Anwalt wechseln?

Den Anwalt wechseln heißt, dass ein Anwaltsvertrag beendet, die Vollmacht zurückgezogen und ein neuer Anwalt beauftragt wird. Ob der Wechsel Sinn macht, ist sehr stark vom Einzelfall abhängig. Jeder, der unzufrieden mit dem eigenen Anwalt ist, sollte gut überlegen, ob sich die Differenzen nicht doch mit einem klärenden Gespräch auflösen lassen. Ist dies nicht möglich, muss der Anwalt gewechselt werden. Gegebenenfalls muss auch eine Anwaltshaftung bezüglich des ehemaligen Rechtsanwalts überlegt werden. Es stellen sich Fragen bezüglich der Möglichkeiten, den Anwalt zu wechseln, den dabei entstehenden Kosten und was eigentlich passiert, wenn in einem laufenden Prozess der Rechtsbeistand ausgetauscht wird.

Anwalt wechseln bei Unzufriedenheit

Wer unzufrieden mit dem eigenen Anwalt ist, muss überlegen, ob ein Wechsel des Anwalts sinnvoll sein könnte. Worin gründet sich die Unzufriedenheit? Stimmt etwas mit der Kommunikation zwischen Anwalt und Mandant nicht? Oder hat der Anwalt einen Fehler gemacht, beispielsweise wichtige Frist versäumt? Auch ist es möglich, dass der Anwalt gar nicht mehr reagiert, sodass der Mandant nicht weiß, was Stand der Dinge ist. Ein Mandant, welcher unzufrieden mit dem Anwalt ist, sollte jedenfalls reagieren. Ganz gleich, um welche Art Rechtsstreitigkeit es sich handelt: Eine gute Zusammenarbeit zwischen Mandant und Anwalt ist unerlässlich für den rechtlichen Erfolg.

Ob der Anwalt gewechselt werden muss, hängt davon ab, ob es keine Möglichkeit der weiteren Zusammenarbeit gibt. Vielleicht hilft es, den Anwalt ganz offen auf die eigene Unzufriedenheit hinzuweisen. Der Anwalt ist eben auch Dienstleister, der für seine Tätigkeit bezahlt wird – wer dann nicht gut leistet, muss damit rechnen, dass der „Kunde“ wegläuft. Ein Gespräch sollte immer die erste Wahl sein, bevor man den Anwalt wechselt. In diesem Gespräch sollten Sie klar Ihre Erwartungen an den Anwalt formulieren und ihn darauf hinweisen, wieso Sie sich schlecht fühlen oder unzufrieden sind. Zeigt sich der Anwalt einsichtig, kann die Zusammenarbeit ab dann Früchte tragen. Schaltet der Anwalt auf „stur“, sollten Sie den Anwalt wechseln.

Probleme ergeben sich nur deshalb, weil bei einem Anwaltswechsel mitten in einer rechtlichen Angelegenheit der Rechtsbeistand ausgetauscht wird. Das heißt, dass dem alten Anwalt vertraglich gekündigt werden muss, die erteilte Vollmacht zurückgezogen und ein neuer Anwalt beauftragt werden muss. Der neue Rechtsbeistand muss sich schnell in die Rechtsstreitigkeit einarbeiten und benötigt hierfür auch die Unterlagen vom alten Anwalt. Hierbei kann es zu unschönen Situationen kommen – daher macht es Sinn, erst einmal mit dem eigenen Anwalt zu sprechen, wenn man unzufrieden ist. Zeigt das kein Ergebnis, muss man den Anwalt wechseln und gegebenenfalls auch prüfen lassen, ob ein Fall der Anwaltshaftung vorliegt.

Kosten bei einem Anwaltswechsel

Wer sich entschieden hat, den eigenen Anwalt zu wechseln, weil die eigene Unzufriedenheit zu groß ist, muss mit einigen Kosten rechnen. Die bisherige Beauftragung des Anwalts hat Kosten verursacht und muss vergütet werden. Ausnahmen davon können nur einschlägig sein, wenn der (Ex-)Anwalt bei der Rechtsberatung oder vor Gericht fachliche Fehler gemacht hat. Dann können Vergütungsansprüche dahin sein, oder aber sogar Schadensersatzansprüche entstehen. Die Kostenfrage muss allerdings im konkreten Einzelfall geprüft und kann nicht pauschal beantwortet werden.

