DHL-Zusteller beklagt Arbeitsbedingungen

Ob Arbeitsbedingungen gut, annehmbar oder schlecht sind liegt häufig im Auge des Betrachters. Dabei komm es entscheidend darauf an ob sich das Auge auf Arbeitnehmer oder Arbeitgeberseite befindet. Wenn Arbeitnehmer sich in Trinkflaschen erleichtern müssen, weil keine Zeit für Pausen ist und Arbeitszeiten von über 12 Stunden täglich die Regel sind, wird auch das Arbeitnehmerauge diese Umstände nicht einfach wegblinzeln können.

In einem aktuellen Fall hatte sich eine DHL Kundin über die Auslieferungsweisen eines Mitarbeiters beschwert. Lieferungen seien mehrfach als „Zustellungsversuch“ angegeben worden obwohl die Empfängerin zu Hause war, Pakete seien einfach vor der Haustür, auch vor der Haustür einer falschen Adresse abgelegt worden. Der zuständige ungarische Paketzusteller wurde entlassen. Er rechtfertigte sich wie folgt durch schwere Anschuldigungen gegen seinen Arbeitgeber.

Der Vorwurf des Paketzustellers

Nachdem der ehemalige Polizist nach Deutschland gekommen war, fand er einen Job beim Paketzusteller DHL. Dort sei ihm ein Scanner in die Hand gedrückt worden, dann sei er mit einem Mitarbeiter auf Tour geschickt worden, der kaum Zeit gehabt habe ihm etwas zu erklären. Auch einen schriftlichen Arbeitsvertrag habe er nie erhalten und auch sein Stundenlohn sei ihm nie mitgeteilt worden. An einem Arbeitstag habe er bis zu 350 Pakete auf einen Lieferwagen laden und diese dann austeilen müssen; sein Arbeitstag habe erst geendet, nachdem alle Pakete zugestellt wurden. Dieser Prozess habe oft länger als 12 Stunden gedauert. Es herrsche ein so großer Zeitdruck bei den Auslieferern, dass sie nicht einmal Zeit für eine Pause haben, stattdessen würde in Flaschen uriniert. Er habe Fehler gemacht aber nicht aus Nachlässigkeit sondern weil er es nicht besser gewusst habe. Er habe immer nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet.

Die Rechtfertigung des Unternehmens

DHL schildert die Sachlage insgesamt doch etwas anders. Gewisse Punkte stimmen überein, so räumt DHL ein, dass ein Arbeitsvertrag, aufgrund des laufenden Weihnachtsgeschäfts, erst im neuen Jahr schriftlich geschlossen werden sollte. Der Mitarbeiter sei aber ordnungsgemäß angemeldet worden. Der Mitarbeiter sei auch nicht direkt bei DHL angestellt gewesen, vielmehr wäre er für einen Kooperationspartner tätig gewesen. Dieser Partner sei auch für die Arbeitsbedingungen und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften verantwortlich, Beschwerden habe es in diese Richtung bislang nie gegeben. Bezüglich der Einarbeitung sei der Arbeitnehmer 10 Tage mit einem ungarischen Angestellten die Tour gefahren. Nach dieser Zeit seien sich beide einig gewesen, dass der neue Arbeitnehmer nun die Tour allein fahren könne. 162 Pakete seien durchschnittlich durch ihn ausgeteilt worden, dies sei anhand der Tagesberichte zu belegen.

So stehen sich wie so oft Aussage und Aussage gegenüber. Der ungarische Arbeitnehmer wurde unter anderem aufgrund mehrfacher eigenhändiger Empfangsunterschriften gekündigt. Der Lohn wurde bislang einbehalten. Beide Parteien haben rechtliche Schritte eingeleitet, es bleibt also abzuwarten welche Schilderung die größere Beweiskraft hat.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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