Worauf Sie beim Vorstellungsgespräch achten müssen

Beim Vorstellungsgespräch werden die Weichen gestellt. Nun entscheidet sich, ob der Bewerber den begehrten Job, der Arbeitgeber den begehrten Arbeitnehmer, erhält. Ein Vorstellungsgespräch enthält aber auch einige rechtliche Tücken für den Arbeitnehmer, aber vor allem auch für den Arbeitgeber. Diese sollen im Folgenden näher erläutert werden.

I. Kosten des Gesprächs

Für das Gespräch entstehen oft Kosten. Dies können z.B. Kosten für die Bahn sein oder gar für eine Flugreise. Aber auch der Arbeitgeber hat Kosten, wenn er z.B. für das Gespräch einen oder mehrere Mitarbeiter einsetzt. Gerade, wenn dann das erhoffte Arbeitsverhältnis nicht zustande kommt, begehrt der eine Teil von dem anderen Teil die Erstattung der Kosten.

Arbeitgeber gehen dabei in der Regel leer aus. Es fehlt in den meisten Fällen schlichtweg an einer Rechtsgrundlage für einen Anspruch auf Kostenerstattung.

Der Bewerber kann grundsätzlich die Kosten für die Anreise vom Arbeitgeber ersetzt verlangen, weil bei der Einladung zum Vorstellungsgespräch und der Annahme durch den Bewerber ein auftragsähnliches Verhältnis zustande kommt. Die Kosten umfassen Positionen wie: Reisekosten, Verpflegung und sogar Übernachtung.

Diese Kosten können aber nicht beliebig hoch sein, sondern müssen sich im Rahmen des angemessenen halten. Befindet sich der Ort bspw. nur ca. 200 km vom Wohnsitz entfernt, dann dürfte die Verwendung eines Flugzeugs unangemessen sein. Ebenso ist bedeutsam, um welchen Job es sich handelt. So darf ein potenzieller Geschäftsführer durchaus auch erster Klasse reisen, währenddessen sich ein „einfacher“ Mitarbeiter auf die zweite Klasse beschränken muss.

Im Vorfeld sollte also Klarheit darüber bestehen, welche Reisemittel erlaubt sind. Der Arbeitgeber kann dabei die Reisemittel und die zu erstattenden Kosten beliebig beschränken. Dadurch läuft er jedoch Gefahr, dass die Bewerber diesen als geizig wahrnehmen und er sich potenziell aussichtsreichen Kandidaten verschließt.

II. Einzuladende Personen

Eine Einladungspflicht gibt es grundsätzlich nur im öffentlichen Dienst in Bezug auf schwerbehinderte Arbeitnehmer (Bewerber).

Jedoch kann das Bewerbungsgespräch auch genutzt werden, um vorherige Fehler, die gegeben falls einen Verstoß gegen das AGG-Recht darstellen könnten, zu beheben.

Wurde z.B. eine Stelle nur für junge Menschen oder für ein Geschlecht ausgeschrieben, kann dies einen Verstoß gegen das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darstellen. Bewerben sich nun auch ältere Menschen oder das jeweils andere Geschlecht, kann der Vermutung einer Benachteiligung entgegengetreten werden, indem man diese Personengruppen faktisch mit einbezieht. Zugleich können über das Vorstellungsgespräch Scheinbewerbungen sogenannter AGG-Hopper ausgesondert werden.

Haben Sie Fragen zu einer AGG-Konformen Stellenausschreibung oder Personalauswahl? Dann kontaktieren Sie uns gerne.

III. Das Fragerecht des Arbeitgebers

Im Regelfall hat der Arbeitgeber ein umfassendes Interesse, möglichst viel über den Bewerber zu erfahren. Schließlich soll dieser Bewerber auch ein Teil des Unternehmens werden und muss in fachlicher und persönlicher Hinsicht „reinpassen“.

Dabei gilt grundsätzlich: Beantwortet der Bewerber für den Arbeitgeber relevante Fragen unrichtig, dann kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag sogar wegen arglistiger Täuschung anfechten. Er braucht also kein besonderes Kündigungsrecht. Gegebenenfalls muss der Arbeitnehmer bestimmte Tatsachen von sich aus preisgeben, wenn ihn eine Offenbarungspflicht trifft. Dies z.B. dann, wenn er kurz nach Aufnahme der Arbeit eine längere Haftstrafe antreten muss oder für die Arbeit gar nicht geeignet ist.

Der Arbeitnehmer muss aber nicht in allen Fällen wahrheitsgemäß antworten, sondern nur, wenn der Arbeitgeber auch fragen darf. Stellt der Arbeitgeber eine unberechtigte Frage, dann hat der Bewerber das Recht zur Lüge.

Daher muss im Einzelfall stets zwischen dem Interesse des Arbeitgebers an den tätigkeitsrelevanten Tatsachen sowie dem Interesse des Arbeitnehmers an Geheimhaltung abgegrenzt werden. Dies kann im Einzelfall schwer sein.

Gerade dann, wenn ein Umstand betroffen ist, der eine Diskriminierung im Sinne des AGG betreffen kann, müssen die Interessen des Arbeitgebers hintenanstehen. Dies betrifft z.B. Fragen nach einer Schwangerschaft oder nach Krankheiten. Im letzten Falle kann es jedoch Ausnahmen geben, wenn bestimmte Krankheiten besondere Auswirkungen auf die Tätigkeit haben können (z.B. HIV-Erkrankung bei einer Labortätigkeit).

Im Einzelfall kann die Abgrenzung zwischen erlaubten Fragen und verbotenen Fragen schwierig sein. Sofern Sie sich nicht sicher sind, ist es ratsam einen Fachanwalt mit der rechtlichen Überprüfung dieser Frage zu beauftragen.

IV. Zusammenfassung

Das Bewerbungsgespräch weißt in rechtlicher Hinsicht einige Tücken und Fallen auf. Angefangen von der Frage, wer die Kosten des Bewerbungsgesprächs und der Anreise trägt bis hin zu den erlaubten Fragen, die der Arbeitgeber dem Bewerber stellen darf.

Es kann sich auch hier lohnen, einen Fachanwalt schon auf dieser Stufe hinzuzuziehen, der den Arbeitgeber oder den Arbeitnehmer (darf mich der Arbeitgeber das fragen?) rechtssicher berät und dadurch einen Streit im Vorfeld des Arbeitsverhältnisses vermeiden kann.

Gerne können Sie uns dazu kontaktieren. Von A wie Aufnahme des Arbeitsverhältnisses über K wie Kündigung bis Z wie Zusatzvereinbarung; Wir sind für Sie da!

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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