Kosten entstehen auch dadurch, dass ein neuer Anwalt beauftragt werden muss. Insofern sollte sich jeder Mandant gut überlegen, ob es auch wirtschaftlich Sinn macht, den Anwalt wegen Unzufriedenheit zu wechseln. Hat der Anwalt allerdings fachliche Fehler gemacht, sollte unbedingt gewechselt und nicht auf Kosten Rücksicht genommen werden. Schließlich geht es darum, dass Sie sich fachlich fundiert beraten lassen und zu Ihrem rechtlichen Erfolg geführt werden.

Anwalt wechseln während Prozess

Wer während eines laufenden Prozesses den Anwalt wechseln will, hat ähnliche Probleme wie bei einer außergerichtlichen Angelegenheit. Der derzeitige Anwalt ist bereits eingearbeitet und kennt die Begebenheiten, ein neuer Anwalt müsste dies erst aufholen. Kosten würden auch wieder neu entstehen. Allerdings ist der Anwaltswechsel während eines Prozesses durchaus möglich. Die Vollmacht muss zurückgezogen werden, auch muss das Gericht über den Vertreterwechsel benachrichtigt werden. Allerdings sollte auch hier wieder eine persönliche Abwägung stattfinden: Lohnt sich der Wechsel jetzt noch? Können die bestehenden Probleme während des Prozesses nicht anders geklärt werden? Macht es aus der Kostenperspektive Sinn, wenn man während eines Prozesses den Anwalt wechseln möchte?

Falls Sie den Anwalt während des Prozesses austauschen müssen, bedenken Sie, dass der Prozess dennoch weiterläuft. Stellen Sie daher sicher, dass der neue Anwalt die laufenden Fristen beachtet und alle nötigen Unterlagen hat, um den Prozess erfolgreich für sie zu führen.

Fazit

Den Anwalt wechseln macht nur Sinn, wenn man sehr unzufrieden ist und es aufgrund der Unzufriedenheit absolut keine andere Möglichkeit der weiteren Zusammenarbeit gibt. Die dabei entstehenden Kosten müssen auch wirtschaftlich für Sie Sinn machen. Wichtig ist, dass Sie sich sodann einen Anwalt aussuchen, der Ihren Erwartungen entspricht und fachlich einwandfrei arbeitet. Gegebenenfalls sollte die Anwaltshaftung Ihres ehemaligen Rechtsanwalts juristisch überprüft werden, falls Schäden durch seine Tätigkeiten entstanden sein sollten.

 
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Rechtsanwalt Thomas Feil in den Medien

8 Kommentare zu “Anwalt wechseln?
  • 27. März 2017 um 11:19
    Name entfernt (Anm. d. Redaktion) says:

    Herrn Rechtsanwalt Th. Feil
    ich weiss einfach nicht mehr weiter. Bin 72 J und liege mit meiner Tochter im Streitverfahren Erbschaft –
    Kurzer Bericht: Meine Mutter ist 2012 verstorben. Meine Tochter hat sich als Testamenserbe in d. Testament eintragen lassen . Ich als Mutter wusste nichts davon.
    Mein Rechtsanwalt wohnt in NRW wo ich mal wohnte und bin 2013 nach Sachsenanhalt gezogen. Seit 5 Jahren 2012 bis 2017 ging d. Schriftverkehr mit Gegenpartei hin u. her.
    Jetzt besteht eine Stufenklage und ich wäre in d. letzten Stufe. Die Gegenpartei schreibt soviele falsche Aussagen und Lügen –wie kann sich d. mich vertetene
    Rechtsanwalt wäre .Mit dem RA bin ich nicht mehr zufrieden nach 5 J Wartezeit . Ich kann jetzt doch nicht mehr wechseln ausserdem ist das mit viel Kosten
    verbunden. Was soll ich machen? Der RA müsste mehr Druck ausüben und zieht d. Verfahren in die Länge.
    Wollt mich schon an die Rechtsanwaltkammer in Hamm wenden. Es geht um 5o.000 E die mir aus d. Pflichtteil meiner Eltenr zustehen.

