Eine Kündigung wegen Krankheit in der Probezeit

Bevor sich ein Arbeitgeber dazu entschließt, eine Person fest einzustellen, wird meistens eine sogenannte Probezeit vereinbart. Diese dient dazu, sich gegenseitig kennenzulernen. Der Arbeitgeber kann so in Ruhe den Arbeitnehmer “testen” und insbesondere ausprobieren, ob dieser nicht nur fachlich, sondern auch menschlich ins Team passt. Während dieser Probezeit steht dem Arbeitgeber gem. § 622 Abs. 3 BGB ein Kündigungsrecht mit kurzer Frist zu – so kann schnell reagiert werden, wenn der oder die Neue sich als unpassend erweist. Diese “kurzfristige” Kündigung gilt aber nur, wenn die Probezeit für längstens 6 Monate vereinbart wurde. Darüber hinausgehende Vereinbarungen sind zwar wirksam, können aber dazu führen, dass von § 622 Abs. 3 BGB kein Gebrauch mehr gemacht werden kann.

Probleme bei der Krankheit während Probezeit

In besonders ungünstigen Fällen kann es dazu kommen, dass der oder die auf Probezeit Angestellte schon binnen kürzester Zeit als Arbeitskraft ausfällt, etwa wegen dem Vorliegen einer schweren, lang andauernden Krankheit. In der Probezeit wie auch sonst im normalen Arbeitsverhältnis ist es für den Entgeltfortzahlungsanspruch wichtig, dass der Arbeitgeber unverzüglich über das Fernbleiben vom Arbeitsplatz wegen Krankheit informiert wird. Darunter ist nicht unbedingt die Einreichung eines Attests zu verstehen, allerdings muss der Arbeitgeber wissen, dass man krankheitsbedingt ausfällt.
Für die Frage, an wen sich der Arbeitnehmer für die Lohnfortzahlung trotz Krankheit wenden darf, muss auf die bisher erbrachte Arbeitszeit geachtet werden. War der Arbeitnehmer weniger als vier Wochen aktiv, zahlt die Krankenkasse. Bei längerer Arbeitsdauer und sodann erfolgter Erkrankung kann sich der Arbeitnehmer – auch in der Probezeit – an den Arbeitgeber halten.

Kündigung während Krankheit?

Viele Arbeitnehmer meinen, dass ihnen während der Erkrankungszeit keine Kündigung ausgesprochen werden kann. Dem ist aber nicht so. Auch wenn der Arbeitnehmer krank ist und dies mit einem Attest belegt hat, kann der Arbeitgeber dennoch eine Kündigung erklären – dies gilt auch in der Probezeit. In der Probezeit kann dies sogar mit der kurzen Frist gem. § 622 Abs. 3 BGB und ohne Grund geschehen, denn der Kündigungsschutz greift hier nicht bei Probezeiten von unter 6 Monaten. Insofern besteht hier kein “Schutz durch Krankheit” für den Arbeitnehmer. Die Empörung über diese Möglichkeiten der Arbeitgeber kann man auch in Foren nachlesen, beispielsweise hier:
Forenbeiträge zur Frage “Probezeit und Kündigung während Krankheit”

Für den Arbeitgeber kann dies allerdings Konsequenzen haben. Wenn nämlich aufgrund des Krankheitsfalles gekündigt wird, bedeutet dies nicht, dass deswegen der Anspruch auf Lohnfortzahlung entfällt. Viel mehr regelt § 8 des Entgeltfortzahlungsgesetzes diesen Fall und schreibt vor, dass dieser Entgeltfortzahlungsanspruch nicht dadurch berührt wird, dass der Arbeitgeber eine Kündigung wegen krankheitsbedingtem Fernbleiben vom Arbeitsplatz ausspricht. Hier wird übrigens gerichtlich vermutet, dass eine Kündigung, die während der Krankheitsphase ausgesprochen wurde (erst Recht, wenn diese unverzüglich auf das Einreichen des Attests erfolgt), eine krankheitsbedingte Kündigung darstellt. Der Arbeitnehmer trägt hier also ausnahmsweise nicht die Beweislast für den Kündigungsgrund.

Möglichkeiten für die Gekündigten

Wer eine Kündigung erhalten hat, kann sich dagegen grundsätzlich mit dem Einreichen einer Kündigungsschutzklage wehren. Dies gilt auch, falls das Kündigungsschutzgesetz nicht einschlägig ist, etwa weil die Arbeitsdauer noch nicht ausreichend lang war. Im Wege dieser Klage kann auch eine – bisher unrechtmäßig unterbliebener – Lohnfortzahlung geltend gemacht werden. Für arbeitsrechtliche Fragen – auch bei Probezeit – stehen wir Ihnen als Kanzlei für Arbeitsrecht in Hannover gerne bundesweit zur Verfügung. Uns können Sie per Telefon oder auch per Email kontaktieren, um sich eine unverbindliche Ersteinschätzung einzuholen.

 
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2 Kommentare zu “Eine Kündigung wegen Krankheit in der Probezeit
  • 22. November 2016 um 10:04

    Guten Tag,

    vielen Dank für Ihre arbeitsrechtliche Anfrage bezüglich Ihrer Kündigung. Wir setzen uns umgehend mit Ihnen in Verbindung.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 21. November 2016 um 17:04
    Sven Schultz sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren
    Ich habe vor kurzem im Pflegeheim gearbeitet und bin am 18.11.2016 zum Arzt gegangen wegen schmerzen im Unterarm .Die Firma entschloss sich mich gleich zu kündigen, ich arbeite im Pflegeheim seit dem 4.7.2016.bin jetzt voraussichtlich bis ende November krankeschrieben . meine derzeitige Krankschreibung beläuft sich noch bis zum 25.11.2016.
    Nun meine frage sollte ich noch länger krank muss der Arbeitgeber weiterzahlen ?Für ihre Bemühungen bedanke ich mich im voraus und verabschiede mich freundlichen Gruß
    Sven Schultz

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