Arbeitszeugnis nach der Kündigung

Jeder Arbeitnehmer sollte sich ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen, wenn das Arbeitsverhältnis – aus welchen Gründen auch immer – beendet wird. Sollte eine Kündigung durch den Arbeitgeber ausgesprochen worden sein, muss man dennoch auf die Ausstellung des Arbeitszeugnisses “pochen”. Der Gesetzgeber hat die Situation der Arbeitnehmer erkannt und rechtliche Vorschriften geschaffen, die einen Anspruch auf das Arbeitszeugnis auch nach einer Kündigung begründen. Wir zeigen auf, welche Rechte Sie haben und worauf zu achten ist, wenn es um ein Arbeitszeugnis geht.

Anspruch auf Arbeitszeugnis

Jeder Arbeitnehmer hat einen Anspruch auf die Erteilung eines Arbeitszeugnisses. Dieser rechtliche Anspruch findet sich in § 630 BGB: “Pflicht zur Zeugniserteilung”. In dieser Rechtsvorschrift steht genau beschrieben, dass bei der Beendigung von Dienstverhältnissen (jedes Arbeitsverhältnis ist ein Dienstverhältnis) der Verpflichtete (Arbeitnehmer) vom anderen Teil (Arbeitgeber) ein schriftliches Zeugnis verlangen kann. Der § 630 BGB verbietet sogar die Erteilung eines Arbeitszeugnisses in elektronischer Form. Dies bedeutet, dass es nicht ausreicht, wenn der Arbeitgeber den Arbeitnehmer beispielsweise nach einer Kündigung lediglich mit einer E-Mail, die das Arbeitszeugnis digital enthält, abspeisen möchte.

Interessant ist auch der Verweis in § 630 BGB auf § 103 GewO. Diese Verweisung gilt explizit für Arbeitnehmer. Ein Blick in § 109 GewO zeigt, welche genauen Anforderungen das Arbeitszeugnis erfüllen muss.

Anspruch gilt auch bei Kündigung

Wer eine Kündigung erhalten hat, muss zusehen, wieder Fuß zu fassen. Zunächst sollte man sich beim Arbeitsamt arbeitssuchend melden, dann so schnell es geht erneut in die Bewerbungsphase einsteigen. Nichtsdestotrotz sollte der eigene Anspruch auf die Erteilung eines Arbeitszeugnisses wahrgenommen werden – auch bei und gerade wegen einer Kündigung. Denn das Arbeitszeugnis wird von vielen potenziellen Arbeitgebern dazu genutzt, schon im Vorfeld die Leistungen des Arbeitnehmers einschätzen zu können. Lücken im Lebenslauf und fehlende Arbeitszeugnisse machen keinen guten Eindruck.

Bei einer Kündigung kann das Verhältnis zum ehemaligen Arbeitgeber angespannt sein. Dennoch steht jedem Arbeitnehmer der Anspruch auf ein Arbeitszeugnis zu, ganz egal, welche persönlichen Differenzen mit dem Arbeitgeber wegen der Kündigung vorliegen mögen. Arbeitnehmer brauchen auch keine Angst davor zu haben, dass der Arbeitgeber nach einer Kündigung – genervt von dem Wunsch nach einem Zeugnis – ein absichtlich schlechtes Arbeitszeugnis ausstellt. Auch dagegen gibt es rechtlichen Schutz.

Wie soll das Arbeitszeugnis genau aussehen?

Nach einer Kündigung hat nicht jeder Arbeitgeber Lust, ein Arbeitszeugnis zu erstellen. Dennoch muss dies auf Wunsch des Arbeitnehmers geschehen, und zwar nicht nur “irgendwie” oder mit dem Briefkopf und 2 Zeilen Text. Ein Blick in § 109 GewO gibt Aufschluss darüber, wie das Arbeitszeugnis auszusehen hat. Auch nach einer Kündigung (egal, wer die Kündigung ausgesprochen hat).

Zunächst muss – wie schon aufgezeigt – das Arbeitszeugnis schriftlich erteilt werden. Die digitale Form reicht alleine nicht aus. Weiter muss das Zeugnis mindestens Angaben zu Art und Dauert der Tätigkeit enthalten. Bei Art der Tätigkeit sollten also die verschiedenen Tätigkeitsbereiche des Arbeitnehmers aufgezählt sein, sodass ein zukünftiger Arbeitgeber einschätzen kann, welche Fähigkeiten der Arbeitnehmer hat. Weiter kann der Arbeitnehmer gem. § 109 Abs. 1 GewO verlangen, dass der Arbeitgeber im Arbeitszeugnis auch die Leistung und das Verhalten beschreibt. Hier kann es nach einer Kündigung zu unschönen Situationen kommen, etwa wenn der Arbeitgeber als “Rache” eine schlechte Beurteilung der Leistung und des Verhaltens vornimmt. Jedoch hat das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil entschieden, dass Arbeitszeugnisse “wohlwollend” geschrieben werden müssen. Das Arbeitszeugnis ist also nicht das richtige Medium, um Differenzen nach einer Kündigung auszutragen. Allerdings gibt es keinen Anspruch auf ein unwahres Arbeitszeugnis – der Arbeitgeber muss bei der Wahrheit bleiben, jedoch wohlwollend formulieren.

Nach Kündigung muss Arbeitszeugnis gefordert werden!

Wer eine Kündigung erhalten hat, sollte ein Arbeitszeugnis anfordern. Zwar gibt es einen rechtlichen Anspruch darauf aus § 630 BGB und § 109 GewO, dies bedeutet aber nicht, dass der Arbeitgeber selbst aktiv werden müsste. Wer kein Arbeitszeugnis fordert, der bekommt auch keines. Der Anspruch muss also geltend gemacht werden. Oft reicht es aus, den Arbeitgeber kurz darauf hinzuweisen. Wenn sich ein Arbeitgeber jedoch – weil es wegen einer Kündigung zu Differenzen gekommen ist – weigert, kann ein Anwalt für Arbeitsrecht helfen, den Anspruch durchzusetzen. Der Anwalt schreibt den Arbeitgeber zunächst in einem anwaltlichen Schreiben an und weist auf die rechtlichen Grundlagen hin. Sollte der Arbeitgeber auch dann nicht reagieren, bleibt nur noch der gerichtliche Weg. Spätestens dann wird der Arbeitgeber “wohlwollend” formulieren (müssen).

 
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