    Ich bin sehr gesundh. angeschlagen und hoffe doch noch mein Recht durchzusetzen. Meine Wohnung müsste ich verlassen wenn ich nicht d. Notgroschen bekomme.
    Bitte um Antwort per e-mail Mit freundl. Grüssen

    • 28. März 2017 um 08:42

      Guten Tag,

      vielen Dank für die Schilderung Ihres Falls und der Frage zum Thema “Anwalt wechseln?”. In der Tat ist es schwierig, bei laufenden Prozessen den Anwalt zu wechseln, unmöglich ist es jedoch nicht und manchmal sogar unumgänglich. Wir werden gesondert mit Ihnen im Rahmen einer kostenfreien Erstberatung Kontakt aufnehmen, um Ihren Fall besser zu verstehen. Dann schauen wir weiter, ob Sie Ihren Anwalt wechseln müssen oder nicht.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 17. März 2017 um 16:38
    Jenny Eckhardt says:

    Vielen Dank für die äußerst hilfreiche Seite. Ich wollte demnächst meinen Rechtsanwalt wechseln, da mir ein Kollege seinen empfohlen hat. Nun wusste ich nicht genau wie so ein Prozess ablaufen soll, doch gut das man im Internet fündig wird.

    • 18. März 2017 um 19:41

      Guten Tag,

      vielen Dank für Ihre Anmerkung zu “Anwalt wechseln?”. Im Prozess den Anwalt zu wechseln ist sicherlich ärgerlich und sorgt für Stress, kann aber manchmal unabdingbar sein. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

  • 5. März 2017 um 10:49
    Kein Name says:

    hallo ich möchte meinen anwalt im laufenden prozess wechseln, geht das noch?

    • 7. März 2017 um 15:48

      Guten Tag,

      vielen Dank für Ihre Frage zum Thema “Anwalt wechseln?”. Ja, es geht, Sie können Ihren Anwalt in der Regel auch während eines laufenden Prozesses wechseln, allerdings sollte dieser Wechsel gut überlegt und keine Kurzschlussreaktion aufgrund kurzzeitiger Unstimmigkeiten sein. Gern können Sie uns einmal unverbindlich Ihren konkreten Fall schildern, und wir teilen Ihnen im Rahmen einer kostenfreien Ersteinschätzung mit, ob wir den Anwaltswechsel im laufenden Prozess für sinnvoll halten.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

    • 24. März 2017 um 14:37
      Hikmet gevin says:

      Hallo erstmal ich habe bedenken das mein Anwalt gut ist in meinem fall .denn meine frau ist seit einem jahr verstorben durch einen Verkehrsunfall und ich habe bisher nur teilentschädigung von meine Beerdigungs kosten erhalten und die gegen seite wurde schon verklagt vor 1monat bisher habe ich noch nichts von der anklageschrift oder wieder spruch erhalten .im laufenden Verfahren habe ich alle quittungen von der jahresmesse und Grab stein auch beim anwalt eingereicht .aber mein anwalt kommt nicht vorran denn dieser fall ist gewonnen.aber er hat mich noch nicht in Kenntnis gesetzt was mir und meiner kinder in der Zukunft durch diesen fall zu stehen die wir beanspruchen meine frau wurde 41 jahre alt und wir haben 3 kinder im alter von 14 ..17.. 19.. hahren und ich bin seit dem unfall in Psychologiesche betreung und gehe nicht mehr arbeiten weil für mich eine welt zusammen gebrochen ist ich komme mir mit meine kinder so schwer zu Recht weil ich nicht nur meine frau verloren habe denn auch finanziel habe ich mich ins mius gestürzt darum bitte ich um Antworten was kann oder soll mein anwalt machen oder kann er überhaupt was machen bei diesen gewonnen Prozess wo ich noch keine richtige antworten habe.danke im voraus

    • 27. März 2017 um 09:36

      Guten Tag,

      vielen Dank für Ihre Anfrage zu “Anwalt wechseln?”. Ihren Anwalt zu wechseln kann überlegt werden, sollte als Entscheidung jedoch nicht voreilig getroffen sein. Wir haben Ihnen per Email genauer geantwortet.

      Mit freundlichen Grüßen
      Rechtsanwalt Thomas Feil

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