcoins erzielt wurden, stets zu versteuern und auch in der Steuererklärung anzugeben sind. Angegeben werden müssen diese in der Einkommensteuererklärung in der Anlage SO.

Einkommensteuererklärung

Es handelt sich bei der Einkommensteuererklärung um die schriftliche Erklärung über die Einkommensverhältnisse eines Steuerpflichtigen. Benötigt wird diese, um die festzusetzende Einkommenssteuer berechnen zu können. Die Einkommenssteuererklärung setzt sich aus verschiedenen Formularen zusammen, bei denen es sich um amtliche Vordrucke handelt. Die benötigten Formulare können entweder beim Finanzamt oder aber auch online bezogen werden. Neben allgemeinen Angaben zur eigenen Person, müssen in Anlagen Auskünfte über die verschiedenen Einkunftsarten getätigt werden. Welche Einkünfte der Einkommenssteuererklärung unterliegen bestimmt § 2 Abs. 1 EStG. Zu den verschiedenen Einkunftsarten gehören so beispielsweise auch Einkünfte aus Gewerbebetrieb (Anlage G), Einkünfte aus Kapitalvermögen (Anlage KAP) und Sonstige Einkünfte (Anlage SO).

Besteht die Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererklärung, muss diese bis zum 31. Mai des auf den Veranlagungszeitraum folgenden Jahres abgegeben werden.

Sonstige Einkünfte – Anlage SO

Sonstige Einkünfte gehören zu den sogenannten Überschusseinkünften, deren Rechtsgrundlage die §§ 22, 23 EStG darstellen. Zu diesen Einkünften gehören beispielsweise private Veräußerungsgeschäfte, wann ein solches Geschäft vorliegt regelt § 23 EStG. Demzufolge liegt ein privates Veräußerungsgeschäft vor, wenn es zu der Veräußerung eines Vermögensgegenstandes aus dem eigenen Privatvermögen kommt. Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften müssen daher grundsätzlich auch versteuert werden und in der Anlage SO deklariert werden. Der Verkauf von Bitcoins zählt als privates Veräußerungsgeschäft und muss daher auch in der Steuererklärung angegeben werden.

Nicht zu verwechseln sind jedoch Gewinne, die durch die Veräußerung von Kryptowährungen wie Bitcoin gemacht werden und Gewinnen aus Aktienveräußerungen. Denn Gewinne aus Aktienveräußerungen stellen Einkünfte aus Kapitalvermögen dar. Der § 20 EStG regelt, wann es sich um Einkünfte aus Kapitalvermögen handelt „Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören Gewinnanteile (Dividenden), Ausbeuten und sonstige Bezüge aus Aktien (…)“ Diese werden nicht in die Anlage SO eingetragen, sondern müssen unter gewissen Umständen in die Anlage KAP eingetragen.

Wie berechnet sich der einzutragende Betrag bei trading Gewinnen mit Bitcoin?

Grundsätzlich gilt, dass nur ein realisierter Gewinn in der Anlage SO der Steuererklärung angegeben werden muss. Der Gewinn, der durch die Veräußerung von Kryptowährungen erzielt wurde ergibt sich aus der Differenz des erzielten Verkaufspreises und dem Einkaufspreis. Die Besonderheit bei Kryptowährungen liegt hier in den Kursschwankungen, weshalb es auf die Reihenfolge der Ein- und Verkäufe ankommt. Bei dem Festlegen der Reihenfolge wird die Fifo-Methode empfohlen (First in, first out). Wurden beispielsweise Bitcoins veräußert und so ein Gewinn erzielt, werden die zuerst gekauften Bitcoins mit den zuerst verkauften Bitcoins verrechnet.

Welche Angaben müssen in der Steuererklärung gemacht werden?

Es besteht grundsätzlich eine Dokumentationspflicht bezüglich des Handels mit Bitcoins. Dem Finanzamt müssen daher sämtliche Käufe und Verkäufe nachgewiesen werden können. Zu den Angaben, die unbedingt notiert werden sollten gehört neben dem Preis noch die erworbene Anzahl.

Sämtliche Gewinne steuerpflichtig?

Ob die erzielten Gewinne steuerpflichtig sind, richtet sich nach der Haltefrist. Wurden die Kryptowährungen vor mehr als einem Jahr gekauft, bleiben die Veräußerungsgewinne steuerfrei. Diese Regelung ergibt sich aus § 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 S. 1 EStG, eine Ausnahme liegt hier jedoch vor, wenn mit der jeweiligen Kryptowährungen Zinsen erwirtschaftet werden. In diesem Fall verlängert sich der Zeitraum auf 10 Jahre.

Werden die Kryptowährungen jedoch bereits nach wenigen Monaten wieder veräußert, fallen Steuern auf den durch die Veräußerung erzielten Gewinn an. Denn der Gesetzgeber unterstellt hier eine Spekulationsabsicht. Versteuert wird der Gewinn dabei in dem Jahr, in dem er realisiert wird.

