Krankmeldung ohne Krankheit – Im Krankheitsfall Lohn ohne Arbeit

In Deutschland gilt das Entgeltfortzahlungsgesetz, nach welchem ein Arbeitnehmer in Krankheitsfall Lohn bezahlt bekommt ohne tatsächlich Arbeit zu erbringen. Voraussetzung dafür ist, dass der Arbeitnehmer in dieser Zeit arbeitsunfähig ist.

Krankschreibung des Arztes notwendig?

Nun fühlt sich der ein oder andere recht schnell arbeitsunfähig. Um die begehrte Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit beim Hausarzt zu bekommen gibt es zahlreiche Bedienungsanleitungen mit Tipps und Tricks im Internet. Zwei bis drei Tage kann der Arbeitnehmer nach Krankmeldung in der Regel jedoch ohne die Bescheinigung eines Arztes der Arbeit fern bleiben. Der Arbeitgeber darf die Bescheinigung allerdings auch schon ab dem ersten Tag der Krankheit fordern.

Beratung durch Fachanwalt für Arbeitsrecht

Die Klage einer Arbeitnehmerin, welche die grundsätzliche Forderung eines Attests am ersten Krankheitstag als Schikane und Willkür bemängelte fand keinen Zuspruch vor Gericht. Die Klägerin hatte vorgetragen, dass es keinen Grund für die Weisung gab, insbesondere hätte bei ihr nie ein Verdacht des Missbrauchs hinsichtlich der Arbeitsunfähigkeit bestanden. Stattdessen wurde die Argumentation des Arbeitgebers bestätig, wonach eine Begründung der „verfrühten“ Forderung eines Attests grundsätzlich nicht notwendig ist. (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14. November 2012 – 5 AZR 886/11)

Was darf der Arbeitnehmer krankgeschrieben tun?

Ist ein Arbeitnehmer nun durch ärztliches Attest krankgeschrieben, sei ihm auch geraten sich dementsprechend zu verhalten. In einem laufenden Kündigungsschutzverfahren vor dem Arbeitsgericht Kaiserslautern steht eine fristlose Kündigung zur Beurteilung aus, welche ausgesprochen wurde nachdem ein Arbeitgeber einen krankgeschriebenen Arbeitnehmer beim Auto waschen in einer Autowaschanlage gesehen hatte. Aufgrund des Verdachts der Vortäuschung der Arbeitsunfähigkeit durfte der Arbeitgeber von der Situation sogar Handyfotos machen (Az.: 10 SaGa 3/13). Grundsätzlich sind während der arbeitsunfähigen Zeit alle Aktivitäten nicht erlaubt, die die Genesung verzögern oder verhindern. Dies ist natürlich maßgeblich von der Art der Krankheit abhängig. Beim Skifahren wird eine Erkältung wohl verschlechtert werden, bei Depressionen kann dies jedoch der Gesundheit förderlich sein, es kann somit nicht pauschal während einer Krankschreibung „verboten“ sein. Ein krankgeschriebener Arbeitnehmer sollte sich daher immer so Verhalten wie ein objektiver Beobachter es für die Förderung einer schnellen Genesung erwarten würde.

Konsequenzen der Krankmeldung ohne Krankheit

Wird ein Arbeitnehmer bei Aktivitäten während der Zeit der Arbeitsunfähigkeit gesehen, welche der Genesung nicht förderlich sind, liegt der Verdacht auf Entgeltfortzahlungsbetrug nahe. Grundsätzlich wird zwar bei einer ärztlich bescheinigten Arbeitsunfähigkeit von deren Richtigkeit ausgegangen. Wird diese Vermutung jedoch vom Arbeitgeber widerlegt, ist in der Regel eine fristlose Kündigung gerechtfertigt. Ein milderes, aber nicht zwangsläufig zu wählendes Mittel wäre zunächst eine Abmahnung welche bei erneutem Fehlverhalten eine ordentliche Kündigung zur Folge hat.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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