Mobbing am Arbeitsplatz kann Schadensersatz bedeuten

Ob Mobbing, Bossing oder Straining. Diese Begriffe beschreiben andauernde psychische Angriffe auf Mitarbeiter. Wer über längere Zeit am Arbeitsplatz schikaniert oder diskriminiert wird, leidet meist auch privat unter den Beleidigungen. Neuen Nährboden erfährt die Diskriminierung von Mitarbeitern auch durch die stärker werdende Bedeutung von Internet und sozialen Netzwerken. Im Arbeitsrecht ist der Begriff „Mobbing“ mittlerweile allgemein anerkannt und führt regelmäßig zu Schadensersatzzahlungen in bis zu 5-stelligen Summen. Jedoch handelt es sich nicht bei jeder einzelnen diskriminierenden Äußerung direkt um einen Fall von Mobbing. Zwar existiert bisher in keinem Gesetz eine allgemeingültige Definition des Begriffs „Mobbing“, das Landgericht Erfurt (Az.: 3 O 1157/10) hat dies in einem Grundsatzurteil so formuliert:

 „Mobbing liegt vor, wenn systematische Anfeindungen, Schikanen und Diskriminierungen die berufliche Tätigkeit des Arbeitnehmers nachhaltig beeinträchtigen.“

Dabei weist das Gericht darauf hin, dass „einzelne Handlungen und Maßnahmen sowie Verhaltensweisen (…) dagegen auch bei nachteiligen Folgen keinen Mobbingvorwurf“ begründen. Im Klartext bedeutet dies: Wer sich vereinzelt kleineren Schikanen ausgesetzt sieht, hat deshalb vor Gericht wenig Chancen, dass ihm ein Anspruch auf Schadensersatz wegen Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts zugesprochen wird. Ärger oder situationsabhängiger Streit unter Mitarbeitern kommt und vielen Betrieben vor und wird von Gerichten häufig noch als normal und sozial adäquat gewertet, begründet also noch kein Mobbing.

Ab wann liegt jedoch ein solches System hinter den Anfeindungen? Ob Mobbing vorliegt oder nicht ist schwer zu verallgemeinern. Psychische Probleme wie Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Kopfschmerzen treten nicht bei vereinzelten Streitereien auf, sondern deuten vielmehr auf eine nachhaltige Beeinträchtigung  hin.

Was tun bei Mobbing?

Vor einem Gericht zu klagen wird das Betriebsklima in den meisten Fällen endgültig ins Negative verändern. Daher sollten vorher alle anderen Optionen in Erwägung gezogen werden. So kann zunächst ein Gespräch mit Personal- oder Betriebsrat gesucht werden. Sobald der Arbeitnehmer den Betriebsrat und den Arbeitgeber über das Mobbing unterrichtet, sind diese sogar rechtlich verpflichtet, den Vorwürfen nachzugehen. Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) schreibt vor, mögliche Gefahrenquellen für angenehme Arbeitsbedingungen abzubauen und geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Viele Arbeitgeber haben die Mobbing-Problematik erkannt und beschäftigen sich zusammen mit den Arbeitnehmern bereits ernsthaft bei Personalversammlungen und in Form von Öffentlichkeitsarbeit mit dem Thema Mobbing.

Sollten alle Maßnahmen keine Besserung für den Betroffenen bringen, bleibt weiterhin die Option, sich von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen. Ein Arbeitgeber, der seiner Fürsorgepflicht für die Arbeitnehmer nicht nachkommt, macht sich in vielen Fällen schadensersatzpflichtig. Denn hat er es vorsätzlich oder fahrlässig unterlassen, den Arbeitnehmer vor Mobbing zu schützen oder sogar selbst gemobbt, ist dies eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Auch das Entziehen von Aufgabenbereichen und Versetzen innerhalb des Betriebs kann Mobbing, bzw. Bossing darstellen. Außerdem kann Mobbing ein außerordentliches Kündigungsrecht gem. §628 Abs. 2 BGB für den Arbeitnehmer begründen, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, weiter wie gewohnt zur Arbeit zu müssen.

Als Arbeitnehmer sollte man sich auch durch den Vorgesetzten oder Chef nicht alles gefallen lassen. Es gibt häufig Mittel und Wege, im Dialog mit Mitarbeitern oder Betriebsrat eine Lösung herauszuarbeiten. Sollte trotzdessen eine Besserung nicht in Sicht sein, hilft, bevor die eigene Gesundheit zu stark durch das Mobbing angegriffen wird, der Gang zum Rechtsanwalt. Fachanwalt für Arbeitsrecht Thomas Feil, Hannover, steht Ihnen gern für Informationen zur Verfügung.

 
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