Vertrauensarbeitszeit: Ein guter Weg zur Arbeitszeitflexibilisierung?

Unter dem Stichwort „Vertrauensarbeitszeit“ versuchen viele Unternehmen eine Flexibilisierung der Arbeitszeit zu erreichen. Oft werden Gleitzeitmodelle und andere Regelungen zur Arbeitszeit als einengend und wenig Mitarbeiter motivierend empfunden.

Wenn dann eine „Vertrauensarbeitszeit“ eingerichtet wird, bleibt dem einzelnen Mitarbeiter  selbst die Einteilung, Einhaltung und aufgabengerechte Verteilung der Arbeitszeit überlassen. Lediglich der wöchentliche Rahmen für die Arbeitszeit ist dann im Arbeitsvertrag festgelegt.

Bei der Vertrauensarbeitszeit haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Möglichkeit, durch eine flexible Gestaltung Überstunden abzubauen oder vorzuarbeiten. Im konkreten Arbeitsvertrag und Arbeitsverhältnis bedeutet eine Vertrauensarbeitszeit einen verantwortungsvollen Umgang mit der freien Verteilung der Arbeitszeit, zum anderen muss ein Arbeitgeber auch sicherstellen, dass keine Überlastungen erfolgen. Dies ist in der Praxis vor dem Hintergrund der vielfältigen Diskussionen zum Thema Burnout ein wichtiger Aspekt.

Immer wieder ist zu beobachten, dass Mitarbeiter in einem Vertrauensarbeitszeitmodell mehr arbeiten als bei fixierten Arbeitszeitmodellen. Hier ergeben sich aus den Fürsorgepflichten des Arbeitgebers Anforderungen. Beispielsweise sollten Mitarbeiter ausdrücklich verpflichtet werden, ihren Vorgesetzten zu informieren, falls dauerhaft die vertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit überschritten wird oder bestimmte Aufgaben nicht innerhalb der vertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit erledigt werden können.

Unabhängig von dem Vertrauensarbeitszeitmodell gibt es nach dem Arbeitszeitgesetz Grenzen der Arbeitszeitgestaltung. Beispielsweise darf die zulässige Höchstarbeitszeit pro Werktag von 10 Stunden nicht überschritten werden. Auch die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden ist einzuhalten. Weiterhin ist bei Arbeitszeiten von mehr als 6 Stunden pro Tag eine Ruhepause von 30 Minuten vorgeschrieben. Es muss dem jeweiligen Betrieb sichergestellt werden, dass diese gesetzlichen Anforderungen eingehalten sind. Ansonsten droht dem Arbeitgeber ein Bußgeld.

Arbeitszeitnachweise: Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten des Arbeitgebers

Gemäß § 16 Abs. 2 ArbZG muss ein Arbeitgeber die gesetzlichen Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten einhalten. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die über die werktägliche Arbeitszeit hinausgehende tägliche Arbeitszeit aufzuzeichnen und die Aufzeichnung für 2 Jahre aufzubewahren, § 16 Abs. 2 ArbZG.

Diese gesetzlichen Anforderungen gelten auch bei der Einführung einer Vertrauensarbeitszeit. In der betrieblichen Praxis wird dies zum Teil unterschiedlich gehandhabt. Da das Gesetz bei Werktagen von einer 6-Tage-Woche ausgeht, beträgt bei einer 5-Tage-Woche die tägliche Höchstarbeitszeit 9,6 Stunden. Zum Teil wird die Auffassung vertreten, dass Arbeitszeiten erst aufgezeichnet werden müssen, wenn 9,6 Stunden pro Tag überschritten sind. Der Arbeitgeber kann sowohl die Aufzeichnung als auch die Aufbewahrung an den Mitarbeiter delegieren. Allerdings sind Kontrollen der entsprechenden Dokumentation und Aufbewahrung durchzuführen. Werden die Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten nicht eingehalten, droht ein Ordnungsgeld von bis zu 15.000,00 EUR, § 22 Abs. 1 Nr. 9, Abs. 2 ArbZG.

Gern beraten wir Sie zu Einzelheiten der Einführung einer Vertrauensarbeitszeit. 

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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