Die Pflichten eines Anwalts gegenüber dem Mandanten

Zwischen einem Rechtsanwalt und seinem Mandanten besteht ein besonderes Vertrauensverhältnis, dem verschiedene Pflichten des Anwalts zu Grunde liegen. Ein Anwalt hat im Rahmen seiner Tätigkeit grundsätzlich eine Reihe von verschiedenen Pflichten zu beachten und einzuhalten, die dem Schutz des Mandanten dienen sollen. Im folgenden Beitrag möchten wir Ihnen aufzeigen, welche Pflichten ein Anwalt grundsätzlich gegenüber seinen Mandanten zu erfüllen hat und wo sich diese Pflichten ausfindig machen.

Rechtliches Verhältnis zwischen Anwalt und Mandanten?

Als Grundlage des Zusammenwirkens zwischen einem Anwalt und seinem Mandanten besteht der so genannte Anwaltsvertrag. Bei einem solchen Vertrag handelt es sich regelmäßig um einen Geschäftsbesorgungsvertrag gemäß § 675 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), der in der Regel eine Dienstleistung des Anwalts zum Gegenstand hat. Dieser so genannte Anwaltsvertrag beinhaltet einige der Pflichten, die ein Anwalt seinem Mandanten gegenüber zu erfüllen hat.

Was sind die Pflichten eines Anwalts gegenüber seinem Mandanten?

Für einen Anwalt bestehen vielfältige Pflichten, die er hinsichtlich der Beratung seines Mandanten zu erfüllen hat. Die Pflichten, die ein Anwalt gegenüber seinen Mandanten zu erfüllen hat, bestehen hauptsächlich hinsichtlich der Beratung und in der Vertretung des Mandanten. Neben der Beratung und der Vertretung seines Mandanten, hat der Anwalt jedoch auch noch weitere Pflichten zu erfüllen.

Ermittlung des Sachverhalts?

So handelt es sich bei der Prüfung der gesamten Sachlage, sowie der Beherrschung des Prozessstoffes um weitere Pflichten, die ein Anwalt gegenüber dem Mandanten zu erfüllen hat. Dabei ist es zwar grundsätzlich nicht die Aufgabe des Anwalts, den Sachverhalt zu ermitteln, aber es können Umstände bestehen, die den Anwalt in die Pflicht nehmen, zusätzlich Angaben des Mandanten im Rahmen einer Befragung im Innenverhältnis einzuholen. Es hängt somit vom Einzelfall ab, ob der Anwalt aufgrund seines Informationsstandes zur weiteren Informationsbeschaffung die Pflicht einer weiteren Sachverhaltsermittlung hat. Denn der Einzelfall kann es erforderlich machen, dass der Anwalt durch gezielte Fragenstellungenden den Sachverhalt aufklären muss. Erst nachdem der Anwalt den Sachverhalt seines Mandanten vollends erschlossen hat, kann er seiner Pflicht der Beratung gerecht werden.

Beratungs- und Aufklärungspflicht?

Durch die Aufklärung des genauen Sachverhalts des Mandanten ist es dem Anwalt nun möglich, seinen weiteren Pflichten nachzugehen. Die Beratung eines Mandanten erfordert eine umfangreiche rechtliche Prüfung des vorliegenden Sachverhalts. Der Anwalt hat bei der rechtlichen Prüfung des Sachverhalts die Pflicht, sowohl die die neue Gesetzeslage, die einschlägige höchstrichterliche Rechtsprechung, ausnahmsweise auch sonstige obergerichtliche Judikatur, sowie mangels einer Klärung der aufscheinenden Rechtsfragen durch die Rspr. zentrale Literaturstellen zu berücksichtigen.

Nachdem der Anwalt den Sachverhalt seines Mandanten umfassend geprüft hat, kommen weitreichende Informationspflichten auf ihn zu. Der Anwalt hat die Pflicht, seinen Mandanten über seine rechtlichen Möglichkeiten aufzuklären und zu informieren und falls gewünscht, diesem auch bei einem rechtlichen Vorgehen zu beraten. Die Pflicht des Anwalts seinen Mandanten zu informieren und zu beraten umfasst unter anderem die Absprache einer Verteidigungsstrategie, sowie dem Festlegen eines Verteidigungsziels und der Vorgehensweise, um dieses Ziel zu erreichen. Grundsätzlich hat der Anwalt die Pflicht, das durch den Mandanten gesetzte Ziel verfolgen. Ein Anwalt muss bei der Verfolgung dieses Ziels jedoch den Grundsatz des sichersten Weges einzuhalten und seinen Mandanten vor Voraussehbaren und vermeidbaren Nachteilen schützen. Nur bei dem ausdrücklichen Wunsch des Mandanten kann von dem Grundsatz des sichersten Weges abzusehen sein.

