Gehalt plus Umsatzbeteiligung

Für Berufseinsteiger ist die Welt der Gehaltsverhandlung sachlogisch Neuland. Dennoch gibt es einige Dinge die hierbei zu wissen und zu beachten sind, insbesondere bezüglich des Trends „Gehalt plus Umsatzbeteiligung“.

Rechtmäßigkeit der Umsatzbeteiligung

Sollte Ihr Arbeitgeber diese Art der Bezahlung vorschlagen sollten Sie aufpassen. Grundsätzlich kann eine Umsatzbeteiligung zwar nicht rechtswidrig sein. Sie darf jedoch nicht den prozentual größeren Teil des Gehalts ausmachen. Eine Umsatzbeteiligung als Gehaltsgrundlage hat einen enormen Vorteil für den Arbeitnehmer. Gibt es aufgrund schlechter Auftragslage keine Arbeit, muss er auch kein Gehalt an den Arbeitnehmer zahlen. Gerade diese Vorgehensweise beschreibt jedoch das Betriebsrisiko, und dieses ist grundsätzlich vom Arbeitgeber zu tragen. Eine Abwälzung auf den Arbeitnehmer darf wenn überhaupt, nur in geringem Maße geschehen.

Wer trägt das Betriebsrisiko tatsächlich?

Voraussetzung für eine Umsatzbeteiligung ist die oben genannte Teilung des Gehalts in eine stabile Komponente und einen variierenden Part, welcher sich nach dem Umsatz bemisst. Jedoch darf auch dies nicht ohne Einschränkungen erfolgen. So muss der stabile Teil des Gehalts eine angemessene Höhe haben. Indiziell kann dafür der Tariflohn herangezogen werden. Das Grundgehalt sollte den tariflich festgesetzten Betrag nicht erheblich unterschreiten. Ein Grundgehalt welches nicht einmal 2/3 des Tariflohns entspricht, wird als zu gering angesehen. Setzt sich das Gehalt also aus weniger als 2/3 des Tariflohns plus Umsatzbeteiligung zusammen, überträgt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer dadurch das Betriebsrisiko. Das Gehalt eines Arbeitnehmers soll jedoch gerade nicht von der Auftragslage des Arbeitgebers abhängig sein, sodass diese Gehaltsberechnung sittenwidrig wäre.

Rechtmäßigkeit einer reinen Umsatzbeteiligung

Ein Lohn welcher nur die Umsatzbeteiligung vorsieht ist in aller Regel sittenwidrig,  wenn keine hinreichenden Verdienstchancen für den Arbeitnehmer bestehen und das wirtschaftliche Risiko der Tätigkeit damit auf den Arbeitnehmer übertragen wird. Daraus folg jedoch auch, dass eine reine Umsatzbeteiligung auch rechtmäßig sein kann, und zwar wenn klar ist, dass regelmäßig durch einen stetigen Umsatz mit Sicherheit ein bestimmter Lohn, welcher nicht sittenwidrig ist, erreicht werden kann.

Praxistipp für Berufseinsteiger

Für die Gehaltsverhandlungen ist es somit absolut entscheidend gut vorbereitet zu sein und zu wissen was man fordern kann. Informieren Sie sich eingehend über den herrschenden Tariflohn oder das ortsübliche Gehalt. Halten Sie sich weiterhin die oben genannten Hinweise und das rechtmäßige Splitting der Gehaltskomponenten vor Augen. Vielleicht wird Ihnen gesagt, dass die reine Umsatzbeteiligung als Vergütung üblich und lange praktiziert ist. Nur weil etwas regelmäßig angewendet wird, heißt es jedoch nicht automatisch dass es auch rechtmäßig ist.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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