Wie und wo man sich über einen Rechtsanwalt beschweren kann?

Sie fühlen sich von Ihrem Anwalt schlecht beraten oder haben das Gefühl, dass dieser seinen Pflichten nicht nachkommt? In einer solchen Situation besteht die Möglichkeit gegen den entsprechenden Rechtsanwalt eine Beschwerde einzulegen. Dabei muss es sich nicht zwingend um eine Pflichtverletzung handeln, eine Beschwerde gegen einen Rechtsanwalt ist auch möglich, wenn dieser sich Ihnen gegenüber nicht angemessen verhält und es dadurch zu Unstimmigkeiten kommt.

Wann ist eine Beschwerde gegen einen Anwalt möglich?

Grundsätzlich ist eine Beschwerde gegen einen Anwalt immer dann möglich, wenn Sie der Meinung sind, der Rechtsanwalt habe gegen eine anwaltliche Berufspflicht verstoßen. Eine Verletzung der Berufspflicht liegt vor, wenn der Anwalt eine aus dem Mandatsvertrag resultierende Pflicht verletzt. Vor allem hinsichtlich der rechtlichen Beratung und der Vertretung seines Mandanten, bestehen für den Anwalt weitreichende Pflichten.

Es treffen den Anwalt bereits bei der Kontaktaufnahme mit seinem Mandanten Pflichten, die er zu erfüllen hat. Zu diesen Pflichten gehör zum Beispiel die Prüfung der gesamten Sachlage, sowie die Beherrschung des Prozessstoffs. Es ist zwar grundsätzlich die Aufgabe des Mandanten, dem Anwalt seinen Sachverhalt mitzuteilen, aber der Anwalt hat die Pflicht durch eine gezielte Fragestellung, zusätzlich Angaben des Mandanten im Rahmen einer Befragung im Innenverhältnis einzuholen. Es besteht zwar keine Pflicht der Sachverhaltsermittlung, aber es können Umstände gegeben sein, die den Anwalt veranlassen, weitere Informationen seines Mandanten hinsichtlich des Sachverhalts einzuholen.

Sollten Sie bereits hier das Gefühl haben, dass Ihr Rechtsanwalt einer ausführlichen Aufklärung des Sachverhalts nicht nachkommt und eine seiner Pflichten verletzt, besteht für Sie die Möglichkeit sich zu beschweren.

Zu den wesentlichen Anwaltspflichten gehören dabei unter anderem:

  • Eine gewissenhafte Ausübung des Berufs
  • Sich der Achtung und des Vertrauens als würdig erweisen
  • Verschwiegenheitspflicht
  • Keine Bindungen eingehen, die die berufliche Unabhängigkeit des Anwaltsdaseins gefährden könnte
  • Unsachliches Verhalten vermeiden
  • Vertretung widerstreitender Interessen ist zu unterlassen
  • Mit anvertrauten Vermögenswerten ist ein sorgfältiger Umgang geboten, fremde Gelder sind unverzüglich an den Empfänger weiterzuleiten
  • Stetige Fort- und Weiterbildung

Wo ist eine Beschwerde gegen einen Anwalt möglich?

Sollten Sie der Meinung sein, Ihr Anwalt haben gegen eine seiner Pflichten verletzt, können Sie eine schriftliche Beschwerde an die Rechtsanwaltskammer schicken.

Bei einer Rechtsanwaltskammer handelt es sich um einen örtlichen Zusammenschluss von Rechtsanwälten, bei der es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechts handelt. Die Rechtsanwaltskammer ist für die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft zuständig, sowie für die Überwachung der Einhaltung des Berufsrechts durch die Berufsträger im Bezirk und die Vermittlung bei Streitigkeiten zwischen Rechtsanwälten und ihren Mandanten. So haben Sie sich bei einer Beschwerde gegen einen Rechtsanwalt stets schriftlich an die Rechtsanwaltskammer zu wenden.

Wie hat eine solche Beschwerde auszusehen?

Eine Beschwerde bei der Rechtsanwaltskammer hat grundsätzlich schriftlich zu erfolgen. In dem Schreiben sollten Sie die genauen Geschehnisse schildern und auch die Gründe vorbringen, wieso Sie der Meinung sind, dass Ihr Anwalt gegen eine anwaltliche Berufspflicht verstoßen hat. Eine besonders vollständige und detaillierte Darstellung der Sachlage ist äußerst wichtig, da der Rechtsanwaltskammer so gut wie keine Möglichkeiten der Sachaufklärung zur Verfügung stehen.

Jeder Bürger, der sich über seinen Anwalt bei der Rechtsanwaltskammer beschweren möchte, kann dies kostenfrei tun. Die Beschwerde ist für jeden Bürger kostenfrei möglich. Nachdem es zu einer Beschwerde gekommen ist, besteht für den Rechtsanwalt die Möglichkeit, zu der Beschwerde Stellung zu nehmen und sich gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zu verteidigen.

Entscheidend ist es dafür zunächst jedoch, ob eine Verletzung von Berufspflichten überhaupt möglich erscheint. Wenn eine Verletzung von Berufspflichten offensichtlich nicht vorliegt, werden Sie darüber informiert und es besteht auch für den betroffenen Rechtsanwalt kein Grund, zu der Beschwerde Stellung zu nehmen.