Welche Pflichten gehen mit einem Prozess einher?

Neben den Pflichten, die bei der Beratung von Mandanten auf einen Anwalt zukommen, hat dieser auch im Rahmen eines Prozesses, bzw. bei der Einleitung rechtlicher Schritte einige Pflichten zu erfüllen.

So besteht für einen Anwalt die Pflicht noch vor Prozessbeginn zu prüfen, wie die Chancen stehen, den Prozess zu gewinnen und ob ein solcher Prozess überhaupt sinnvoll ist. Tut der Anwalt dies nicht und rät seinem Mandanten zu einem Prozess, bei dem schon von vornherein feststeht, dass dieser nicht gewonnen werden kann, so verstößt er gegen eine ihm obliegende Pflicht. So wie das Anraten eines Prozesses, ist es auch für den Fall, dass der Anwalt seinem Mandanten von einem Prozess abrät seine Pflicht zu prüfen, ob tatsächlich keine Chancen bestehen den Prozess zu gewinnen.

Rät der Anwalt seinem Mandanten berechtigterweise zu einer Klage, besteht für diesen die Pflicht, die Klage schlüssig dem Gericht vorzulegen. Eine Klage hat rechtzeitig vorgebracht zu werden und muss für alle vorgebrachten Behauptungen auch einen entsprechenden Beweis enthalten.

Verjährung?

Zu einer weiteren Pflicht des Anwalts gehört die Einhaltung von Fristen, denn das Versäumen einer Frist stellt eine grobe Pflichtverletzung des Anwalts dar und kann ernste Folgen für den Mandanten haben. Nicht nur im Rahmen eines Prozesses, sondern auch bei außergerichtlichen Verfahren hat der Anwalt die Pflicht, alle vorhandenen Fristen zu kennen und einzuhalten. Ein Anwalt hat alle in Frage kommenden Fristen zu berechnen, um den Anfang und das Ende der Fristen zu kennen, um diese auch einhalten zu können.

Pflichten aus § 43 Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO)?

Neben dem Anwaltsvertrag gehen aus der Bundesrechtsanwaltsordnung weitere Pflichten hervor, die ein Anwalt zu erfüllen hat.

So besteht die Pflicht des Anwalts einer gewissenhaften Berufsausübung. Denn oftmals wird ein Anwalt erst aufgesucht, wenn der Mandant keine andere Möglichkeit sieht sich rechtlich zu verteidigen oder zur Wehr zu setzen. So kann die Tätigkeit des Anwalts weitreichende Konsequenzen für seinen Mandanten haben, was für die Tätigkeit des Anwalts ein gewissenhaftes Vorgehen unumgänglich macht. Auch hat der Anwalt im Rahmen seiner Tätigkeit die Pflicht sich dem ihm entgegengebrachten Vertrauen als würdig zu erweisen. Dazu zählt die Verschwiegenheitspflicht, die von dem Anwalt einzuhalten ist. Auch sind Bindungen, die der beruflichen Unabhängigkeit des Anwalts entgegenstehen zu vermeiden. Denn solche Bindungen, die die berufliche Unabhängigkeit eines Anwalts gefährden, können dazu führen, dass es zu einem unsachlichen Verhalten kommt. Eine weitere Pflicht ist es, die Vertretung von widerstreitenden Pflichten zu unterlassen. Zudem sollte sich ein Anwalt stetig Fort- und Weiterbilden, um seinen Mandanten die bestmögliche Beratung gewähren zu können.

Fazit

Es bestehen vielfältige Pflichten, die ein Rechtsanwalt gegenüber seinen Mandanten zu erfüllen hat. Diese Pflichten dienen einer bestmöglichen rechtlichen Beratung und sollen den Mandanten vor Fehlern seines Anwalts schützen.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

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