Zeitarbeit

Des einen Freud ist des anderen Leid. Diese alte Redensart trifft als Beschreibung für die immer weiter verbreitete Zeitarbeit ins Schwarze. Zeitarbeit ist ein Modell, mit welchem Unternehmen einen zeitweisen erhöhten Arbeitnehmerbedarf bewältigen können, ohne sich fest an neue Mitarbeiter binden zu müssen, die nach besonders auftragsstarken Zeiten nicht mehr benötigt werden. Zwar hat Zeitarbeit auch für den Arbeitnehmer gewisse Vorzüge. So ist die Chance, unverzüglich ins Arbeitsleben einsteigen zu können, im Bereich der Zeitarbeit besonders hoch. Fraglich ist jedoch, ob dies die Zeitarbeit nicht eher zu einer besseren Alternative zur Arbeitslosigkeit als zu einer befriedigenden Betätigung für den Arbeitnehmer macht.

Das Prinzip Zeitarbeit

Das Zeitarbeits-Modell ist dreiteilig, der Arbeitnehmer wird von einer Zeitarbeitsfirma angestellt, welche ihn wiederum an dritte Unternehmen vermittelt. Das Arbeitsverhältnis bleibt jedoch zwischen Arbeitnehmer und Zeitarbeitsfirma bestehen, sodass kein Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Verhältnis zwischen dem Zeitarbeiter und dem Unternehmen, in welchem die Arbeitsleistung erbracht wird entsteht. Lediglich das Weisungsrecht eines Arbeitgebers wird auf das Drittunternehmen übertragen, was zu Folge hat, dass sich für den Arbeitnehmer im Arbeitsalltag, dieses Unternehmen faktisch als Arbeitgeber darstellt. Alle arbeitsrechtlichen Faktoren hinter der eigentlichen Arbeitsleistung, wie Sozial- und Krankenversicherung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaub etc., wird jedoch zwischen Zeitarbeiter und der Zeitarbeitsfirma abgewickelt. Bezüglich des Urlaubs ist es jedoch bei einer Langzeitleihe üblich, dass sowohl mit der Zeitarbeitsfirma als auch mit dem leihenden Unternehmen Abstimmungen getroffen werden müssen, was eine doppelte Belastung für den Arbeitnehmer bedeutet.

Kosten und Gehalt von Zeitarbeitern

Ein bedeutender Nachteil an dem Zeitarbeitsmodell für Arbeitnehmer ist eine verhältnismäßig niedrige Bezahlung. In der Regel verdienen Zeitarbeiter bei gleicher Arbeitsleistung wie fest in dem Unternehmen angestellte Arbeitnehmer deutlich weniger (http://www.wirtschafteinfach.de/kosten-leiharbeiter/). Während (durchschnittliche, nicht überqualifizierte) Zeitarbeiter oft genau den Mindestlohn von 8,50 Euro bekommen, kann ein Festangestellter auf selber Position auf einen deutlich höheren Stundenlohn kommen. Dieser Unterschied ist dem 3-Stufen-System geschuldet, da das leihende Unternehmen unter Umständen der Zeitarbeitsfirma aufgrund deren Flexibilität und Verwaltungskosten sogar mehr für einen geliehenen Mitarbeiter als für einen eigenen zahlt. Die tatsächlichen Kosten für das Leihende Unternehmen liegen schätzungsweise beim 1,8-2,5 fachen des Bruttostundelohnes des Zeitarbeitnehmers. Dafür ist es zu keiner Zeit an den Arbeitnehmer gebunden und kann ihn jederzeit wieder „abbestellen“, sodass in umsatzschwachen Phasen, keine Arbeitnehmer bezahlt werden müssen. Ein weiterer Vorteil für das Unternehmen ist das Outsourcing der Personalbelange und somit Entlastungen des Personalbereich sowohl bei Büroarbeiten als auch bei der Mitarbeitersuche. All dies übernimmt die Zeitarbeitsfirma.

Fazit

Dieser kleine Einblick lässt erahnen, dass es sich bei dem Thema Zeitarbeit um ein sehr interessantes, und für Unternehmen wirtschaftliches Beschäftigungsmodell handelt. Aufgrund von häufig wechselnden Arbeitsplätzen, schlechter Bezahlung am Rande des Mindestlohnes und verkomplizierten Absprachen z.B. bzgl. Urlaub, sowie mangelnder Planungssicherheit ist jedoch bei diesem wachsenden Mark tatsächlich und ggf. auch rechtlich fraglich, ob dieses Modell den Arbeitnehmer nicht insgesamt zu sehr benachteiligt.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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