Freigrenze

Nach § 23 Abs. 3 S. 5 EStG bleiben die erzielten Gewinne steuerfrei, wenn der aus den privaten Veräußerungsgeschäften erzielte Gesamtgewinn im Kalenderjahr weniger als 600 Euro betragen hat. Liegt der erzielte Gewinn über dieser Freigrenze, wird jedoch nicht die Differenz sondern der Gesamte Betrag steuerpflichtig. In der Anlage SO der Steuererklärung sollte der Veräußerungsgewinn jedoch auch dann angegeben werden, wenn dieser unter der Freigrenze von 600 Euro liegt. Denn nicht der Steuerpflichtige, sondern das Finanzamt stellt die Steuerfreiheit fest und benötigt hierzu den genauen Betrag des Veräußerungsgewinns.

Der Verlustvortrag – wichtig bei Kursschwankungen der Kryptowährungen

Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit, den durch den Handel mit Bitcoins erzielten Gewinn mit etwaigen Verlusten zu verrechnen. Man spricht von einem sogenannten „Verlustvortrag“. Durch diesen Verlustvortrag können Verluste aus dem aktuellen Jahr im Folgejahr steuerlich geltend gemacht werden.

Wichtig zu wissen ist hier, dass eine solche Verrechnung nur stattfinden kann, wenn sowohl der Gewinn wie auch der Verlust aus privaten Veräußerungsgeschäften stammen. Es ist zudem möglich die Verluste mit Gewinnen aus anderen Einkunftsarten zu verrechnen.

Für den Verlustvortrag ist die Eintragung in der Steuererklärung unter der Anlage SO erforderlich. Daher sollten nicht nur die Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften, sondern auch die Verluste in der Steuererklärung angegeben werden.

Kryptowährungen als Teil des Betriebsvermögens

Immer mehr Unternehmen investieren in Kryptowährungen wie Bitcoin. Es stellt sich daher die Frage, wie diese zu versteuern sind. Investitionen in digitale Währungen sind als Betriebsvermögen anzusehen und dementsprechend auch steuerrechtlich zu betrachten. Unternehmen haben im Rahmen der Steuererklärung besonders das Einkommenssteuergesetz zu beachten, sowie eine genaue Zuordnung der Kryptowährung zum Anlage- oder Umlaufvermögen vorzunehmen. Die Zuordnung richtet sich dabei nach dem Sinn und Zweck. Werden Kryptowährungen mit einer Spekulationsabsicht erworben, werden diese in der Regel dem Umlaufvermögen zugeordnet. Plant das Unternehmen die Kryptowährungen für eine längere Zeit zu halten, handelt es sich für gewöhnlich um Anlagevermögen. Wurden die Kryptowährungen dem Betriebsvermögen zugeordnet, besteht grundsätzlich eine Steuerpflicht. Es besteht hier weder eine Ausnahme durch die Haltedauer, noch besteht ein Freibetrag, bis zu dem keine Steuern anfallen. Die Besteuerung des erzielten Gewinns richtet sich nach der Rechtsform des Unternehmens.

Trading mit Kryptowährungen

Das Trading beschreibt den Handel von verschiedenen Finanzinstrumenten. Es handelt sich um eine kurzfristige Kapitalanlage, die spekulativ ausgerichtet ist und auf eine möglichst volatile Kursbewegung setzt. Besonders Wertpapiere spielen eine große Rolle im Bereich Trading, doch auch mit Kryptowährungen ist es möglich an bestimmten Handelsplätzen zu traden. Für den Handel mit Wertpapieren wird ein Broker benötigt, der den Zugang zu den Handelsmärkten gewährleistet. Das Trading mit Kryptowährungen wie Bitcoin findet hingegen auf besonderen Handelsplätzen statt. Es ist nicht möglich Bitcoins über das eigene Wertpapierdepot zu kaufen und zu verkaufen.

Aus steuerrechtlicher Sicht ist bei dem Trading jedoch grundsätzlich zwischen Wertpapieren und Kryptowährungen zu unterscheiden. Bei Kryptowährungen handelt es sich um private Veräußerungsgeschäfte, bei denen es sich um sonstige Einkünfte handelt. Werden hingegen mit der Veräußerung von Wertpapieren Gewinne erzielt, stellen diese Einkünfte aus Kapitalvermögen dar. Diese werden nicht etwa wie Gewinne durch das Trading mit privaten Veräußerungsgeschäften in die Anlage SO, sondern in die Anlage KAP eingetragen.

Einkünfte aus Kapitalvermögen – Anlage KAP – Unterschied zu Bitcoin

Sowohl mit Bitcoins, als auch mit Aktien lassen sich durch das Trading Gewinne erzielen. Steuerrechtlich werden diese jedoch anders behandelt und werden daher auch in der Steuererklärung unterschiedlich angegeben. Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören grundsätzlich sämtliche Entgelte aus der Nutzungsüberlassung von Kapital. Dazu gehören auch die Gewinne, die durch das Trading mit Aktien entstehen. Im Gegensatz zu einem Gewinn, der aus dem Trading mit Kryptowährungen hervorgeht, werden Aktiengewinne nicht in die Anlage SO, sondern allenfalls in die Anlage KAP eingetragen.

