Tattoo oder Traumjob

Tätowierungen werden in den letzten Jahren immer populärer und selbstverständlicher. Sie gelten als Zeichen der Individualität, Selbstbestimmung oder auch einfach als „Schmuck“ des Körpers. Werden diese Werte durch ein Tattoo an Körperstellen unter die Haut manifestiert, welche ausschließlich im Privaten einsichtig sind, darf die Freiheit, seinen Körper nach eigenem Belieben zu gestalten, durch niemanden beschränkt werden, erst Recht nicht von dem Arbeitgeber. Rechtsanwalt Thomas Feil aus Hannover, Fachanwalt für Arbeitsrecht, gibt Hinweise zum Umgang mit Tätowierungen. Gerne können Sie unsere Kanzlei in Hannover in jeder arbeitsrechtlichen Frage ansprechen.

Grundsatz offene Tattoos

Etwas anders sieht es an für jedermann sichtbaren Stellen wie Händen, Hals und Kopf aus. Auch hier hat der Arbeitgeber natürlich kein unmittelbares Mitbestimmungsrecht an der Körpergestaltung des Arbeitnehmers, er kann jedoch tatsächlich die Einstellung eines potentiellen Kandidaten verweigern, wenn das Tattoo dem erforderlichen Erscheinungsbild im angestrebten Beruf entgegensteht. Dies ist insbesondere der Fall, wenn die Berufsgruppe durch eine besondere Einheitlichkeit durch Uniform gekennzeichnet ist, oder eine vermeintliche Seriösität ausstrahlen soll, welcher eine Tätowierung entgegen stehen könnte.

Ausnahme verstecke Tattoos

Bekundet eine Tätowierung des Bewerbers, eine mit dem Beruf konträr laufende Gesinnung, kann die Beschäftigung des Bewerbers sogar verweigert werden, wenn das Tattoo an einer nicht im Berufsalltag einsehbaren Stelle gestochen ist.

Grauzone Unterarm: Aktuelle Entscheidung und mögliche Kompromisse

In einem aktuell im Eilverfahren entschiedenen Fall stand eine Unterarmtätowierung einer Bewerberin in Frage. Diese klagte gegen die Verweigerung der Zulassung zum Einstellungsverfahren bei der Bundespolizei aufgrund ihrer Unterarmtätowierung. Dort prangte der Schriftzug „Bitte zähme mich“ auf Französisch, ein Zitat aus „Der kleine Prinz“. Die Ablehnung wurde damit begründet, dass die Sommeruniform kurzärmelig sei und das Tattoo somit deutlich sichtbar wäre. Die durch die Uniformen bezweckte Neutralität, die keinen Ansatz für Provokation bieten soll, sei durch eine solche Tätowierung beeinträchtigt. Der Ablehnung durch den Arbeitgeber wurde im Eilverfahren von dem Verwaltungsgericht Darmstadt zugestimmt (Beschl. v. 27.05.2014, Az. 1 L 528/14.DA). Das Gericht begründete dies insbesondere damit, dass Bundepolizisten oft die „ersten Vertreter des deutschen Staates“ seien die Ausländer etwa bei grenzüberschreitenden Verkehrskontrollen wahrnähmen. Außerdem könne davon ausgegangen werden, dass die Gesellschaft Polizisten mit großflächigen Tätowierungen nicht toleriere.

Fraglich ist jedoch, ob nicht ein Mittelweg hätte gefunden werden können, indem etwa die Bewerberin zum Auswahlverfahren zugelassen würde, mit der Auflage im Falle der erfolgreichen Einstellung stets langärmelige Uniformen zu tragen. Denn dass, insbesondere in einer traditionellen Männerdomäne wie dem Polizeiberuf, ein Spruch wie „Bitte zähme mich“ auf dem Arm, wenn auch aus einem Kinderbuch Kontext den jedoch sicherlich nicht jedermann kennen oder verstehen wird, für Anstoß und Anzüglichkeiten sorgen kann, ist offensichtlich. Eine nächstinstanzliche Entscheidung ist in diesem Fall wohl noch abzuwarten.

Fazit

Es bleibt dabei, dass in einigen Berufsgruppen großflächige gut sichtbare Tätowierungen ein Einstellungshindernis darstellen können. Sicher ist daher, wer seine Tattoos unter der Berufskleidung vollkommen bedecken kann. Jede Tätowierung sollte daher auch aufgrund von arbeitsrechtlichen Aspekten gut überdacht und platziert werden.

Haben Sie ärger mit Ihrem Arbeitgeber? Rufen Sie uns an. Rechtsanwalt Feil, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Hannover, berät Arbeitnehmer bundesweit, auch bei Kündigungen und Kündigungsschutzklage. Unsere Kanzlei in Hannover steht Ihnen gerne zur Verfügung.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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