Arbeitnehmer kann Arbeitgeber abmahnen!

Das Arbeitsverhältnis bindet sowohl den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber. Dabei werden die Rechte und Pflichten aus diesem Verhältnis mit arbeitsrechtlichen Vertragsklauseln näher bestimmt. Wer sich nicht an den Vertrag hält, muss damit rechnen, dass dies von der Gegenseite als Pflichtverletzung abgemahnt wird – verbessert sich das Miteinander danach nicht, kann eine Kündigung ausgesprochen werden. Viele denken, dass eine Abmahnung nur vom Arbeitgeber Richtung Arbeitnehmer ausgesprochen werden kann. Dem ist nicht so, denn auch der Arbeitnehmer darf den Arbeitgeber auf eine Pflichtverletzung hinweisen und diese abmahnen.

Abmahnungsgrund Lohnstückstand

Die Auszahlung des vereinbarten Entgelts für die Arbeitsleistung ist ein Beispiel dafür, wann eine Abmahnung durch den Arbeitnehmer in Richtung seines Chefs Sinn macht. Denn wer den Lohn nicht zahlt, obwohl die Arbeitsleistung vertragsmäßig erbracht wurde, verletzt seine Pflichten aus dem geschlossenen Vertrag. Dieses Fehlverhalten ist abmahnfähig. Sollte sich der Arbeitgeber danach immer noch weigern, aus welchen Gründen auch immer den Lohn nicht auszuzahlen, bleibt noch der Weg vor die Arbeitsgerichte offen: es empfiehlt sich, eine Lohnklage beim zuständigen Gericht einzureichen. Hierbei können auch Zinsen und etwaige Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden, falls durch das Nichtauszahlen des Lohnes dem Arbeitnehmer ein Schaden entstanden ist. Bevor eine solche Klage erhoben wird, empfiehlt es sich, zunächst eine Abmahnung aussprechen, denn es könnte sein, dass es sich beim Nichtauszahlen lediglich um ein Versehen handelte. Allerdings steht es jedem Arbeitnehmer auch frei, sofort zu klagen – denn der Anspruch auf Lohnzahlung ist eine Hauptleistungspflicht aus dem Arbeitsvertrag, die jederzeit eingefordert werden kann.

Abmahnungsgrund Mobbing

Warum der Arbeitnehmer den Arbeitgeber wegen Mobbings durch Kollegen abmahnen können soll, leuchtet vielleicht nicht sofort ein. Wenn der Arbeitgeber nicht selbst gemobbt hat, müssten ja eher die mobbenden Kollegen eine Abmahnung erhalten. Allerdings gehört es auch zu den vertraglichen Pflichten des Chefs, jedweden Schaden vom Arbeitnehmer abzuhalten. Darunter fallen auch solche Schädigungen, die rein psychischer Natur sind (Mobbing), und auch solche, die durch andere Arbeitnehmer verursacht werden. Der Arbeitgeber ist also verpflichtet, den gemobbten Arbeitnehmer zu schützen – tut er dies nicht, verletzt er Vertragspflichten und eine Abmahnung kann ausgesprochen werden. Sollten alle Maßnahmen keine Besserung für den Betroffenen bringen, bleibt weiterhin die Option, sich von einem Rechtsanwalt beraten zu lassen. Ein Arbeitgeber, der seiner Fürsorgepflicht für die Arbeitnehmer nicht nachkommt, macht sich in vielen Fällen schadensersatzpflichtig. Denn hat er es vorsätzlich oder fahrlässig unterlassen, den Arbeitnehmer vor Mobbing zu schützen oder sogar selbst gemobbt, ist dies eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Auch das Entziehen von Aufgabenbereichen und Versetzen innerhalb des Betriebs kann Mobbing, bzw. Bossing darstellen. Außerdem kann Mobbing ein außerordentliches Kündigungsrecht gem. §628 Abs. 2 BGB für den Arbeitnehmer begründen, wenn ihm nicht zugemutet werden kann, weiter wie gewohnt zur Arbeit zu müssen.

Abmahnungsgrund Abmahnung?

Auch kann es sein, dass eine Abmahnung des Arbeitgebers selbst abgemahnt werden kann – dies ist dann der Fall, wenn der Arbeitgeber eine Abmahnung ausspricht, ohne dass es hierfür hinreichende Gründe gibt, beispielsweise wegen falscher Tatsachenvorstellungen. Kein Arbeitnehmer muss hinnehmen, grundlos abgemahnt zu werden. Auch kann sich so gegen Chefs zur Wehr gesetzt werden, die durch psychischen Druck den Arbeitnehmer zur Kündigung bewegen wollen.

Vorher das Gespräch suchen!

Es empfiehlt sich jedoch, vor dem Aussprechen einer Abmahnung das persönliche Gespräch zu suchen. Denn rein rechtlich ist eine Abmahnung bei einer Vertragspflichtverletzung zwar immer möglich, es sollte jedoch bedacht werden, dass dies ein rechtlicher Schritt ist, der das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer deutlich abkühlen lassen kann. Nur in ernstzunehmenden Fällen sollte eine Abmahnung ausgesprochen werden, insbesondere der Lohnrückstand muss zügig ausgeglichen werden. Gerne können Sie uns anrufen, falls Sie sich in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung nicht sicher sind, wie Sie am besten reagieren sollten.

 
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