Im Hinblick auf die Einkünfte aus Kapitalvermögen gilt seit 2009 die sogenannte „Abgeltungssteuer“. Es handelt sich dabei um eine Quellensteuer, deren Höhe 25% beträgt und die bereits an der Quelle erhoben wird. Das bedeutet, dass der Steuerzahler diese Steuer nicht selber zahlen muss. Durch die seit 2009 geltende Abgeltungssteuer kommt der Anlage KAP in der Steuererklärung nur noch eine geringe Bedeutung zu. Denn durch die diese gilt die Einkommenssteuer auf Kapitalerträge bereits als abgegolten, was die Notwendigkeit der Abgabe der Anlage in vielen Fällen entfallen lässt.

In einigen Fällen besteht jedoch die Pflicht, die Anlage KAP einzureichen. Wurden die erzielten Kapitalerträge beispielsweise nicht von der Abgeltungssteuer erfasst, wie dies beispielsweise bei ausländischen Kapitalerträgen der Fall sein kann, so müssen die Erträge in die Anlage KAP eingetragen werden.

Eine Abgabe der Anlage KAP ist zudem empfehlenswert, wenn steuerliche Vergünstigungen geltend gemacht werden sollen. Dazu gehören unter anderem außergewöhnliche Belastungen, die innerhalb des jeweiligen Jahres entstanden sind. Auch bei dem Vorliegen eines niedrigen persönlichen Steuersatzes, der sich unterhalb des Satzes der Abgeltungssteuer befindet, macht die Abgabe der Anlage KAP Sinn.

Mining – handelt es sich um sonstige Einkünfte?

Bitcoins werden nicht wie etwa gesetzliche Zahlungsmittel von einer Zentralbank ausgegeben, sie werden durch das sogenannte Mining erzeugt. Durch das Lösen mathematischer Gleichungen werden diese vom Netzwerk selbst geschaffen. Es handelt sich bei dem Mining nicht um ein privates Veräußerungsgeschäft, dessen Gewinn in der Steuererklärung unter sonstige Einkünfte – Anlage SO eingetragen werden muss.

Grundsätzlich handelt es sich bei dem Mining um eine gewerbliche Tätigkeit. Was unter einer gewerblichen Tätigkeit zu verstehen ist lässt sich § 15 Abs. 2 EStG entnehmen „Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist.“

Das bedeutet, dass Miner grundsätzlich gewerblich tätig sind und die durch das Mining erzielten Gewinne demzufolge auch nicht in die Anlage SO eingetragen werden. Nur wenn es sich lediglich um eine gelegentliche Tätigkeit handelt, zählen die durch das Mining erzeugten Bitcoins als Einkünfte aus sonstigen Leistungen. Doch auch hier besteht nach § 22 Nr. 3 S. 2 EStG eine Ausnahme der Einkommenssteuerpflicht „Solche Einkünfte sind nicht einkommensteuerpflichtig, wenn sie weniger als 256 Euro im Kalenderjahr betragen haben“. Der persönliche Einkommenssteuersatz greift erst dann, wenn diese Freigrenze überschritten wird.

Für gewöhnlich handelt es sich bei dem Mining allerdings nicht um eine gelegentliche Tätigkeit. Vielmehr sollen durch das Mining regelmäßige Einkünfte erzielt werden, weshalb es sich auch um gewerbliche Einkünfte handelt. Die Gewinne, die durch das Mining erzielt werden, stellen gem. § 15 Abs. 1 EStG Gewinne aus Gewerbebetrieb dar.

Wie berechnet sich der Gewinn durch das Mining?

Der Gewinn, der sich aus Einkünften aus Gewerbebetrieb ergibt kann entweder durch Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) nach § 4 Abs. 3 EStG oder durch Bilanzierung nach § 5 Abs. 1 ESt ermittelt werden. Dem Gewerbetreibenden obliegt bis zu einer gewissen Größe eine freie Wahl hinsichtlich der Bilanzierung. Erst ab einem Gewinn von 60.000 Euro steht dieser in der Pflicht zu bilanzieren. Dies geht aus § 141Abgabenordnung (AO) hervor „Buchführungspflicht bestimmter Steuerpflichtiger“.

Erfasst werden die durch das Mining erzielten Gewinne im Zeitpunkt der Entstehung. Ausschlaggebend ist somit der jeweilige Wert eines Bitcoin, um den erzielten Gewinn berechnen zu können. Der Gewinn ergibt sich dabei wie auch bei einem Veräußerungsgewinn aus der Differenz zwischen Anschaffungskosten und dem schlussendlichen Erlös. Im Falle des Mining stehen sich demzufolge die Betriebsausgaben und die Betriebseinnahmen gegenüber. Zu den Betriebsausgaben gehören insbesondere die Kosten für die Hardware und Verwaltungskosten.

Mining – besteht Gewerbesteuerpflicht?

Miner haben als Gewerbetreibende ab einem bestimmten Betrag die Gewerbesteuer zu zahlen. Diese fällt nach § 11 GewStG erst ab einem Gewinn von 24.500 Euro an. Der angesetzte Steuersatz richtet sich dabei nach der Gemeinde, in der das Gewerbe angemeldet wurde.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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