Wenn eine Verletzung einer Berufspflicht für möglich gehalten wird und der entsprechende Anwalt zu den Anschuldigungen Stellung bezogen hat, entscheidet die zuständige Berufsaufsichtsabteilung des Vorstandes der Rechtsanwaltskammer.

Wie kann die Rechtsanwaltskammer tätig werden?

Sie glauben, dass Ihr Anwalt gegen eine ihm obliegende Berufspflicht verstoßen hat und haben sich aus diesem Grund bei der Rechtsanwaltskammer beschwert? Nun stellt sich die Frage, wie die Rechtsanwaltskammer bei einer Beschwerde gegen einen Rechtsanwalt agieren kann.  Grundsätzlich kann die Rechtsanwaltskammer von Amts wegen bei einer Beschwerde gegen einen Anwalt tätig werden. Durch eine Beschwerde bei der Rechtsanwaltskammer wird ein Beschwerdeverfahren eingeleitet.

Wann besteht für die Rechtsanwaltskammer keine Handlungsbefugnis?

Bei einem Verstoß gegen eine der oben benannten Berufspflichten, kann die Rechtsanwaltskammer von Amt wegen bzw. auf eine eingegangene Beschwerde hin tätig werden. Der Rechtsanwaltskammer ist es jedoch nicht in allen Fällen möglich, entsprechende Maßnahmen gegen den betroffenen Rechtsanwalt zu ergreifen und zu handeln.

Keine Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche?

Der Rechtsanwaltskammer ist es nicht möglich, Sie zu vertreten. Es besteht daher keine Möglichkeit, dass die Rechtsanwaltskammer Sie in Ihren rechtlichen Angelegenheiten berät. Auch wird durch die Beschwerde die bisherige Arbeit des eigenen Anwalts weder bewertet, noch beeinflusst.

Keine Abwehr von Zwangsvollstreckungsmaßnahmen

Auch kann Ihnen eine Beschwerde bei der Rechtsanwaltskammer nicht helfen, wenn ein Rechtsanwalt gegen Sie Zwangsvollstreckungsmaßnahmen eingeleitet hat, die Sie für unbegründet halten. Für Zwangsvollstreckungsmaßnahmen ist ausschließlich das Vollstreckungsgericht zuständig.

Rechtlicher Beistand

Nicht nur die Möglichkeit, sich durch die Rechtsanwaltsklammer in rechtlichen Angelegenheiten helfen zu lassen ist ausgeschlossen, sondern auch die Möglichkeit, durch diese einen Rat für ein weiteres Vorgehen zu erhalten ist ausgeschlossen. Die Rechtsanwaltskammer ist nicht befugt, einen allgemeinen Rechtsrat zu erteilen. Sie können zwar gegen einen Anwalt eine Beschwerde einlegen, wie Sie jedoch gegen den entsprechenden Anwalt rechtlich vorgehen können, erfahren sie von der Rechtsanwaltskammer nicht.

Beschwerdeverfahren

Nachdem es zu einer Prüfung der Beschwerde durch die Rechtsanwaltskammer gekommen ist, entscheidet diese, ob der Rechtsanwalt tatsächlich eine anwaltliche Berufspflicht verletzt hat oder nicht.

Handelt es sich um eine Verletzung einer anwaltlichen Berufspflicht, bei der die Schuld des Anwalts gering ist, kann der Vorstand der Rechtsanwaltskammer eine Rüge erteilen. Handelt es sich dagegen um einen schwerwiegenden Verstoß, wird die Möglichkeit eines anwaltsgerichtlichen Verfahrens in Betracht gezogen.

Der Beschwerdeführer, sowie der Beschwerdegegner erfahren anschließend, nachdem das Verfahren abgeschlossen wurde, von der Vorstandsentscheidung.

Ist es hilfreich einen Anwalt einzuschalten?

Wenn Sie sich über einen Anwalt beschweren wollen, können Sie dies grundsätzlich ohne weitere Probleme selber tun. Dabei gilt es jedoch zu beachten, dass Ihnen die Rechtsanwaltskammer bei rechtlichen Fragen nicht zur Seite stehen kann und Ihnen auch nicht dabei helfen kann, zivilrechtliche Ansprüche gegen den Anwalt geltend zu machen.

Hat Ihr Rechtsanwalt gegen eine anwaltliche Berufspflicht verstoßen, ist die Beschwerde bei der Rechtsanwaltskammer eine sinnvolle Maßnahme, die durchaus empfehlenswert ist. Für den Fall, dass Ihr Rechtsanwalt nicht nur gegen eine Pflicht verstoßen hat, sondern Ihnen dadurch auch ein Schaden entstanden ist, ist es zudem empfehlenswert sich an einen entsprechend spezialisierten Anwalt zu wenden. Denn dieser kann Ihnen dabei helfen, den Rechtsanwalt für den entstanden Schaden haften zu lassen.

Gerne können Sie sich bei Fragen rund um das Thema der Anwaltshaftung im Rahmen eines kostenlosen Erstgesprächs an uns wenden.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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